Platz machen für die jungen Leute

Drei Jahrzehnte im Auftrag des Herrn: Silke Does hört im Vorstand der Kirchengemeinde Oberkaufungen auf

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Mit hochgekrämpelten Ärmeln: Ihr Amt im Vorstand der evangelischen Kirche Oberkaufungen hat Silke Does stets praktisch verstanden. Jetzt macht die 70-Jährige Platz für die jüngere Generation. Unser Bild zeigt sie in der sanierten Stiftskirche in Oberkaufungen.

Sie ist Physiotherapeutin, doch in den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die Kaufungerin Silke Does als Bauherrin, Fotografin und Handwerkerin verdingt. Nur Schreibtischarbeit ist nicht ihr Ding, sondern da sein, wo was los ist. Das hat sie auch als Mitglied des Vorstands der Ev. Kirchengemeinde Oberkaufungen gelebt. Den Posten hat sie jetzt aufgegeben.

Blickt sie zurück auf die gut 30 Jahre, sagt die rüstige Kaufungerin stolz: „Ich konnte mithelfen, unsere drei Pfarrhäuser und das Stephanushaus in der Schulstraße energetisch zu sanieren.“ Das Größte war für sie allerdings die Sanierung der Kaufunger Stiftskirche. Täglich verbrachte sie nach eigenen Angaben rund vier Stunden auf der Baustelle. „Wenn morgens Material angeliefert wurde, habe ich es entgegengenommen, mitunter auch mit einem Frontlader.“ Fehlten Eichenbalken für den Dachstuhl, rief sie einen Bekannten an und konnte das Holz besorgen.

Hinzu kam, den Baufortschritt auf Fotos festzuhalten. Rund 24 000 Bilder hat sie auf ihren Festplatten vom Umbau der Stiftskirche gespeichert. Das kostet Zeit. „Meine Familie sagte mir schon: ,Silke, du bist so viel in der Kirche, schlag doch dein Bett dort auf‘.“ Für diesen Einsatz fand Dekanin Carmen Jelinek lobende Worte: „Does hat einige Male sogar ihren Urlaub verschoben, wenn es ihr wichtig war, vor Ort dabei zu sein. Sie ist so etwas wie die gute Seele der Baustelle.“

Bei all den Sanierungsprojekten war Does auch an der Kostenkalkulation beteiligt: „Ich bin froh, dass wir mit dem Budget immer hingekommen sind – und die Stiftskirche nicht zum Berliner Flughafen geworden ist.“

Dass sie mal Führungsaufgaben in der Kaufunger Kirche übernimmt, hätte Does nie für möglich gehalten. Sie sei zwar aus der Region, aber nicht gebürtig aus Kaufungen. „Ich komme aus Wolfhagen und kam mit meinem Mann erst 1982 nach Kaufungen.“ Trotzdem hätten sie Kirchenmitglieder ermutigt, sich zur Wahl aufstellen zu lassen für den Vorstand. 1989 war es soweit, ab 2001 war sie Vorstand des Bauausschusses der evangelischen Kirchengemeinde Oberkaufungen.

Leicht seien die Aufgaben anfangs nicht gewesen, vor allem als Frau. „Damals hieß es immer noch ,Jawoll, Herr Pfarrer und jawoll, Herr Dekan‘“, erinnert sich Does. Sich einfach zu unterwerfen, habe ihr aber nicht entsprochen. Damit sei sie auch mal angeeckt. Doch jetzt sei es für Frauen leichter in der Kirche.

Does ist zufrieden nach gut 30 Jahren. So könne sie sagen: „Ich will den jungen Leuten Platz machen.“ Auch wenn sie noch voller Energie ist. „Die stecken mein Mann und ich ins Reisen nach Portugal und ins Baltikum. Da gibt es auch schöne Kirchen.“

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