Von der ersten Idee 1840 bis zum Baubeginn vergingen mehr als 36 Jahre

Ein Tal kämpft um die Lok

Der Bahnhof Oberkaufungen: Schon vor Baubeginn der Bahnstrecke Kassel-Bettenhausen nach Waldkappel hatten sich die Dörfer entlang der Strecke für den Bau eigener Bahnhöfe eingesetzt. Die Idee für die Strecke war schon 1840 geboren worden. Foto: Stier

Lossetal. Anfang Dezember 1879 rollte die neue Zeit ins Lossetal: Nach Jahrzehnten der Planung, der Vorbereitung und des Baus wurde die Eisenbahnstrecke von Kassel-Bettenhausen nach Waldkappel eröffnet.

Das Zeitalter der Dampflokomotiven sollte fast ein Jahrhundert dauern: Am 2. Juni 1973 schnaufte das letzte Dampfross Richtung Eschwege, danach sorgten Dieselloks für Vortrieb.

Noch einmal zwölf Jahre später wurde das letzte Kapitel des regelmäßigen Eisenbahnverkehrs im Lossetal geschrieben: Am 31. Mai 1985 wurde das letzte Teilstück zwischen Hessisch Lichtenau und Eschwege vollständig stillgelegt. Auch für die Strecke zwischen Kassel-Wilhelmshöhe und Walburg endete der Personenverkehr.

Das kühne Projekt, die Stadt Kassel und das Lossetal bei Waldkappel ans überregionale Schienennetz der Strecke Berlin - Koblenz (Kanonenbahn) anzubinden, wurde 1840 geboren. Damals wurde das Streckenprofil für eine geplante Eisenbahnlinie von Kassel durch das Lossetal nach Eschwege erstellt.

Danach kehrt erst einmal für 34 Jahre Ruhe ein. Erst am 17. Juni 1874 erteilt der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten der königlichen Eisenbahn-Direction zu Cassel den Auftrag, „die dortseitigen Ermittlungen auf die Anfertigung der Vorarbeiten für eine Eisenbahn von der Centralstation bei Cassel über Helsa und Lichtenau nach Waldkappel“ zu betreiben.

Dabei stellte die Überwindung der Berge von Hessisch Lichtenau die Ingenieure vor große Probleme. Stehende Dampfmaschinen, Seilzüge oder sogar Pferde sollten den antriebsschwachen Loks helfen, die Steigungen zu überwinden.

Schließlich sollte es noch einmal gut drei Jahre dauern, bis die Arbeiten endlich beginnen. Immer wieder mahnen die Bürgermeister in den Dörfern entlang der Strecke an, doch nun endlich den Schienenstrang zu verlegen.

Auch die Gewerbetreibenden der Handwerkskammer führen „lebhafte Klage, weil noch immer kein Anfang gemacht“ ist. In einem Schreiben vom 15. April 1876 an den königlichen Oberpräsidenten, Freiherr von Emde, Cassel, freut sich die Handelskammer über die Bewilligung von 4,5 Millionen Thalern für die Bahn Cassel-Waldkappel, spricht aber auch von „großer Mißstimmung und Beunruhigung“ wegen der Verzögerung. Unter Verweis auf die hohe Arbeitslosigkeit bittet die Kammer um bequeme Gleisanschlüsse für die Industrie. Die Handelsmühle des Herrn Ostheim zur Neuen Mühle, die Hessische Papierfabrik und die Kaufunger Kohlenwerke warten dringlich auf den Schienenstrang. Allein die Mühle befrachte bereits jährlich 1000 Waggons á 100 Zentner und könnte sich bei einem Gleisanschluss leicht auf 2200 Waggons steigern.

Die Papierfabrik habe bereits im Vertrauen auf alsbaldigen Baubeginn einen „großartigen Neubau ausgeführt“ und habe jetzt mit größten Transportschwierigkeiten zu kämpfen.

Nächste Folge: Der Bau der Schienenstrecke beginnt.

Von Winfried Wroz und Thomas Stier

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