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A-44-Pläne: Sorge um Trinkwasser in Kaufungen bleibt

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Von: Moritz Gorny

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Noch hat Kaufungen Trinkwasser zur Verfügung: Doch laut KWG-Mitgliedern ist die Versorgung des Ortes – insbesondere durch den Brunnen Kohlenstraße (Bild) – gefährdet, sofern beim A 44-Bau nicht umgesteuert wird.
Noch hat Kaufungen Trinkwasser zur Verfügung: Doch laut KWG-Mitgliedern ist die Versorgung des Ortes – insbesondere durch den Brunnen Kohlenstraße (Bild) – gefährdet, sofern beim A 44-Bau nicht umgesteuert wird. © Moritz Gorny

Kaufunger Lokalpolitiker fordern erneut die Prüfung der Söhretrasse für die A  44 zum Schutz des Tiefbrunnens. Das sagen die Bürgermeister der umliegenden Kommunen dazu.

Kreis Kassel – Kaufunger Lokalpolitiker schlagen Alarm: Aus Sicht der Mitglieder der Kaufunger Wählergemeinschaft (KWG) nimmt die Diskussion um den Brunnen Kohlenstraße und die Autobahn 44 eine falsche Wendung. Sie sehen den Brunnen und auch die Bürger in Gefahr. Die KWG fordert erneut eine Trasse durch die Söhre.

Zuletzt war bekannt geworden, dass sich das Planfeststellungsverfahren um mindestens zwei Jahre verzögert. Laut Autobahngesellschaft des Bundes gebe es noch viele Unterlagen zu prüfen und Gutachten zu erneuern für den A 44-Abschnitt zwischen Kassel-Ost und Helsa-Ost. Im Zuge dessen hatte Verkehrsminister Al-Wazir (Grüne) eine Trasse mit lärmdämmender Hülle ins Spiel gebracht.

Der Kaufunger Bürgermeister Arnim Roß (SPD) begrüßte den Vorstoß als mögliche Lösung eines Problems der Kaufunger, sollte die A 44 in ihrem derzeit geplanten Verlauf gebaut werden. Nämlich die Nähe zum Brunnen Kohlenstraße und die damit verbundene Unsicherheit, ob er während und nach der Bauphase Wasser liefern könne. Mit ebendieser Trasse ließe sich das Lärm- und das Brunnenproblem eher lösen.

KWG-Mitglieder Klaus Höfgen und Axel Does sehen das anders und fordern, die Trasse in die Söhre zu verlagern. Eine Trasse mit lärmdämmender Hülle löse zwar womöglich das Krachproblem. „Aber die Schadstoffe bleiben“, sind Does und Höfgen überzeugt. Aber damit nicht genug: Es sei nicht sicher, dass der Brunnen Kohlenstraße trotz größerer Entfernung der Trasse nicht doch in Mitleidenschaft gezogen werde. „Keiner weiß so recht, wie groß das Gebiet ist, aus dem der Brunnen sein Wasser kriegt“, sagt Does.

Auch ließe sich nicht abschätzen, ob Bau-Erschütterungen die Böden nicht beschädigten und der Brunnen dann weniger Wasser führe. Obendrein sei kaum erforscht, ob die Ersatzbrunnen genügend Wasser liefern könnten. „Die Planer sind uns Antworten schuldig“, sagt Höfgen. Er und Does plädieren, die Autobahn durch die Söhre zu führen – „und direkt an die Bergshäuser Brücke anzuschließen“, sagt Does. Zunächst wäre der Bau teurer als die Variante durch das Lossetal. Aber nach 50 Jahren sei die Söhretrasse mit rund 6,7 Milliarden Euro inklusive Folgekosten nur noch etwa halb so teuer. „Außerdem gäbe es in der Söhre kein Problem mit Brunnen und anderen Bauwerken“, sind die beiden überzeugt. „Wir verlangen, dass die Trassen jetzt nochmals geprüft werden.“

Höfgen und Does setzen sich schon seit Jahren für die alternative Trassenführung ein. Höfgen, der Ingenieur ist und Machbarkeitsstudien erarbeitet, hatte dazu eine Analyse angefertigt.

