Personal ist Mangelware

Friseur-Branche im Landkreis Kassel leidet unter Schwarzarbeit

Ulf Gattert (52, von links), Mehran Poursharifi (49) und Serdal Freddy Aslar (45) sitzen auf Friseurstühlen in Kaufungen im Salon von Aslar
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Machen sich Sorgen um die Branche: Ulf Gattert (52, von links), Mehran Poursharifi (49) und Serdal Freddy Aslar (45) sind selbstständig und seit vielen Jahren untereinander befreundet.

„Wir haben die ganze Coronazeit eigentlich nur auf die Fresse bekommen“ – so fasst Friseurmeister Serdal Aslar vom Frisuren- und Kosmetikstudio Freestyle in Kaufungen die vergangenen zwei Jahre zusammen.

Kreis Kassel – Auch seine Kollegen Mehran Poursharifi (Haarstudio Figaro Mehran in Fuldatal) und Ulf Gattert (Hairhunter in Kassel) können ein Lied singen von den Problemen, die zurzeit das Friseurhandwerk belasten. „Schließungen unserer Läden, das Umsetzen der Hygienemaßnahmen, Kurzarbeit, der Ärger mit den Kunden, die von alldem genervt sind, und die ständigen Änderungen der Vorschriften in Bezug auf Corona haben uns das Leben sehr schwer gemacht“, sind sich die drei Friseurmeister einig.

Und auch, wenn die Coronapandemie irgendwann vorbei ist – ein großes Problem, das sich in den vergangenen Monaten extrem verschärft habe, werde bleiben: die Schwarzarbeit.

„Die hat es natürlich schon immer gegeben“, sagt Serdal Arslan. „Aber in so einem großen Stil wie jetzt wird Schwarzarbeit erst seit der Coronapandemie betrieben.“

Durch die gestiegenen Kosten der Friseure für zum Beispiel das Umsetzen von Hygienemaßnahmen seien viele gezwungen gewesen, ihre Preise zu erhöhen. Preise, die einige Kunden nicht zahlen wollen. „Und an dieser Stelle wächst Schwarzarbeit“, sagt Mehran Poursharifi. „Sowohl Friseure als auch Kunden sind auf den Geschmack gekommen: Wenn ich zu Hause keine Personal- und Betriebskosten habe und für einen Haarschnitt 25 Euro nehme, hab ich davon unter Umständen mehr übrig, als wenn ich einen Laden am Laufen halten muss. Und die Kunden freuen sich, dass sie nicht 80 Euro, sondern nur ein Drittel des normalen Preises zahlen müssen.“

Ein weiterer Grund, wieso einige Friseure ihre Kunden lieber zu Hause bedienen, sei das hohe Arbeitspensum in einem Salon. „Ich stehe den ganzen Tag im Laden, alles spielt sich dort ab“, sagt Poursharifi. „Als ich mich selbstständig gemacht habe, hätte ich nie gedacht, dass ich in meinem Alter immer noch den ganzen Tag am Stuhl stehe und Kinderhaarschnitte mache. Ich war vier Jahre nicht im Urlaub, weil es zeitlich nicht möglich ist.“

Ähnlich geht es Ulf Gattert. Er arbeitet mittlerweile allein mit seiner Frau in seinem Geschäft an der Kölnischen Straße. „Es gibt zurzeit kein geeignetes Personal, mit dem ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte“, sagt Gattert. „Deshalb suche ich auch niemanden mehr.“ Gut zu tun hat der Friseurmeister aber auch jetzt, während der Coronapandemie. „Ich habe fast nur Stammkunden, die ich teilweise schon 25 Jahre kenne. Die haben uns die Treue gehalten.“

Um die Arbeitsbelastung für sich und seine Familie zu reduzieren, würde Mehran Poursharifi gerne Personal einstellen. Auch Serdal Arslan sucht. „Aber es gibt einfach niemanden.“ Das bestätigt auch Gattert, der zwar schon aufgegeben hat, aber nicht vollkommen ausschließt, jemanden einzustellen, sollte er ins Team passen.

Von den Vorschlägen des Arbeitsamtes sei auch keiner ernstzunehmen. „Entweder, die Betroffenen melden sich gar nicht erst, oder sie sind absolut ungeeignet“, sagt Poursharifi. Das macht alles nur noch mehr Arbeit.“

Die Friseure sind sich sicher, dass es bald wieder einen Aufschwung in der Branche geben wird. „Und dafür brauchen wir dann auch das Personal. Es fehlt jetzt schon an allen Ecken und Enden.“

Das sagt die Obermeisterin

„Friseure haben seit der Pandemie enorme Kosten zu bewältigen“, sagt Alexandra Kaske-Diekmann, Obermeisterin der Friseur-Innung Kassel und Kreishandwerksmeisterin. Dass viele deshalb in die Schwarzarbeit abwandern, glaubt sie nicht. „Der Großteil ist sich seiner Verantwortung dem Kunden gegenüber bewusst, macht den Job gern und will auch normal weiterarbeiten.“ Schwarze Schafe gebe es natürlich überall. „Manche setzen auch die Regeln, die jetzt gelten, nicht immer um, was zu Verwirrung bei den Kunden führt. Das ist ein großes Problem.“ 

Höhere Preise für die Kunden

„Die gestiegenen Kosten bekommen auch die Kunden zu spüren“, sagt Kaske-Diekmann. „Doch trotzdem bleibt nach Abzug der Personal-, Betriebskosten und der Steuern nur ein geringer Prozentsatz von dem übrig, was der Kunde zahlt. Manchmal weniger als zehn Prozent.“ (Theresa Novak)

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