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Jungdesigner aus Niestetal setzt auf düstere Mode: Seine Kollektion soll zum Nachdenken anregen

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Von: Michaela Pflug

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Jungdesigner Hakan Demirbas hat eine Modelinie / Kollektion rausgebracht, sie heißt Heroin Chic.
Cool und mit falschen Elfenohren in Szene gesetzt: Zur Kollektion gehört auch eine Bild und Video-Kampagne. © Ekatarina Dedetas/NH

Blässe, dunkle Augenringe, Partys, die Neunziger – das verbindet Hakan Demirbas mit „Heroin Chic“. So heißt die neue Kollektion des Nachwuchsdesigners.

Niestetal/Kassel – In der Praxis sind das T-Shirts, Jacken und Hosen in überwiegend Schwarz, die in seinem Studio an der Frankfurter Straße an einer Kleiderstange hängen. Die soll es bald online und später in ausgewählten Boutiquen geben.

Dass er mit einem Kollektionsnamen wie diesem anecken wird, ist ihm, der den Künstlernamen Gillo bevorzugt, klar. „Darauf bin ich gefasst. Ich freue mich darauf, mich mit den Leuten zu unterhalten“, sagt er. Mit Vorurteilen will Gillo aufräumen. So sei die Technoszene zum Beispiel oft missverstanden. Der Stil bedeute nicht, dass eine ganze Szene aus Drogenabhängigen bestehe. Vielmehr gehe es um Authentizität und Zusammenhalt.

Jungdesigner Hakan Demirbas
Hakan Demirbas © Karsten Lienig

Kollektion ist nicht nur für Dünne gedacht

Wenn man sich mit den Dingen intensiver beschäftige, dann werde oft klar, dass mehr dahinter stecke, dass die erste Vermutung falsch sei. „So ist es auch mit dem Schlafmohn“, sagt der 25-Jährige. Der sei an sich nicht schädlich, diene als Nahrungsmittel und Heilpflanze. Erst durch die Weiterverwendung werde er zur Droge.

Die will er nicht verherrlichen. „Ich lehne alle Substanzen ab, die den Geist schädigen“, sagt Demirbas. Auch um Untergewicht und Essstörungen, die viele mit den Models und der Mode der Neunziger verbinden, ginge es ihm nicht. Die Stücke seiner limitierten Kollektion sollen nicht nur dünnen Menschen passen. Seine Mode und seine Ideologie sei auch eine Zurückweisung des medial zelebrierten und künstlich erzeugten Perfektionismus à la Kim Kardashian.

Das Schönheitsideal aus den 90er-Jahren

„Heroin Chic“ ist ein Mode- und Körpertrend aus den 1990er-Jahren. In den späten 1980er-Jahren und frühen 90er-Jahren setzte man auf durchtrainierte Körper und große Brustimplantate. Der „Heroin Chic“ stellte das komplette Gegenteil dar: Dieses Schönheitsideal zeichnet sich vor allem durch eine extrem dünne Figur, blasse Haut, dunkle Augenringe, strähniges Haar und einen androgynen Style aus. All diese Merkmale werden auch mit dem Missbrauch starker Drogen assoziiert, die Stilvorbilder waren Heroinabhängige. Als Ikone des „Heroin Chics“ gilt das berühmteste Model dieser Zeit: Kate Moss. Von ihr stammt auch das Zitat: „Nichts schmeckt so gut, wie sich dünn sein anfühlt.“ (dpa)

Heroin Chic ist zurück

Die Idee zur Kollektion sei ihm schon vor über zwei Jahren gekommen. Dass nun Anfang November ein Artikel in der Zeitung New York Post mit „Heroin Chic is back“ erschienen ist, „das war eine Bestätigung für mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin“. Manches wirkt für ihn wie ein Wink des Schicksals, zum Beispiel, dass die Anhänger an seiner Kleidung die Farbe blühenden Schlafmohns haben.

Mode ist ihm wichtig, unabhängig von Trends. „Ich habe mich schon von klein auf für Mode interessiert“, sagt der 25-Jährige, der in Niestetal als Medientechnologe gearbeitet hat, bis er den Job für die Designerkarriere an den Nagel hing. Inspiration sei seine Mutter gewesen, die sich immer schön gekleidet habe.

Liveshows in Kassel geplant

In der 9. Klasse folgte dann das erste Designer-Shirt. Ein ganz schlichtes. Denn Mode sei für ihn kein Statussymbol, sondern Kunst und Emotion. Das solle man auch später in diesem Jahr bei Liveshows in Kassel, die er mit seinen Partnern veranstalten will, erleben können. „Dort sollen sich Gleichgesinnte treffen und austauschen können.“ Sie sollen als Startschuss dienen, um eine Gemeinschaft aufzubauen. Ganz nach seinem Motto „Glaube an die Liebe“.

Im Sinne des Klischees vom geheimnisvollen Künstler will er dann auch nicht verraten, warum sein Label „Oberleutnant“ heißt. „Das würde gar nicht in Ihre wenigen Zeilen passen“, antwortet er auf Nachfrage. (Michaela Pflug)
Info: auf Instagram unter oberleutnantoffical

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