BESONDERE MENSCHEN IM PORTRÄT Täglich um 11 Uhr gibt’s Cappuccino

Der Experte für die Fuldaschleuse feierte 80. Geburtstag

Ingenieur Joachim Bürgels aus Vellmar ist Experte für die Geschichte der Fuldaschleuse, bereiste für AEG die Welt und arbeitete für die Vereinten Nationen, doch sein Herz schlägt für die Familie.
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Ingenieur Joachim Bürgels aus Vellmar ist Experte für die Geschichte der Fuldaschleuse, bereiste für AEG die Welt und arbeitete für die Vereinten Nationen, doch sein Herz schlägt für die Familie.

„Kommen Sie rein, hier gibt’s jetzt erst mal Cappuccino“ sagt Joachim Bürgel, Experte für die Fuldaschleuse, zur Begrüßung, als er seine Haustür öffnet.

Vellmar – Denn es ist Punkt 11 Uhr – und das bedeutet im Hause Bürgel Kaffeepause. Dazu gibt es Kekse und ein Gespräch über das bewegte Leben des Seniors aus Vellmar.

Vor wenigen Tagen feierte Bürgel seinen 80. Geburtstag: Der Elektro-Ingenieur blickt auf eine erfolgreiche Karriere in der Kühlschranktechnik bei der AEG in Kassel zurück. Er hat für seinen Job die Welt bereist – allein in Venedig war er etwa 30 Mal. Vor seiner Rente arbeitete Bürgel von 1999 bis 2001 noch als Berater für die Vereinten Nationen.

Experte für die Fuldaschleuse: Joachim Bürgel im Porträt

Vor 30 Jahren zog Bürgel mit Frau und Kindern an die Schöne Aussicht in Vellmar, geboren ist er allerdings an der Küste. „Ich wurde in Bremerhaven geboren, 1947 sind wir zu den Großeltern nach Kassel gezogen“, berichtet er. Sein Großvater Hans Bürgel war von 1912 bis 1948 Schleusenmeister an der Fulda und Bürgel verbrachte seine Kindheit an der Fuldaschleuse. Das war der Beginn seiner Liebe für die Fuldaschifffahrt. Von Beginn an ist er Mitglied im Museumsverein Fuldaschifffahrt. Mit seinem schier unerschöpflichen Wissen über den Kasseler Hafen und der Historie rund um die Schleuse bietet der Rentner Führungen im Museum in der Unterneustadt und am Fuldaufer an. Doch Joachim Bürgels Herz schlägt auch für die Familie. Seine Frau Ute (74) lernte er bei AEG kennen, „sie musste meine Bestellungen für Büromaterialien genehmigen“, erzählt er.

Seit nunmehr 50 Jahren gehen die Bürgels einem gemeinsamen Hobby nach: dem Tanzen. „Am liebsten tanzen wir den langsamen Walzer“, ist sich das Paar einig. Doch wegen Corona und der neuen Hüfte seiner Frau müssten sie aktuell mit dem Tanzen im Rot-Weiss-Klub Kassel pausieren. Geheiratet hat das Paar 1970, ihre Zwillingstöchter folgten drei Jahre später. „Die waren damals eine ziemliche Überraschung“, erzählt er.

Joachim Bürgel aus Vellmar lebte als Kind an der Fuldaschleuse

Seitdem hat sich viel getan, Bürgel ist dreifacher Opa. „Meine Enkel sind das Größte für mich“, sagt er und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Mit seiner Werkstatt im Keller stünde er bei den drei Jungs, zwei sind elf, einer 14 Jahre alt, ganz hoch im Kurs. „Am Wochenende habe ich mit meinem Enkel aus Berlin Stelzen gebaut“, erzählt er. „So was bereitet mir viel Freude“, sagt der Rentner.

Die Kinder hätten ihm vor einiger Zeit ein Buch geschenkt, in dem er „unzählige Fragen zu meinem Leben beantworten sollte“. Bürgel steht vom Kaffeetisch auf und läuft in sein Büro. Als er zurückkommt, hält er ein blaues Buch mit der silbernen Aufschrift „Familiengeschichte“ in der Hand: „Die Idee fand ich so gut, dass ich unsere Familiengeschichte aufgeschrieben habe“, erzählt er. Sein Werk hat er binden lassen und an Enkel und Töchter verschenkt – als Erinnerung.

fuldaschifffahrt.chayns.net

Von Theresa Lippe

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