Interview

Apfelsaftschorle statt Bier: Interview zur Fastenzeit

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Werner Pausch vom Dekanat Kaufungen hat mit der HNA über die Fastenzeit gesprochen. 

Ob Schokolade, Fernsehen oder Nikotin – viele Menschen üben sich in der Fastenzeit in Verzicht. Wir haben mit Werner Pausch vom Dekanat Kaufungen über das Seelenheil, Alkohol und darüber gesprochen, was man von der katholischen Kirche lernen kann.

Wir sind daran gewöhnt, alles zu jeder Zeit zu haben. Die Kirche predigt dagegen Verzicht, vor allem in der Fastenzeit. Schreckt das nicht ab?

Nein, im Gegenteil. Wir haben die Aktion „Sieben Wochen ohne“ vor etlichen Jahren als evangelische Kirche ins Leben gerufen und sehr viele haben sich da eingeklinkt. Das sind auch Menschen dabei, die keinen christlichen Hintergrund haben und trotzdem in der Fastenzeit verzichten wollen. Wobei ja das Fasten nicht besonders protestantisch ist. Nach unserem Verständnis brauchen wir keine besonderen Taten, wie das Fasten, um die Gnade Gottes zu finden.

Wenn’s nicht fürs Seelenheil ist, was bringt das Fasten dann?

Der Verzicht bringt eine andere Sicht auf das Leben, aufs eigene und das von anderen. Das hilft dabei, dem Trend entgegenzuwirken, alles immer verfügbar haben zu wollen, was Sie ja schon angesprochen haben. Die Passionszeit erinnert daran, dass es kein Leben ohne Leid und Opferbereitschaft gibt. Denn auch Jesus hat seine Passion auf sich genommen. Diese andere Wahrnehmung auf das Leben durch das Fasten kann uns in schwierigen Phasen weiterhelfen.

Wie schwer fällt es Ihnen denn, zu Fasten?

Ich lasse seit Jahrzehnten in der Fastenzeit Alkohol und Süßigkeiten weg. Ich bin ja lange Zeit Gemeindepfarrer gewesen, und man nimmt dann wahr, wie oft man im Alltag alkoholische Getränke angeboten bekommt. Auf Alkohol und Süßigkeiten verzichte ich übrigens auch in diesem Jahr.

Welches der beiden Genussmittel fordert Sie mehr heraus?

Ich finde beides gleich schwer, aber wenn ich mich einmal entschlossen habe, fällt mir beides gleich leicht.

Sie trinken gerne mal ein Bierchen?

Ja (lacht), aber zu dieser Zeit weiß jeder, den ich besuche, dass ich dann eben kein Bier trinke, sondern eine Apfelsaftschorle.

Ist es nicht komisch, dass außerhalb der Passionszeit Verzicht kaum ein Thema ist?

Es ist ja eigentlich ein protestantisches Prinzip zu sagen: Ihr müsst nicht fasten, sondern euer ganzes Leben ist quasi ein Werk, das Gott gefallen soll. Deswegen hatte ich ja gesagt, dass die Idee des Fastens dem Protestantismus fremd ist. Aber man lernt ja auch ökumenisch voneinander, zum Beispiel, dass man mit gezieltem Verzicht für sich selbst etwas bewegen kann.

Wie meinen Sie das?

Es bringt eine neue Sicht auf das Leben.

Inwiefern?

Wir sehen, wie viele Dinge im Leben es gibt, die wir nicht unbedingt brauchen. Verzichten wir darauf, merken wir, dass wir auch ohne manchen Luxus ein gutes und erfülltes Leben haben können.

Zur Person: Werner Pausch (73) stammt gebürtig aus Schöffengrund in Mittelhessen. Nach seinem Abitur in Wetzlar hat Pausch evangelische Theologie und Pädagogik in Marburg studiert. Ab dem Jahr 1980 war er Pfarrer in Söhrewald-Wellerode und ist bis zu seinem Ruhestand 2016 geblieben. Auch heute lebt er noch dort, in einem Häuschen am Ortsrand. Seit Oktober ist er Stellvertreter im Dekanat Kaufungen. In seiner Freizeit engagiert sich Pausch im Gemeindeparlament, ist mit einem Männertreff unterwegs und fährt gern Fahrrad. Der 70-Jährige ist verheiratet und hat einen Sohn.

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