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Kahlschlag statt Rückschnitt an Bundesstraße

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Von: Valerie Schaub

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Ziemlich kahl sieht die Böschung an der B 83 beim Waldhotel Schäferberg aus. Laut Hessen Mobil tut das der Natur gut, sie bleibt durch den Rückschnitt gesund.
Ziemlich kahl sieht die Böschung an der B 83 beim Waldhotel Schäferberg aus. Laut Hessen Mobil tut das der Natur gut, sie bleibt durch den Rückschnitt gesund. © Axel Brandt

Jedes Mal, wenn an der B 83 bei Espenau die Büsche geschnitten werden, sperrt Axel Brandt den Parkplatz vom Waldhotel Schäferberg ab. Der Hotelbesitzer kennt das, regelmäßig werden die Sträucher zur Straße hin gestutzt. Was dieses Jahr passierte, kann Brandt nur Kahlschlag nennen.

Espenau – Die Fläche gehört der Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Vor dem Rückschnitt gebe es eine Absprache. Dass die Arbeiter die Büsche in diesem Jahr komplett bis auf den Stumpf abschneiden, damit hatte Brandt nicht gerechnet. „Es sieht aus, wie eine Mondlandschaft“, empört er sich. Für ihn und die Hotelgäste seien die Sträucher auch Sicht- und Lärmschutz. Der ist nun verschwunden. Ob das noch ökologisch sei, fragten sich nach einem Facebookpost auch andere.

Eine Nachfrage bei Hessen Mobil bringt Klarheit. Man habe sie Stelle vor dem Rückschnitt begutachtet, heißt es von der Behörde. „Ich kann gut nachvollziehen, dass die Art des Rückschnitts nicht das war, was das Hotel im Sinn hatte“, teilt Leonie Röntgen mit. Der Rückschnitt in diesem Jahr nenne sich im Fachjargon „auf Stock setzen“. Dabei werden Sträucher bis knapp über dem Boden abgeschnitten. Hessen Mobil mache das regelmäßig, spätestens alle 20 Jahre, damit sich der Strauchbestand gesund entwickeln könne.

„Frisch bearbeitete Flächen können auf den ersten Blick kahl aussehen“, erklärt Röntgen weiter. Der Gehölzschnitt sei aber im Sinne der Natur. Er helfe ihr, sich zu verjüngen und neu aufzustellen. Der radikale Rückschnitt führe in den Folgejahren zu einem kräftigen Zuwuchs.

Sorgen machen muss sich also niemand: „Bereits im ersten Frühjahr nach dem Schnitt ist ein Zuwuchs von mehr als einem Meter zu erwarten. Nach zwei Jahren ist das Gehölz in der Regel bereits wieder zwischen zwei und drei Metern hoch“, erklärt die Sprecherin. Zusätzlich helfe der regelmäßige Rückschnitt den Pflanzen sowie deren Wurzeln, gesund zu bleiben.

Und noch einen Punkt erwähnt die Sprecherin: die Verkehrssicherheit. „Wenn wir diese Form der Gehölzpflege nicht machen würden, wäre die Folge, dass sich die Sträucher durch den engen Stand gegenseitig in die Höhe treiben und dadurch instabil werden.“ Abgestorbene Äste könnten bei Stürmen, wie zuletzt, leicht auf die Straße stürzen.

Mit dem Hotelbesitzer sei man im Gespräch. Außerdem seien solche Aktionen immer auch mit den Naturschutzbehörden abgestimmt und finden nur außerhalb der Vogelbrutzeit zwischen Oktober und Februar statt. Hessen Mobil gehe abschnittsweise vor und achte darauf, dass sich Tiere in angrenzende Flächen zurückziehen können. Für Insekten böte sich der nahe gelegene Wald an.

Einen nachweisbaren Schutz vor Lärm böten die Büsche an der Bundesstraße für die angrenzenden Häuser allerdings nicht. Röntgen versichert aber, dass sie schon bald wieder grünen und blühen werden. (Valerie Schaub)

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