Bundes-Notbremse greift

Inzidenz im Landkreis Kassel über 165: Ab Mittwoch sind Schulen und Kitas zu

Gähnende Leere: So ähnlich wird es wohl ab Mittwoch auf dem Schulhof der IGS Kaufungen aussehen. Die Schule wird nur für Abschlussklassen geöffnet sein.
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Gähnende Leere: So ähnlich wird es wohl ab Mittwoch auf dem Schulhof der IGS Kaufungen aussehen. Die Schule wird nur für Abschlussklassen geöffnet sein.

Nun greift die Bundesnotbremse auch im Landkreis Kassel, nachdem an drei Tagen in Folge die Sieben-Tage-Inzidenz von 165 überschritten worden ist.

Kreis Kassel – Der Präsenzunterricht in Schulen und die Regelbetreuung in Kitas sind ab Mittwoch (28.04.2021) tabu. Das teilt das Hessische Sozialministerium mit. Eine Notbetreuung soll eingerichtet werden, für Abschlussklassen und Förderschulen soll es Ausnahmen geben. Doch was bedeutet das für Schulen und Kitas, Eltern und Kinder?

Schulen im Landkreis Kassel

„Die Organisation und Umsetzung sind überhaupt kein Problem“, sagt Walter Kayser, Leiter der Theodor-Heuss-Schule in Baunatal, eine Kooperative Gesamtschule mit Gymnasialzweig. Seit März 2020 arbeite die Schule mit einem Videoprogramm und der Unterricht werde auch auf Distanz nach dem Stundenplan realisiert – „da fällt nicht eine Stunde aus“, versichert Kayser. Für die Abschlussklassen gebe es ab Mittwoch Wechselunterricht. Die Klassen 5 und 6 müssten zurück in den Distanzunterricht.

Laut Kayser hat die Schule bislang immer das Beste aus den Regeln gemacht, „wir können aber natürlich die soziale Nähe nicht herstellen“, sagt er. Das sei schon eine Sache, unter der einige Schüler litten. Damit die Lehrer trotz der Ferne auf die Schüler eingehen können, habe es mehrere Fortbildungen gegeben. Da man aber beim Thema Distanzunterricht methodisch-didaktisch bei null gestartet sei, ist in dem Bereich laut dem THS-Leiter sicherlich noch Luft nach oben.

„Wir müssen es einfach stemmen“, sagt Christine Saure zur aktuellen Situation. Allerdings, so die Leiterin der Integrierten Gesamtschule (IGS) Kaufungen, gehe man an der Schule langsam am Krückstock. Die 900 Schüler unter ständig wechselnden Bedingungen zu unterrichten, sei ein irrsinniger Organisationsaufwand.

Bundes-Notbremse und Schnelltests hält Saure dennoch für richtig: „Vielleicht war es schon überfällig.“ Jetzt müssen ab Mittwoch neben den Jahrgängen 7 und 8 auch die 5. und 6. Klassen zu Hause unterrichtet werden. Ebenso, wie die Jahrgänge 9 und 10, die auf eine weiterführende Schule gehen wollen. Die Abschlussjahrgänge seien im Wechselunterricht. „Wir schauen, wie sich die Zahlen entwickeln“, sagt Saure. Kommende Woche könnte es schon wieder anders sein.

Die Lichtenberg-Schule ist zwar eine Landkreisschule, liegt aber in der Stadt Kassel. Deshalb gelten dort die Inzidenzwerte und Regeln der Stadt, berichtet Schulleiter Stefan Hermes. Seit gestern seien nur noch die Abiturienten und der Jahrgang Q2 in der Schule. Den Wechselunterricht zu organisieren, sei ein großer Aufwand, weil durch das Kurssystem in der Oberstufe nicht einfach Klassen zweigeteilt werden könnten.

Etwas übersichtlicher ist es da an der Eschenwaldschule in Helsa-Eschenstruth. 64 Kinder besuchen die Grundschule – und die lernen laut Leiterin Sonja Jansen ab Mittwoch von zu Hause aus. Organisatorisch sei das machbar, „wir sind da mittlerweile alte Hasen“, sagt Jansen.

