Kreis Kassel: Brandstiftung, Müll und Ruhestörungen

Vandalismus hat seit der Corona-Krise in einigen Orten zugenommen

Der Sandstein ist verkohlt und abgeplatzt: An mehreren Stellen in dem Tunnel unterhalb der ICE-Trasse wurde in den vergangenen Wochen Feuer entzündet. Andreas Schild, stellvertretender Fachbereichsleiter Hochbau in Fuldatal, hält in der Hand Teile des geschmolzenen und in Einzelteile zerlegten Alu-Handgriffs.
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Der Sandstein ist verkohlt und abgeplatzt: An mehreren Stellen in dem Tunnel unterhalb der ICE-Trasse wurde in den vergangenen Wochen Feuer entzündet. Andreas Schild, stellvertretender Fachbereichsleiter Hochbau in Fuldatal, hält in der Hand Teile des geschmolzenen und in Einzelteile zerlegten Alu-Handgriffs.

Nicht nur in Großstädten ist Zerstörungswut derzeit ein Problem. Auch in einigen kleineren Kommunen des Landkreises Kassel treten seit Beginn der Corona-Krise vermehrt Schäden auf.

Kreis Kassel: Fuldatal

„Die Aggressivität hat auf jeden Fall zugenommen“, sagt Andreas Schild, stellvertretender Fachbereichsleiter Hochbau bei der Gemeinde Fuldatal. Er fährt raus, wenn mal wieder etwas zerstört wurde, und das ist in diesen Wochen sehr viel öfter der Fall. Wo er sonst ein Mal die Woche rausfährt, ist er seit dem Lockdown etwa drei Mal so oft unterwegs, um Schäden zu begutachten. „Das macht keinen Spaß mehr.“

Die Radstätte in Simmershausen wurde erst im vergangenen Jahr eröffnet. Jetzt können Radfahrer, die auf dem R 1 unterwegs sind, sich dort zwar noch auf den Bänken ausruhen. Aber sonst geht nicht mehr viel. Das Dialog-Display, auf dem man Informationen zur Umgebung erhält, ist zertrümmert, an der Ladestation für E-Bikes ist das Schloss demoliert und an der Reparatur-Einheit hängt kein einziges Werkzeug mehr. Alles geklaut, inklusive der Drahtseile, die es vor Diebstahl schützen sollen.

Aber nicht nur da sieht es schlimm aus. Ein paar Kilometer entfernt steht im Wald die „Guten-Morgen-Brücke“, über der die ICE-Trasse verläuft, und unter der ein kleines Rinnsal fließt, an dem ein Rad- und Fußweg liegt. Hier wurde in den vergangenen sechs Wochen mehrmals Feuer entzündet – vermutlich mit einer Menge Sperrmüll. „Im Flussbett lag noch eine Schranktür“, sagt Schild. Das Ergebnis: Das Alugeländer ist an mehreren Stellen geschmolzen und wurde in Einzelteile zerlegt, die nun im Flussbett verteilt liegen. „Da muss man schon sehr aggressiv sein, um das zu schaffen“, sagt Schild. Das Feuer muss mehr als vier Meter hoch gelodert haben, denn auf der Höhe ist die Beleuchtung durchgebrannt und die Sandsteinwand verkohlt. Zudem hat die enorme Hitze dem Sandstein extrem zugesetzt, der teilweise bis zu neun Zentimeter dick abgeplatzt ist.

Das Sandsteingewölbe wurde etwa 1930 gebaut. Nun muss an den verkohlten Stellen neu verputzt werden, was 5000 Euro kosten wird. Auch die Beleuchtung muss ersetzt und dafür neue Kabel verlegt werden. Kosten: 10 800 Euro. „Dafür aufkommen muss der Steuerzahler“, sagt Schild.

Hier geht nichts mehr: An der Radstätte in Simmershausen wurde das Dialog-Display zerstört. Auch die Aufladestation ist kaputt und das Werkzeug an der Radstation gestohlen.

Kreis Kassel: Kaufungen

Ein weiterer aktueller Fall hat sich in Kaufungen-Papierfabrik ereignet. Wie die Polizei gestern mitteilte, soll ein 21-Jähriger mit einem Komplizen in der Nacht zu Dienstag an der Straßenbahnhaltestelle Industriestraße randaliert haben. Demnach hätten sie gegen Mitternacht die Scheiben des Wartehauses komplett zerstört und den Fahrplan angezündet. Kurz nach der Flucht sei der 21-Jährige von der Polizei gefasst worden. Der junge Mann hatte offenbar über den Durst getrunken und trat der Mitteilung nach sehr aggressiv auf. Die Polizei nahm ihn mit auf das Revier. Sein Komplize konnte hingegen mit einem Fahrrad entkommen.

