Aufräumarbeiten nach Flut in Nieste (Kreis Kassel)

Edeka versinkt in Flutwelle - Folge sind Schäden in Millionenhöhe

Kreis Kassel: Edeka versinkt nach Flutwelle - Schäden in Millionenhöhe
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Im Edeka-Markt im Kreis Kassel: Svetoslav Asenov von der Firma Sprint räumt das weg, was die Wassermassen kaputtgemacht haben.

Im Kreis Kassel kam es nach Starkregen zu Überschwemmungen. Auch das Edeka in Nieste ist überflutet worden. Nun gibt es Schäden in Millionenhöhe.

Nieste (Kreis Kassel) – Sandsäcke säumen nach wie vor die Türen des Nahversorgungszentrums (NVZ) in Nieste. Drinnen räumen Svetoslav Asenov und seine Kollegen von der Firma Sprint Stück für Stück das weg, was den Wassermassen vor gut einer Woche zum Opfer gefallen ist.

Starke Regenfälle östlich von Nieste hatten laut Gemeindebrandinspektor Heiko Schäfer für eine regelrechte Flutwelle gesorgt, die den Dorfkern erfasste. „Es ist alles hinüber“, sagt Alexander Hartung, der mit seiner Frau Carola den Edeka-Markt im NVZ führt. Bis zu 82 Zentimeter hoch sei das Wasser im Geschäft gewesen, „und es floss immer weiter nach“, sagt der 45-Jährige.

Überflutungen im Kreis Kassel: Edeka bleibt monatelang geschlossen

Regale, Kühltruhen, die Fleischtheke, Kassen und natürlich die Waren – alles kaputt. „Wir haben einen Schaden im hohen sechsstelligen Bereich“, sagt Hartung. Bis alles wieder auf Vordermann gebracht ist, vergeht laut Alexander Hartung sicherlich ein halbes Jahr. So lange bleibe der Markt geschlossen. „Ob wir vielleicht auch auf dem Parkplatz einen Verkauf anbieten können, weiß ich nicht.“ Jetzt müsse erst einmal alles über die Versicherung abgewickelt werden.

Trotz der Schwierigkeiten und Aufregung der vergangenen Tage sieht Hartung auch Positives: „Ich bin sehr dankbar für die Hilfe der Einsatzkräfte.“ Und er betont, dass in einer solchen Zeit nur Humor helfe.

Das sieht man ein paar Meter weiter bei Familie Harbusch ähnlich: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, sagt Birgit Harbusch. Das Wohnhaus an der Straße Zum Kerschenborn, dass sie mit ihrem Mann Markus bewohnt, die Schreinerei dahinter und das Nachbarhaus der Schwiegermutter Erika Harbusch liegen direkt dort, wo das Wasser entlang floss.

An der Schreinerei Dick und Harbusch von Markus Harbusch hat das Wasser die angrenzende Straße beschädigt.

Große Schäden durch Überflutungen im Kreis Kassel

Am frühen Montagmorgen wurde sie gegen 1.45 Uhr von der Sirene im Ort geweckt. „Da habe ich auf den Hof geguckt und wunderte mich, dass unser schweres Hoftor offen war und hin- und herschwenkte. Dann sah ich das Wasser.“ Kurz darauf sei eine Straßenlaterne am Grundstück einfach umgedrückt worden. „Uns hat es zum Glück nicht so schwer erwischt, nur paar Zäune und unser Tor sind demoliert.“ Auch Wohnhaus und Schreinerei seien im Großen und Ganzen verschont geblieben.

So hätten sie und ihr Mann Zeit gefunden, bei ihrer Schwiegermutter Erika nebenan aufzuräumen. Denn hier richtete das Wasser großen Schaden an. „Das ganze Untergeschoss und der Keller des Hauses sind nass geworden“, sagt die 77-jährige Erika Harbusch. Mehrere Containerladungen Äste und Schutt, aber auch Möbel habe sie schon abtransportieren lassen.

Jetzt müsse geprüft werden, wie stark die Wände des Hauses betroffen sind. Der Wohnwagen im Garten sei ebenfalls hinüber, das Gewächshaus kaputt. „Wie hoch der Schaden insgesamt ist, kann ich noch nicht sagen, nur so viel: Das braucht kein Mensch“, sagt die rüstige Frau, während sie im Garten aufräumt.

Überflutungen im Kreis Kassel: Privathäuser, Edeka, Sparkasse, Bäckerei

Auch im Rathaus kann bisher nur über den Schaden spekuliert werden, den das Wasser angerichtet hat. „Alles in allem ist es wahrscheinlich ein siebenstelliger Betrag“, sagt Bürgermeister Edgar Paul (SPD). Neben Privathäusern sowie dem NVZ in Nieste (Kreis Kassel) mitsamt Edeka, Sparkasse und Bäckerei Hermann seien der Bauhof, die Feuerwehr und der Jugendclub betroffen gewesen. Die Gebäude müssten nun getrocknet und teils erneuert werden, Maschinen überprüft und möglicherweise ersetzt werden. Hinzu kämen kaputte Straßen und Wege.

Ausgelöst worden sei der Wasserschwall durch wochenlange Trockenheit und dann plötzlich einsetzenden Starkregen im Bereich des Bilsteins und des Haferbergs. Von dort sei das Wasser das Tal heruntergeflossen und habe zwangsweise durch den Ort gemusst.

„Wir prüfen jetzt mit Fachleuten, wie wir den Ort künftig besser vor solchen Wassermassen schützen können“, sagt Paul. Das sei nicht leicht, denn das Wasser sei nicht einfach langsam angestiegen, sodass man hätte reagieren können. Es sei flutartig gekommen. Dafür müsse eine Lösung her. (Moritz Gorny)

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