Grippesaison in Kassel in diesem Jahr kürzer

Grippe-Saison vorbei: Welche Auswirkungen hat Corona?

Mittel gegen Erkältung und Infekte hat Apothekerin Angelika Matzenmiller in der Falken-Apotheke in Kaufungen bisher kaum verkauft.
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Mittel gegen Erkältung und Infekte hat Apothekerin Angelika Matzenmiller in der Falken-Apotheke in Kaufungen bisher kaum verkauft.

Auch in Kassel ist die Grippesaison wieder vorbei und sie ging glimpflicher aus als die letzten Jahre. Grund dafür könnten Kontaktsperre und Mund-Nasen-Schutz im Zuge der Corona-Pandemie sein.

  • Grippesaison auch in Kassel vorbei
  • Weniger Kranke durch Grippe-Infektionen
  • Grund dafür können die Corona-Maßnahmen sein

Kreis Kassel – Die Grippesaison ist beendet, und sie verlief in diesem Jahr weitaus milder als in den vergangenen Jahren. Zu dem Schluss kommt das Robert-Koch-Institut. Auch in unserer Region hat sich das bemerkbar gemacht, bei Ärzten, in Unternehmen und Apotheken.

Denn die Grippewelle verlief laut RKI nicht nur milder, sondern war auch mindestens zwei Wochen kürzer als in den vergangenen drei Grippesaisons. Ein Grund dafür dürfte ausgerechnet der Ausbruch der Corona-Pandemie sein. „Zu dieser Verkürzung, die sich auch in dem abrupten Rückgang der ARE-Raten (Akute Atemwegserkrankungen) in der Bevölkerung zeigte, dürften die bundesweiten Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung der Covid-19-Pandemie in Deutschland erheblich beigetragen haben“, schreibt das RKI . Da vor allem Kinder bei der Verbreitung der jährlichen Grippe eine wesentliche Rolle spielen, haben laut RKI vor allem die Schulschließungen zu dem milderen Verlauf beigetragen.

Grippe in Kassel: Der Arzt

Diese Einschätzung teilt auch der Hausarzt Dr. Samir Ragab in Vellmar (Kreis Kassel). „Die Kontaktbeschränkungen haben die Grippe ganz schön ausgebremst“, sagt Ragab. In der Woche, als der Lockdown eingesetzt hat, habe es noch eine starke Grippe-Aktivität gegeben. Ab der zweiten Woche gab es dann aber einen rasanten Abfall. „Die Zahlen zum Vorjahresquartal sind dramatisch niedriger.“ Auch andere Erkältungskrankheiten seien verschwunden. Momentan habe er in seiner Praxis kaum noch Patienten mit Erkältungssymptomen.

Das sei jedoch auch nicht verwunderlich, sagt der Mediziner. Die Grippe verbreite sich durch Schmier- und Tröpfcheninfektion und vor allem Schulen, Kindergärten und Großraumbüros seien daher ideale Orte, das Virus weiterzuverbreiten. „Aber wen will man zu Hause anstecken?“

Grippe in Kassel: Die Apotheke

Die Nachfrage bei der Apotheke zeigt: Auch hier gab es kaum Bedarf an Erkältungsmitteln. „Wir haben in den vergangenen Monaten überhaupt keine verkauft“, sagt Gerhard Peter von den Falken-Apotheken in Kaufungen und Helsa. Hustenlöser verkaufe er im Sommer normalerweise 20 Mal im Monat, halb so viel wie im Winter. Aktuell sei das nicht gefragt. Festgestellt hat der Apothekenleiter diesen Rückgang, als er für die Bestellung in die eigene Statistik geschaut habe. Auch Mittel gegen Grippe und Durchfall seien kaum über den Ladentisch gegangen, „seitdem sich die Menschen mehr die Hände waschen“. Es sei erstaunlich, was die Abstands- und Hygieneregeln ausmachen.

Auch die Apotheker profitieren von den Abstandsregeln: Seit Maskenpflicht und Plexiglasscheibe auf dem Tresen stecken sich ihre Mitarbeiter kaum mehr bei Kunden an, sagt Alexandra Tscheuschner von der Heinrich-Heine-Apotheke in Kassel.

Grippe in Kassel: Die Unternehmen

Mit knapp 2000 Mitarbeitern gehört der Solartechnikhersteller SMA zu einem der größten Arbeitgeber im Landkreis. Auch hier seien in den vergangenen drei Monaten weniger Mitarbeiter krank gewesen als vergangenes Jahr, bestätigt Sprecherin Susanne Henkel. „Die Hälfte der Mitarbeiter ist nach wie vor im Homeoffice.“ Die andere Hälfte arbeite in der Produktion, Logistik und Entwicklung – im Schichtdienst und mit strengen Abstandsregeln und Mundschutz.

Auch Sarah Becker, Geschäftsführerin von Wohnwagen Becker, hatte in ihrem Unternehmen in diesem Frühjahr weniger Krankmeldungen. Zwar seien während des Lockdowns alle 60 Mitarbeiter in Kurzarbeit gewesen, aber auch nach der Wiedereröffnung sei so gut wie keiner krank gewesen. „Die klassischen Frühjahrskrankmeldungen waren minimal“, sagt Becker. Das liege vermutlich auch an den Abstandsregeln und dem Mundschutz, den alle Mitarbeiter tragen.

Grippe in Kassel: Das Fazit

Für die Zukunft – und vor allem die nächste Erkältungssaison – lässt sich laut dem Mediziner Ragab aus all diesen Beobachtungen lernen, dass es Sinn ergibt, schon bei leichten Erkältungssymptomen zu Hause zu bleiben, um andere zu schützen. „Man sollte das Instrument des Homeoffice mehr nutzen“, rät Ragab. Damit hätten Unternehmen in den vergangenen Monaten positive Erfahrungen gesammelt.

Denn klar ist auch: Corona wird die Menschen auch noch in den kommenden ein bis zwei Jahren beschäftigen. Man könne – ohne Test – das Coronavirus von der Influenza fast nicht unterscheiden, erklärt Ragab. „Deshalb muss man präventiv sagen, wenn sie Erkältungssymptome haben, sollten sie vorsichtig sein.“ (Amira El Ahl und Valerie Schaub)

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