Die Scheiben des Wartehauses an der Haltestelle Industriestraße in Kaufungen-Papierfabrik wurden in der Nacht zu Dienstag komplett zerstört. Die Polizei konnte einen 21-Jährigen festnehmen.

Laut KVG-Sprecher Ingo Pijanka handele es sich bei solcher Randale eher um einen Einzelfall. „Wir können auch keine Häufung in der Corona-Zeit feststellen“, sagt er. Der Schaden liegt laut dem Sprecher bei rund 3000 Euro.

In Espenau beobachtet man jedoch auch, dass der Vandalismus zugenommen hat. Martin Thies vom Bauamt der Gemeinde sagt: „Gerade am Multifunktionsplatz hatten wir zuletzt häufiger Schadensmeldungen. Dort wurden Mülleimer kaputt getreten und Sitzbänke ramponiert.“ Auch zwischen Gewerbepark und Kirchweg sei in diesem Jahr schon zwei Mal das Holzgeländer kaputt getreten worden. „Sonst war es deutlich ruhiger“, sagt Thies. Wer für den Vandalismus verantwortlich sei, ließ sich nicht sagen.

Anwohner des Wohngebietes Am Stadtpark in Altenbauna haben sich kürzlich bei der Stadt über Lärm- und Ruhestörungen beschwert. Jugendliche würden auf dem öffentlichen Platz neben der KSV-Sportwelt Lärm durch Ball-Prellen beim Basketballspielen, laute Gespräche, Musik und Grillpartys verursachen – manchmal bis tief in die Nacht. Nachbarschaftliche Rücksicht fehlt laut den Anwohnern. Die Störungen seien bereits im vergangenen Jahr aufgetreten und wohl nicht coronabedingt, sagt Stadtsprecherin Susanne Bräutigam. Da der Stadt zufolge nur das Basketballspielen zu Konflikten führt, sollen nun die Körbe auf dem Spielfeld neben der KSV-Sportwelt abmontiert werden – für den Sport stehe künftig der Platz im Stadtpark zur Verfügung.

Zu mehr Vandalismus ist es laut Bräutigam nicht gekommen. Auch die Zunahme an Müll, etwa in den Parks, sei eher dem sommerlichen Wetter geschuldet.

Größere Probleme mit randalierenden Jugendlichen gibt es in Niestetal laut Gemeindesprecher Alexandros Souris nicht. Dass sich Jugendliche vermehrt im Gemeindegebiet treffen, beispielsweise am Fulda-Ufer in Sandershausen, sei zu beobachten. „Sie hinterlassen dort Müll wie Bierdosen, Pizzakartons und so weiter.“ Ob diese Treffen mit den Corona-Einschränkungen zu tun haben, sei schwer nachvollziehbar. „Jugendliche brauchen auch einen Platz, an dem sie sich treffen können.“

Im April hatte es eine Serie von Graffiti an Hauswänden in Heiligenrode gegeben. Ansonsten weiß Alexandros Souris nichts von größeren Schäden. Zuletzt hätten Jugendliche bei einem Treffen Parkbänke umgeworfen.

Gerade zu Beginn und am Ende der Ferien und während des coronabedingten Schulausfalls beobachtet auch die Polizei eine Häufung von Zusammenkünften Jugendlicher und Heranwachsender, teilt Polizeisprecherin Ulrike Schaake mit. „Eine damit einhergehende Steigerung der uns bekannt gewordenen Sachbeschädigungen oder Hausfriedensbrüche können wir hingegen bislang nicht bestätigen.“

Im Vergleich zum Vorjahr habe es bisher sogar etwas weniger angezeigte Sachbeschädigungen und Hausfriedensbrüche in Stadt und Landkreis gegeben, so Schaake. Die Zahl der Fälle, in denen Jugendliche und Heranwachsende tatverdächtig waren, sei mit Blick auf den Vorjahreszeitraum in etwa gleich geblieben. „Eine Häufung in diesem Deliktsbereich durch Jugendliche oder Heranwachsende seit Beginn des Lockdowns können wir demnach insgesamt nicht beobachten“, sagt Schaake. Trotzdem sei es möglich, dass es in einzelnen Gemeinden oder Städten einen Anstieg oder Rückgang gegeben habe. 

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