Weniger Kühlzellen auf Friedhöfen

Immer mehr Urnenbeisetzungen – Kommunen im Kreis Kassel sparen Kosten

Wie hier auf dem Lohfeldener Hauptfriedhof prägen immer mehr die Urnengräber das Bild.
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Kühlung nur für Erdbestattungen nötig: Wie hier auf dem Lohfeldener Hauptfriedhof prägen immer mehr die Urnengräber das Bild. Dreiviertel aller Beerdigungen in Lohfelden waren 2019 Feuerbestattungen.

Aufwendige Gräber sind für viele Menschen keine Option mehr: Schon länger gibt es einen deutlichen Trend hin zu Feuerbestattungen – so auch offenbar im Landkreis Kassel.

Bei Urnenbestattungen genügt ein schlichter Sarg für die Verbrennung des Verstorbenen im Krematorium. Die Urne mit der Asche benötigt nur eine kleine Grabstelle, die häufig einfacher zu pflegen und zu schmücken ist als eine große, traditionelle Grabstelle.

Die Änderung der Bestattungskultur hat aber auch weitere Folgen: Urnen benötigen keine Kühlung – im Gegensatz zu Leichnamen, die im Sarg auf die Beerdigung warten. Zumindest die Gemeinde Fuldatal und die Stadt Baunatal haben daraus Konsequenzen gezogen und ihre Kühlmöglichkeiten reduziert. Das ergab eine stichprobenartige Befragung durch die HNA.

Für die Gemeinde Fuldatal war wohl ein Defekt an ihrer Kühlanlage in Ihringshausen Anlass, den Bedarf an Kühlzellen für Verstorbene zu überprüfen. Laut Bürgermeister Karsten Schreiber wurden diese fünf Kühlzellen 2019 nur sechs Mal genutzt. Die weitere Kühlanlage der Gemeinde in Simmershausen sei im laufenden Jahr ebenfalls nur sechs Mal von Bestattungsunternehmern gebucht worden. Die Bestatter verfügten entweder über eigene Kühlmöglichkeiten oder nutzten Kühlzellen in Kassel, heißt es vonseiten der Gemeinde. Fuldatal hat nun die Konsequenz gezogen: Ihre Kühlanlage in Ihringshausen repariert sie nicht und hält sie nur noch als schnell zu reaktivierende Reserve. Das spart auch noch Kosten: 2500 Euro für die Reparatur und 125 Euro an jährlichen Wartungskosten.

Die Stadt Baunatal hat nach Auskunft von Pressesprecherin Susanne Bräutigam schon in den letzten Jahren die Zahl ihrer Kühlzellen auf den städtischen Friedhöfen reduziert, allein auf dem Hauptfriedhof von drei auf eine Kühlzelle. Im Ortsteil Großenritte verzichte man ganz auf eine Kühlmöglichkeit. Die Kühlzellen würden in Baunatal relativ selten und nur von auswärtigen Bestattungsunternehmern genutzt, im Schnitt nur einmal pro Jahr. Die hiesigen Bestatter verfügten über eigene Kühlmöglichkeiten. Außerdem betrage die Anzahl der Erdbestattungen nur noch gut 20 Prozent.

Ganz anders sieht es in der Stadt Vellmar aus, die einen ähnlichen Anteil von Erdbestattungen wie Baunatal verzeichnet. Die vier Kühlzellen in Niedervellmar werden laut Pressesprecherin Astrid Kneuer im Schnitt 60 bis 70 Mal pro Jahr genutzt. Nur ein Vellmarer Bestatter verfüge über eigene Kühlmöglichkeiten. In Niestetal habe man „Überlegungen der Einsparung“ im Bereich der Kühlung angestellt, teilte Fachbereichsleiter Alexandros Souris mit. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. In der Gemeinde verfügten die Bestatter über keine eigenen Kühlräume. Die gemeindlichen würden häufig genutzt, eine Statistik gebe es nicht.

Die Gemeinde Fuldabrück hat laut Bürgermeister Dieter Lengemann fünf Kühlstätten mit elf Kühlzellen auf den Friedhöfen. Diese würden etwa an 150 Tagen im Jahr genutzt. Einheimische Bestatter hätten keine eigenen Kühlmöglichkeiten. Überlegungen, die Kühlzellen zu reduzieren gebe es nicht. Im Übrigen seien diese allein schon für Notsituationen sinnvoll.

Auch die Gemeinde Lohfelden plant keine Reduzierung ihrer Kühlmöglichkeiten. Die Kühlhallen auf dem Hauptfriedhof seien in den beiden Vorjahren 17-mal, in 2020 bisher elfmal genutzt worden, die Bestatter hätten eigene Kühlzellen, so Fachbereichsleiter Thorsten Bürger. (Peter Dilling)

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