Kaufungen

Aus dem Kaufunger Rathaus kommt eine Antwort auf die Aussagen der KWG, insbesondere auf die Kritik an der Einhausungsvariante: „Die läuft ins Leere.“ Schließlich habe sich die Gemeinde Kaufungen schon im vergangenen Jahr gegen die aktuelle Planung ausgesprochen. Außerdem habe sie für andere Lösungen geworben, die das Wasser schützen und Immissionen vermeiden.

Nun habe Bürgermeister Arnim Roß (SPD) auf die Initiative von Verkehrsminister Al-Wazir reagiert. Mit einer Einhausung ließen sich die Forderungen erfüllen. „Ohne den Tiefbrunnen Kohlenstraße kann die Trinkwasserversorgung der Gemeinde nicht gesichert werden“, heißt es. Rückte die Trasse Richtung Kaufungen, wäre die Trinkwasserversorgung geschützt.

Lohfelden

Lohfeldens Bürgermeister Uwe Jäger nennt der Vorstoß der KWG-Mitglieder „kompletten Unsinn“: „Käme eine Autobahn in die Söhre, wäre Lohfelden komplett eingeschlossen“, sagt der Sozialdemokrat. Er wisse um die Probleme, die die Autobahn für die Kaufunger Wasserversorgung bedeuten könne. „Deswegen finde ich Al-Wazirs Lösung passend und gut“, so der Bürgermeister.

Söhrewald

„Ich kann verstehen, dass man keine Autobahn vor der eigenen Tür möchte“, sagt Ralf Eberwein (SPD), Bürgermeister von Söhrewald. Aber bei einer Söhretrasse müsse man planerisch wieder bei null anfangen. Dann käme die Bauzeit hinzu, die bei Tunneln deutlich länger sei, „wie wir jetzt beim Abschnitt mit dem Tunnel Hirschhagen gesehen haben“. Man wolle ja schließlich irgendwann auf der Autobahn fahren.

Das sagt das Regierungspräsidium: Frage bleibt noch offen

Das Regierungspräsidium (RP) Kassel ist im Falle der Autobahnplanung die Anhörungsbehörde, eine Art Schiedsrichter. Beim RP ist auch die Obere Wasserbehörde angesiedelt, die sich um Grundwasserschutz kümmert – also im weiteren Sinne um Brunnen. Die Fragen nach dem Einzugsbereich des Brunnens Kohlenstraße, seiner Wassermenge nach dem Bau und ob die Kaufunger Quellen den Brunnen Kohlenstraße ersetzen könnten, bleibt offen. Das lasse sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht pauschal beantworten, sagt RP-Sprecher Hendrik Kalvelage. Das hänge von einer Vielzahl von Einzelfaktoren ab.

So schaue nun alles auf die Autobahngesellschaft: Sie müsse noch weiter Daten erheben und dann Planungsentscheidungen fällen. Im Laufe des Verfahrens werde das RP mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie „mögliche Auswirkungen auf den Tiefbrunnen Kohlenstraße in den Blick nehmen“, so Kalvelage.

Das sagt die Autobahngesellschaft: Prüfung läuft anhand der Vorzugstrasse durch das Lossetal

Danach gefragt, welche Rolle der Brunnen Kohlenstraße bei weiteren Prüfungen und Gutachten spielt, sagt Sprecher Joachim Schmidt: „Der Brunnen Kohlenstraße ist ein Themenkomplex in der Erwiderungsphase des Planfeststellungsverfahrens.“ Diesen Verweis nennt er auch beim Thema Brunnen während und nach der Bauphase. Bernhard Klöpfel, Leiter der Außenstelle Kassel, erläutert, ob eine andere Trasse möglich wäre: „Grundsätzlich ist nichts ausgeschlossen.“ Aber die Autobahn prüfe nun anhand der Vorzugstrasse durch das Lossetal. Da müssten zunächst Ergebnisse her. Eine andere Trasse bedeute wieder ein komplett neues Verfahren. 

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