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„Bleibe bei Vellmar-Nord optimistisch“: Bürgermeister Manfred Ludewig über das neue Baugebiet

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Von: Sebastian Schaffner

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Am liebsten im Ahnepark: Auf die Frage nach seinem Lieblingsplatz in Vellmar muss Bürgermeister Manfred Ludewig nicht lange überlegen. Im 1986 eröffneten Stadtpark joggt er gerne, geht spazieren und genießt die Idylle. Unser
Am liebsten im Ahnepark: Auf die Frage nach seinem Lieblingsplatz in Vellmar muss Bürgermeister Manfred Ludewig nicht lange überlegen. Im 1986 eröffneten Stadtpark joggt er gerne, geht spazieren und genießt die Idylle. Unser © zeigt ihn an der Skulptur „Stille“, einem überdimensionalen Ohr von Susanne Grosche, das beim Bildhauer-Symposium 1987 entstanden ist. Foto: Sebastian Schaffner

Vellmars Bürgermeister Manfred Ludewig spricht im Interview unter anderem über das Jahr 2022, das neue Baugebiet Vellmar-Nord und welche Neuigkeiten es rund um das Rathaus gibt.

Vellmar – Corona, Krieg, Inflation 2022 hat unser Leben kräftig durcheinandergewirbelt. Wie erleben die Kommunen diese Zeit? Was sind jetzt die Herausforderungen? Wir fragen bei den Bürgermeistern im Kreis Kassel nach. Heute: Manfred Ludewig (SPD) aus Vellmar.

Die Zukunft der Schwimmbäder, die steigenden Schulden und natürlich das Baugebiet Vellmar-Nord: Bürgermeister Manfred Ludewig spricht im Interview über die Themen, die Vellmar im neuen Jahr bewegen werden.

Vellmars Bürgermeister Manfred Ludewig über das neue Baugebiet

Herr Ludewig, der Jahreswechsel ist für viele Menschen ein Zeitpunkt des Innehaltens, der Reflektion. Wenn Sie auf 2022 zurückblicken: Was bleibt Ihnen positiv in Erinnerung?

Positiv ist mir in Erinnerung geblieben, wie schnell in Vellmar eine Unterstützung der Flüchtlinge aus der Ukraine entstanden ist und unbürokratisch Hilfe mit Geld- und Sachspenden, sowie Wohnungen und Arztsprechstunden entstanden sind. Gleichzeitig bleibt mir die positive und sachliche Beratung rund um die Beschlüsse zum Baugebiet Vellmar-Nord in Erinnerung.

Was war negativ?

Der Krieg ist ein einschneidendes Erlebnis. Dass im 21. Jahrhundert fast vor unserer Haustür ein Angriffskrieg stattfindet, hätte ich nicht gedacht und macht mir natürlich Sorgen.

Blicken wir auf das neue Jahr: Was sind die größten Herausforderungen für die Stadt Vellmar?

Als Herausforderung betrachte ich die vorhandene Inflation, also steigende Kosten für uns alle. Die Auswirkungen der verschiedenen Krisen in Europa und auf der ganzen Welt. Diese wirken sich natürlich auch auf den kommunalen Bereich aus, da uns ebenfalls steigende Kosten beeinträchtigen. Gleichzeitig besteht ein enormes Haushaltsrisiko durch die unklaren Einkommensteueranteile und die Gewerbesteuer. Diese Herausforderungen gilt es gemeinsam zu meistern.

Ein großes Thema ist Vellmar-Nord, das größte Baugebiet im Landkreis Kassel. Gibt’s da Neuigkeiten?

Die notwendigen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats sind gefasst worden. Als Neuigkeit ist die Beschlussfassung des Magistrats zum Baulandumlegungsverfahren zu nennen. Die Rechtskraft tritt im Februar 2023 ein. Im Anschluss kann die Vermarkung beginnen.

3000 Menschen haben ihr Interesse für einen Bauplatz hinterlegt – allerdings vor allem schon zu einem Zeitpunkt, bevor das Parlament im Dezember die Grundstückspreise erhöht hat. Haben Sie die Bewerberzahl schon „ausgesiebt“?

Die Abfrage der weiterhin Interessierten. Grundstücksbewerber ist Bestandteil des Vermarktungsablaufs.

Sie sind weiterhin guter Dinge, dass alle Bauplätze vergeben werden?

Ja, natürlich bleiben wir hinsichtlich der Vermarktung der Grundstücke bei der Vielzahl der Interessenten optimistisch.

Von einem geplanten Neubaugebiet zu einem Sanierungsfall: Wie ist der Stand beim Bürgerhaus Obervellmar?

Die Stadtverordnetenversammlung hat einstimmig beschlossen, die Sanierung des Bürgerhauses Obervellmar wegen der hohen Investitionskosten zurückzustellen. Der Magistrat wurde beauftragt, eine Bedarfsanalyse zu erstellen, die die Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnis genommen hat. Das Fazit lautete, dass kein Bedarf für Vereine besteht.

Es passiert also vorerst nichts?

Wir heizen natürlich, um Frostschäden zu vermeiden, und kümmern uns um notwendige Unterhaltungsmaßnahmen. Passieren wird vorerst aber nichts. Zumindest ist im aktuellen Haushalt nichts eingeplant. Aber vielleicht kommt ja noch eine Initiative aus der Stadtverordnetenversammlung?!

Wie ist die Situation im Bürgerhaus Vellmar-West?

Die ehemaligen „Bürgerstuben“ wurden zwischenzeitlich als Corona-Teststation genutzt. Aktuell wird gerade ein weiterer Jugendtreff unserer Jugendpflege dort eingerichtet, da der „Vabia Jugendtreff & Freestyle Camp Vellmar“ des Diakonischen Werkes der Region Kassel eingestellt wurde, wurde die Aufgabe und der Mitarbeiter durch die Stadt Vellmar übernommen.

