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Demonstranten im Kaufunger Stiftswald räumen Plattformen

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Von: Alia Diana Shuhaiber, Daniel Göbel

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Demonstranten auf ihren selbst gebauten Plattformen im Kaufunger Stiftswald.
Baumbesetzer geben auf: Gestern Nachmittag verließen die Demonstranten ihre selbst gebauten Plattformen im Kaufunger Stiftswald. © Daniel Göbel

Aktivisten protestieren im Wald bei Kaufungen bei Kassel gegen den Ausbau der A44. Mit dabei ein vier Monate alter Säugling. Die Aktion endet wenig später.

Kaufungen – Um gegen den Weiterbau der A 44 bei Kaufungen zu protestieren, hatten sich vier Klimaaktivisten im Stiftswald auf selbstgebauten Plattformen aus Brettern und Paletten niedergelassen. Die Aktivisten hatten auch einen Säugling mit in den Wald gebracht. Der Protest sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein.

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei hatten die Aktivisten am Dienstagnachmittag die Plattformen freiwillig verlassen, wie Polizeisprecher Matthias Mänz vor Ort erklärte. Wie Mänz erläuterte, hatte die Polizei zuvor mit den Waldbesetzern das Gespräch gesucht. Die zuständige Versammlungsbehörde habe die Baumbesetzung unter dem Titel „Stifti bleibt“ als Versammlung eingestuft. Die Polizei wolle nun rechtliche Schritte gegen die Demonstranten prüfen und nahm deshalb auch deren Personalien auf. Möglicherweise lägen Verstöße gegen das Versammlungsrecht vor. „Zwar müssen Demonstrationen nicht angemeldet werden. Hier sieht es aber danach aus, dass es sich nicht um eine spontane Kundgebung handelt“, so Mänz. Zudem sei das Jugendamt des Landkreises eingeschaltet worden. Wie alt der Säugling ist, wollte die Polizei nicht sagen. Laut HNA-Informationen soll es sich um ein vier Monate altes Baby handeln.

Aktivisten verschanzen sich im Kaufunger Stiftswald : Demonstration gegen Autobahnausbau

Bei einem Besuch am Vormittag hatten sich die Autobahngegner noch kämpferisch gezeigt. „Wir werden bis zum Planfeststellungsverfahren hier bleiben. Was danach passiert, wird davon abhängen, ob die Autobahn tatsächlich weitergebaut wird“, erklärte ein Aktivist, der sich Jona nennt.

Zuvor war der junge Mann, der über sein Alter und seine Herkunft schweigt, bereits vor der Polizei geflüchtet. Auf dem Weg zur Plattform wollten die Beamten seine Personalien überprüfen. Er hatte sich nach einem Sprint allerdings wieder auf dem Baum verschanzt.

Aktivistengruppe im Wald bei Kaufungen kämpfen gegen Rodungen für Autobahnen

Die Gründe, die die Gruppe für die Besetzung des privaten Waldstücks anführt sind eine Mischung aus antikapitalistischen Phrasen und allgemeinem Klimaaktivismus. „Wir sind eine autonome Gruppe, die sich gegen das kapitalistische System auflehnt. Kein Wald darf mehr für eine Autobahn gerodet und keine Fläche versiegelt werden.“

Seit vergangenem Donnerstag waren die Aktivisten vor Ort, bis sie schließlich am Montag vom Förster entdeckt worden waren, der umgehend den Besitzer des Waldes informierte.

Thilo von Gilsa, einer von drei gleichberechtigten Obervorstehern des Ritterschaftlichen Stifts sagte am Dienstagmorgen: „Wir wollen keine Politik auf unserem Grund und Boden.“ Es gebe Grundsätze des angemessenen Verhaltens im Wald, wildes Campen gehöre nicht dazu. Der Wald diene der Erholung und müsse vor Vermüllung und Sachbeschädigung geschützt werden.

Keine Verletzten bei Waldbesetzung in Kaufungen

Am Abend zeigte sich von Gilsa erleichtert, dass niemand der Beteiligten bei der Aktion zu Schaden gekommen sei. Ob das Ritterliche Stift noch zivilrechtlich gegen die Aktivisten vorgeht, war am Abend noch ungewiss. Zunächst müsse geprüft werden, ob größere Schäden entstanden sind und wie viel Müll im Wald liegen geblieben ist. „Das ist noch jede Menge Arbeit“, sagt von Gilsa. (Daniel Göbel Und Alia Shuhaiber)

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