Brunnen liefert Hälfte des Trinkwassers 

Kaufungen bangt ums Trinkwasser: A44-Bau könnte Tiefbrunnen beeinträchtigen

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Im Gebäude des Tiefbrunnens Kohlenstraße: Bürgermeister Arnim Roß (SPD), Wulf Hahn von der Agentur Regioconsult und Dieter Schwarz, Wasserwerker der Gemeinde Kaufungen.

Der Brunnen Kohlenstraße in Kaufungen liefert mehr als die Hälfte des täglichen Bedarfs der Gemeinde. Doch der Bau der A44 entlang des Brunnens könnte Probleme machen. 

Der Brunnen Kohlenstraße in Kaufungen liefert rund 1000 Kubikmeter Wasser pro Tag „Dieser Tiefbrunnen ist wie ein Sechser im Lotto, denn er gibt nicht nur viel, sondern auch Wasser in bester Qualität“, sagt Wasserwerker Dieter Schwarz. Doch die geplante Trassenführung der Autobahn 44 seitens Hessen Mobil macht dem Mitarbeiter bei den Eigenbetrieben der Gemeinde Sorgen.

 „Die Bahn soll in etwa 200 Metern Entfernung am Brunnen vorbeiführen.“ Werde eine Autobahn gebaut und später genutzt, könne das Grund- und Brunnenwasser verunreinigt werden. „Beim Bau und danach treten vielleicht bei einem Lkw Öl, Sprit oder andere Betriebsstoffe aus“, sagt Schwarz. Er hat noch weitere Bedenken: „Hessen Mobil will den Brunnen für die Bauphase stilllegen.“

A44: Unklare Trinkwasserversorgung in Kaufungen während Autobahn-Bau

Für diese Zeit sei unklar, wo das Trinkwasser für Kaufungen herkommen soll. „Und ist der Bau abgeschlossen, und der Brunnen soll wieder laufen, wissen wir nicht, ob er nicht versiegt ist.“ Eine weitere Unbekannte sei, wann die Bagger rollen und wie lange es dauere: „Das Planfeststellungsverfahren soll kommendes Jahr losgehen“, sagt Wulf Hahn. 

Der geschäftsführende Gesellschafter der Fachagentur für Stadt- und Verkehrsplanung Regioconsult berät die Gemeinde in Sachen A 44. Das Verfahren könne zwei Jahre dauern. „Dann bräuchte es noch mal länger, bis das Baurecht besteht.“ Erst anschließend komme die Bauphase und auch die ziehe sich über mehrere Jahre hin.

Bürgermeister Arnim Roß gibt sich nüchterner in Sachen Tiefbrunnen Kohlenstraße: „Wir warten darauf, dass Hessen Mobil uns Pläne zur A 44 und speziell zum Brunnen vorlegt“, sagt der SPD-Mann. Erst dann könne die Gemeinde sehen, wie lange der Brunnen stillgelegt werden solle und wie die Auswirkungen des Baus und des Betriebs der Autobahn seien.

„Klar ist: Hessen Mobil hat uns zugesagt, dass der Brunnen nach der Bauphase noch funktioniert“, so Roß. Obendrein sei es Aufgabe der Verkehrsbehörde, für Wasserersatz zu sorgen. Dementsprechend müsse Hessen Mobil arbeiten. „Denn wir wollen hier nach wie vor keine Autobahn“, betont Roß. Wenn die Behörde schon im Lossetal baue, müsse sie es richtig machen.

Bei verunreinigtem Wasser durch A44-Bau andere Wasserquellen möglich

Nach HNA-Anfrage versucht Hessen Mobil, Dampf vom Kessel zu nehmen: „Es besteht kein Grund zur Sorge“, sagt Sprecher Marco Lingemann. Während der Bauphase – die der Sprecher nicht zeitlich einordnen kann – sei besondere Vorsicht geboten. „Wir sind dort in einem Wasserschutzgebiet und achten darauf, dass keine Gefahrstoffe gelagert werden und auch nicht betankt wird.“ 

Sollte das Grundwasser wider erwarten doch verunreinigt werden, könne Hessen Mobil auf weitere Wasserquellen im Stiftswald zurückgreifen. Auch die Frage, welches Wasser die Kaufunger trinken können, wenn die A44 vor ihrem Ort gebaut wird, antwortet er: „Entweder wird die Leistung der anderen Brunnen der Gemeinde hochgefahren, oder Kaufungen holt sich sein Wasser von anderen Kommunen.“ Es müssten keine Trinkwasserwagen nach Kaufungen fahren.

Sobald die A44 stehe, sorge eine doppelte Abdichtung der Oberfläche dafür, dass der Brunnen vor Schadstoffen von der Straße geschützt ist.

Nun Kündigen die Kaufunger wieder stärkeren Protest an. Sie wollen sich gegen den Ausbau zur Wehr setzen. 

Seit einiger Zeit ist auf der A44 eine LKW-Waage in Benutzung. Anwohner beschweren sich über den Lärm an der Bergshäuser Brücke. 

Auch Initiativen fordern anderen Strecken Verlauf der A44. Mehrere Kaufunger Gruppen setzen sich zur wehr. 

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