Beide Vellmarer Schwimmbäder sind sanierungsbedürftig. Wie es mit ihnen weitergeht, soll ein Bäderkonzept zeigen, das im Sommer vorliegen soll. Was glauben Sie, was aus dem Konzept folgen wird?

Die Politik erhält eine gesamtheitliche Betrachtung der Bädersituation in und um Vellmar. Handlungsalternativen werden aufgezeigt, die dann unter den gegebenen Rahmenbedingungen, zum Beispiel Bedarf, Potenziale und Finanzielles, politisch zu entscheiden sind. Bereits im Prozess der Konzepterstellung werden Politik, Bürgerschaft und Förderverein eingebunden. Der Förderverein stellt eine gute Unterstützung für die Stadt dar mit dem wir zum Wohle des Bades gestalten.

Der im Oktober gegründete Förderverein wird also im Bäderkonzept berücksichtigt.

Ja. Das Bäderkonzept wurde im Dezember beauftragt. Wir haben inzwischen auch mit dem Vorstand des Fördervereins ein erstes Gespräch geführt.

Eine halbe Million Euro ist im neuen Haushalt für die Rad-Direktverbindung Vellmar-Kassel reserviert: Wie ist da der Stand?

Aktuell ist das Projekt „Rad-Schnellverbindung Vellmar-Kassel“ in der Entwurfsplanung. Als Nächstes erfolgt die Ausführungsplanung für den ersten Bauabschnitt, innerorts von Brüder Grimm Straße bis Grundweg. Anschließend startet das Ausschreibungsverfahren. Der Baubeginn dieses ersten Bauabschnitts ist für den September 2023 vorgesehen.

Der Kreditbestand der Stadt wird schon bald bei 32 Millionen Euro liegen, sagten Sie in Ihrer Haushaltsrede. Als Sie vor neun Jahren ins Amt kamen, hatte die Stadt noch rund 10 Millionen Euro Schulden. Auch wenn die Pro-Kopf-Verschuldung im Hessen-Vergleich moderat ist: Wie lange kann sich Vellmar steigende Schulden leisten?

In den letzten Jahren wurde viel Geld in die vorhandene und neue notwendige Infrastruktur investiert: Rathaus, Kulturhalle, Kita „In der Aue“, Krippen in Obervellmar, Vellmar-West und Niedervellmar, Feuerwehr und Beteiligungen an Windparks – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es handelt sich dabei um wichtige zukunftsweisende und teilweise auch von Bund und Land vorgegebene und umzusetzende Maßnahmen. Die finanzielle Leistungsfähigkeit ist gegeben, sonst hätte es auch keine Genehmigung durch die Aufsicht gegeben. Diese Investitionen waren nur möglich, weil wir die Niedrigzinsphase nutzen konnten. Investieren ist auch die Aufgabe einer Kommune, da hierdurch eine aktive Wirtschaftsförderung betrieben wird und das Anlagevermögen aufgewertet wird.

Zum Ende des vergangenen Jahres hat das spanische Restaurant „De Luna“ die Räumlichkeiten im Rathaus gekündigt. Gibt’s schon einen Nachfolger?

Die Übergabe findet in dieser Woche statt. Dann stehen Besichtigungstermine an. Was ich Ihnen verraten kann: Es gibt einige Interessenten.

1975 hat Vellmar die Stadtrechte verliehen bekommen. In zwei Jahren jährt sich dieses Datum zum 50. Mal. Gibt es schon Planungen, ob und wie dieses Jubiläum gefeiert werden soll?

Genauer gesagt sind es sogar zwei große Jubiläen in 2025: Die 1250-Jahr-Feier und 50 Jahre Stadtrechte. Hierfür wird es einen offiziellen Festakt geben, das ist sicher. 1250 Jahre Vellmar soll eine Jubiläumsfeier von, mit und für unsere Bürgerinnen und Bürger werden. Gäste sind selbstverständlich herzlich willkommen. Ob Veranstaltungsreigen oder Festwoche: Ideen gibt es bereits viele. Toll wäre, wenn wir – ähnlich wie in 1975 zur 1200-Jahr-Feier – wieder einen großen historischen Festzug aufstellen könnten. (ses)

Verwandte Themen: Auch Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda spricht im Interview über seine Gemeinde. Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber spricht dagegen über Fuldatals finanzielle Lage.

Zur Person

Manfred Ludewig (57) ist in Uslar geboren und wuchs in Wahlsburg auf. Er ist Diplom-Kaufmann für Verwaltungsmanagement. Er arbeitete als Kämmerer und Standesbeamter in Wahlsburg, als stellvertretender Amtsleiter im Kirchenkreis Münden sowie als Leiter der Finanzverwaltung Fuldatal. Seit 2014 ist er Bürgermeister in Vellmar.

Der Sozialdemokrat ist seit 1993 Mitglied im Kreistag. Außerdem ist er in zahlreichen Vereinen und Verbänden aktiv, wie der Verbandsversammlung der Kasseler Sparkasse und im Vorstand des Zweckverbands Raum Kassel. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Manfred Ludewig ist Fan und Mitglied des FC Bayern München.

Zu seinen Hobbys zählt das Laufen. Im Oktober will er in Budapest mit der Bürgermeistergattin der Vellmarer Partnerstadt St. Martin seinen 13. Marathon „finishen“. Zuletzt gelesen hat er das Buch „Blackout 2“. Musikalisch mag er vor allem Bruce Springsteen, die Toten Hosen, AC/DC und Lotto King Karl. (ses/alh)

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