Dennoch sei die Zeit für alle Beteiligten anstrengend: für die Kollegen, weil die Bestimmungen vom Kultusministerium oft erst Freitagabend kämen und man erst am Wochenende planen könne. Und für die Eltern, weil sie sich immer wieder auf die neue Situation einstellen müssten. Sorgen mache sie sich aber vor allem um die Kinder. Sie verbringen laut Jansen zu wenig Zeit mit Gleichaltrigen, was für die Entwicklung wichtig sei. „Da wird es eine ganze Menge nachzuholen geben.“

Kitas im Landkreis Kassel

In Fuldabrück gab es am Montagmorgen eine Runde mit allen Kita-Leitungen, um das Vorgehen zu besprechen, berichtet Bürgermeister Dieter Lengemann. Die Eltern seien gestern informiert worden, dass es ab Mittwoch nur noch eine Notbetreuung geben wird. Bis Dienstag, 15 Uhr, sollten die Eltern eine Rückmeldung geben. Die Notbetreuung kann laut Lengemann in Anspruch genommen werden, wenn beide Eltern berufstätig sind – eine Bescheinigung vom Arbeitgeber sei notwendig – wenn die Betreuung vom Jugendamt angeordnet wurde, bei Integrationskindern und Härtefällen, die laut Lengemann allerdings nicht genau definiert sind.

In jedem Ortsteil soll eine Notbetreuung angeboten werden. Das bedeute gleichzeitig, dass viele Kinder wieder zu Hause bleiben müssen. Das ist laut Lengemann bedauerlich, aber er sagt auch: „Aus meiner Sicht wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen, damit wir endlich von den hohen Zahlen runterkommen.“

Die Kita Niester Zwerge hat ihre Türen erst einmal wieder geöffnet. Nachdem die Stätte wegen Covid-Infektionen in der blauen und der roten Gruppe in der vergangenen Woche geschlossen blieb, konnten gestern wieder Kinder kommen. Ob das ab Mittwoch genauso weitergehen kann, hängt noch in der Schwebe, sagt Gemeindemitarbeiter Benjamin Boßmann. „Es kommen ohnehin nur diejenigen Kinder, die ganz dringend Betreuung brauchen.“ Ob sich daran durch die Notbremse etwas ändere, werde noch geklärt.

In Vellmar sieht man die Notbremse positiv, teilt Stadtsprecherin Astrid Kneuer. Zumindest hätten Eltern in Rückmeldungen bisher Verständnis dafür gezeigt, dass in den sieben städtischen Kitas ab Mittwoch nur noch Notbetreuung angeboten wird. Beim Personal herrsche sogar Erleichterung. „Die Gruppen waren in letzter Zeit voll belegt, somit war das Infektionsrisiko auch höher“, sagt Kneuer.

Das sagt der Landkreis Kassel: Notbremse gilt für 72 Schulen und 141 Kitas

Die Notbremse, die der Bundestag beschlossen hat, gilt für alle 72 Schulen und 141 Kitas im Landkreis Kassel. Das teilt Kreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage mit. Dementsprechend bleiben die Schüler aller Jahrgänge zu Hause. Ausnahmen sind Abschlussklassen und Förderschulen, so Kühlborn. „Sie bleiben auch bei einer Inzidenz von über 165 im Wechselunterricht.“

Für die Zeiten des Wechsel- und Distanzunterrichts könne auch eine Notbetreuung in Anspruch genommen werden. Weiterhin könnten Schüler in die Schule kommen, die beispielsweise sonderpädagogische Förderung benötigen.

Laut Kühlborn trifft die Notbremse aus Sicht des Landkreises den richtigen Nerv: Sie schaffe einen einheitlichen Rahmen, der greift, sobald eine Inzidenz überschritten wird. „Das begrüßen wir, da wir im Norden und Westen an zwei andere Bundesländer angrenzen“, sagt Kühlborn. (Moritz Gorny Und Lara Thiele)

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