„Eigentlich unfassbar“

Kreis Kassel: Seltene Wildkatze im Wohngebiet entdeckt

Menschenscheu und fast nie zu sehen: Die europäische Wildkatze ist streng geschützt und lebt meist gut versteckt im Wald. Nachts geht sie auf die Jagd.
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Menschenscheu und fast nie zu sehen: Die europäische Wildkatze ist streng geschützt und lebt meist gut versteckt im Wald. Nachts geht sie auf die Jagd.

Als ein Mann aus dem Kreis Kassel eine Wildkatze in seinem Garten entdeckt, hält er das Tier für eine Babykatze und ruft bei Experten an. Die zeigen sich verblüfft.

Kaufungen – Sie jagt in der Nacht, ist sehr menschenscheu, eine Einzelgängerin, und man bekommt sie kaum zu Gesicht: die Wildkatze. Deshalb war es auch ein ganz besonderer Tag für Vanessa Mara Pauluzzi und ihre Kollegen von der Tatzenhilfe Kassel, als sie vor Kurzem einem Exemplar ganz nah waren.

Eigentlich ließ der Anruf aus Niederkaufungen, man habe eine frei laufende Babykatze gesichtet und eingefangen, erstmal nichts Ungewöhnliches vermuten. „Die Katze sei in einem Vorgarten herumgeflitzt und habe beim Einfangen ungewöhnlich garstig reagiert“, erzählt Pauluzzi von den Worten des Kaufungers. Es handele sich wohl um eine Hauskatze mit einem etwas wilderen Charakter – so die Vermutung.

„Eigentlich unfassbar“: Wildkatze im Kreis Kassel verblüfft Katzenschutzverein

Doch als sich die Vorsitzende der Tatzenhilfe, Daniela Klimsa, das Tier genauer anschaute, sei sie schnell stutzig geworden. „Die kleine Katze hatte eine andere Gesichtsform und andere Ohren als eine normale Hauskatze, einen buschigeren Schwanz, und auch ihr Verhalten war sehr untypisch für Katzen.“ Man sei dann schnell darauf gekommen, dass es sich nur um eine Wildkatze handeln könne.

„Eigentlich unfassbar, denn diese Tiere sieht man so gut wie nie“, sagt Pauluzzi. „Sie leben in Wäldern mit viel Unterholz und sind sehr scheu. Es ist nicht möglich, die Tiere an den Menschen zu gewöhnen, sogar dann nicht, wenn man sie mit einer Flasche aufzieht.“

Im Kreis Kassel entdeckte Wildkatze kommt nach Thüringen in eine Auffangstation

Die Wildkatze sei streng geschützt, weswegen die Ehrenamtlichen der Tatzenhilfe auch zuerst ein wenig verunsichert waren, was nun zu tun ist. „Man darf sie eigentlich nicht einfangen, aber nun hatten wir sie ja schon in einer Box – wie der Finder sie da hineinbekommen hat, ist uns heute auch noch ein Rätsel.“ Nach ein paar Anrufen, unter anderem bei anderen Tierschutzvereinen und beim Nabu, war dann klar, wo das Tier am besten aufgehoben sein würde: in einer Auffangstation für Wildkatzen in Thüringen, wo zurzeit noch weitere fünf Artgenossen leben.

Denn das Tier sei etwa neun Wochen alt und nur so groß wie eine Hand. „Das heißt, sie muss noch ein wenig aufgepäppelt und kann dann wieder freigelassen werden“, erklärt Pauluzzi, die die Katze selbst dorthin gefahren hat. Sie hier wieder in den Wald zu bringen, habe keinen Sinn. „Die Tiere bewegen sich in einem Radius von bis zu 80 Kilometern, die Chance, die Mutter wiederzufinden, beträgt gleich null.“

Im Kreis Kassel entdeckt: Wildkatzen sind keine Haustiere

In der Auffangstation in Thüringen kenne man sich mit den Tieren am besten aus, unterstütze sie beim Wachsen und setze sie dann erst in ein Freigehege und später wieder in die Wälder aus. Auch wenn die Merkmale des Tieres eindeutig waren, sei in Thüringen trotzdem ein Gentest gemacht worden, der bestätigte, dass es sich wirklich um eine Wildkatze handelt.

Wer solch ein Tier im Wald sehen sollte, solle sie auf keinen Fall anfassen oder gar streicheln sollen. „Einfach in Ruhe lassen und natürlich auf gar keinen Fall mitnehmen“, sagt Pauluzzi. Die Wildkatze sei ein Raubtier, und man komme ja auch nicht auf die Idee, ein Wildschwein oder Reh aus dem Wald mit nach Hause zu nehmen.

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Das gilt natürlich in erster Linie zum Schutz der Wildkatze, aber auch zum Schutz der Menschen. „Denn die Tiere können wirklich ungemütlich werden“, sagt Pauluzzi. Zum Beispiel sei die Wildkatze wohl vor ihrem Fang schon öfter in Kaufungen gesehen worden, unter anderem bei einer Feier am Steinertsee, bei der auch Dobermänner zugegen waren. „Die Katze hat die Hunde angegriffen – wenn sie sich bedroht fühlt, geht sie drauf.“ (Theresa Novak)

Auch bei Melsungen treiben sich des Öfteren Wildkatzen herum. Der BUND Göttingen hat das Wildkatzen-Monitoring in der Vergangenheit ausgeweitet.

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