Der Regenwurm ist ihr Kapital

Im März beginnen die Landwirte im Landkreis Kassel mit der Aussaat

Sind das ganze Jahr draußen: 16 Schlachtbullen grasen aktuell auf der Wiese von Steffen (links) und Bernd Sälzer im Wolfhager Ortsteil Istha. Ihr Fleisch vermarktet die Familie Sälzer direkt.
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Sind das ganze Jahr draußen: 16 Schlachtbullen grasen aktuell auf der Wiese von Steffen (links) und Bernd Sälzer im Wolfhager Ortsteil Istha. Ihr Fleisch vermarktet die Familie Sälzer direkt.

Mit jedem Jahr gibt es weniger landwirtschaftliche Betriebe. Was früher in der Region zum Alltag gehörte, ist heute nur noch für wenige Hauptberuf. Ein Jahr begleiten wir Landwirte bei ihrer Arbeit.

Kreis Kassel – Wer die Galloway-Rinder der Familie Sälzer besucht, muss nicht nur auf die Stimmung der wachsamen Schlachtbullen achten, sondern auch auf seine Füße. Denn die elf Hektar große Wiese in der Nähe von Wolfhagen-Istha wird nicht bearbeitet. Auf der Naturschutzfläche mit mehreren Teichen sind die Rinder als Landschaftspfleger im Einsatz.

Zu tun hat die Familie im März trotzdem viel, erklärt Bernd Sälzer. Vom Zäune reparieren, über das Düngen und das Vorbereiten der Böden, bis hin zum Aussähen der ersten Feldfrüchte wie Ackerbohne und Hafer steht einiges an.

„Wenn man den Faktor Zeit einkalkuliert, ist das die anstrengendste Jahreszeit“, sagt Bernd Sälzer. Auch, weil die Familie die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreibt. „Das funktioniert nur, weil wir alle an einem Strang ziehen.“ Erst vor drei Jahren habe die Familie mit der Umstellung auf Ökolandwirtschaft begonnen. „Das bedeutet schon einige Veränderungen“, sagt Bernd Sälzer.

So ist zum Beispiel am Anfang des Jahres ein Schäfer mit seiner Herde auf den Feldern unterwegs, um die Zwischenfrüchte abzugrasen. „Die dabei auf dem Acker verbleibenden Pflanzenreste versorgen den Boden mit organischer Substanz, und der Schäfer hat Futter für seine Tiere“, erklärt Steffen Sälzer. Auch zum Erosionsschutz würden Zwischenfrüchte beitragen.

Steffen Sälzer sät Hafer auf einem Feld zwischen Istha und Balhorn.

Neben der Gründüngung kommen auch Festmist und Brandasche zum Einsatz. „450 Tonnen haben wir auf 20 Hektar Fläche in diesem Jahr ausgebracht.“ Beim Öko-Landbau stehe die Prävention von Krankheiten, Schädlingen und Beikraut im Vordergrund. Man müsse sich also mehr Gedanken über Saat- und Erntezeiten, Bodenbearbeitung und Fruchtfolgen machen, erklärt Steffen Sälzer. „Wir streben zum Beispiel eine sechsjährige Fruchtfolge an, das heißt, nur alle sechs Jahre kommt die gleiche Kultur aufs Feld. Beim konventionellen Ackerbau sind es meist drei.“ Da brauche es eine feine Abstimmung für die bestmögliche Nährstoffversorgung und Gesundheit der Pflanzen.

Auch Nützlinge wie der Regenwurm haben eine größere Bedeutung, da sie den Boden auflockern, Nährstoffe einbringen und Qualitätsindikator sind. „Wenn wir heute auf dem Acker unterwegs sind, umkreisen einen oft Vogelschwärme, wie im Horrorfilm. Und ich denke, hier geht mein Kapital flöten“, scherzt Bernd Sälzer.

Bei Vielem sei man noch am Ausprobieren. Manchmal läuft das gut, manchmal nicht so. So brach vergangenes Jahr die Pilzkrankheit Weizensteinbrand aus. „Da muss jetzt erst mal zwei Jahre Kleegras wachsen“, sagt Bernd Sälzer. Die Umstellung hat die Familie trotzdem noch nicht bereut. Einerseits, weil es zum Modell der Direktvermarktung passt: „Die Kunden legen Wert auf einen geschlossenen Kreislauf“. Andererseits, und das sei der Hauptgrund, sagt Bernd Sälzer: „Nachhaltigkeit ist wichtig. Meine Enkel sollen schließlich auch noch etwas von der Natur haben“. (Michaela Pflug)

Im ersten Teil der Serie berichten wir darüber, was bei den Landwirten im Januar passiert. Im zweiten Teil geht es um das Düngen der Felder im Februar.

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