Landkreis schließt Einrichtungen

Kaufunger Flüchtlingsunterkunft wird dicht gemacht: Was wird aus Bewohnern?

+
Wird zum Jahresende geschlossen: Der Landkreis macht die DRK-Gemeinschaftsunterkunft Haus 14 in Kaufungen dicht. Aktuell leben hier 18 Flüchtlinge.

Die Gemeinschaftsunterkunft Sophie-Henschel-Weg 14 in Kaufungen wird zum Jahresende zugemacht. Politiker fordern, dass Bewohner in Kaufungen bleiben können. 

Das teilte Landkreissprecher Andreas Bernhard auf HNA-Anfrage mit. „Aufgrund der stark zurückgegangenen Flüchtlingszahlen ergibt sich regelmäßig ein Überhang an Plätzen, dem aus Kostengründen mit der Schließung von Unterkünften begegnet werden muss“, so Bernhard. 

Kamen 2015 pro Woche noch rund 150 Flüchtlinge in den Landkreis Kassel, seien es mittlerweile zehn. Deshalb habe der Landkreis mit dem DRK als Vermieter zum 31. Dezember 2018 einen Auflösungsvertrag geschlossen.

Wohnungen am Kreisel

Derzeit leben noch 18 Menschen, darunter zwei Familien, in dem Haus Sophie-Henschel-Weg 14. Dass die Familien möglicherweise zum Jahreswechsel den Wohnort wechseln müssen, wollte die GLLK-Fraktion (Grüne Linke Liste Kaufungen) nicht akzeptieren.

Die Kommunalpolitiker hatten für die Gemeindevertretersitzung am kommenden Donnerstag einen Antrag gestellt, in dem sie den Gemeindevorstand aufforderten, die Schließung so lange auszusetzen, „bis es zumindest für die beiden Familien eine Unterbringung in Kaufungen gibt.“ Sie schlugen der Gemeinde vor, zwei Wohnungen im Neubau am Kreisel zwischen Ober- und Niederkaufungen, an die Familien zu vermieten. Die anderen Bewohner sollen auf noch bestehende Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis verteilt werden.

Vor allem für die Kinder und Jugendlichen der Familien sei ein Wohnortwechsel „eine schwere, psychische Belastung“, da sie „aus ihrem inzwischen vertrauten sozialen Umfeld herausgerissen werden würden“, heißt es in dem Antrag. Zumal sie eine schwierige „Zeit des Krieges, der Flucht und dem Leben im Exil“ hinter sich hätten. Sie bräuchten stabile Lebensverhältnisse. Im Antrag wird für die dreiköpfige Familie R. eine Wohnung bis zu 72 Quadratmeter für bis zu 450 Euro monatlich vorgeschlagen, für die Familie K./S. – mit drei jugendlichen Kindern – eine bis zu 96-Quadratmeter-Wohnung mit vier Zimmern für bis zu 620 Euro.

Der Antrag wurde allerdings von der Fraktion zurückgezogen. Grund für den Rückzug: „Es zeichnet sich eine Lösung ab, mit der die Familien sicherlich gut leben können“, sagte GLLK-Fraktionsmitglied Lothar Rausch.

Familien auf Wohnungssuche

Das bestätigt auch die Gemeinde Kaufungen: „Es haben sich zwei Familien, die in der Unterkunft wohnen, bei der Gemeinde um Wohnungen beworben und um Unterstützung bei der Wohnungssuche gebeten“, so Sprecherin Julia Gerhold. Beide Familien seien in Kaufungen gut integriert und werden durch Mitglieder der Nachbarschaftshilfe begleitet. „In einem Fall konnten wir inzwischen eine Lösung vermitteln. In dem anderen Fall sind wir zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Eine umfangreichere Hilfe, als die für die beiden Familien, können wir zur Zeit leider nicht anbieten“, betonte Gerhold.

Laut Sprecherin beabsichtige das DRK, die Gemeinschaftsunterkunft nach der Schließung wieder in Wohnungen umzuwandeln. Die Gemeinde führe derzeit Gespräche mit dem DRK, die Belegungsrechte mit Mietpreisbindung für die Wohnungen anzukaufen. Möglicherweise könnten die Familien hier doch noch eine Bleibe finden.

Zum Thema: Flüchtlinge finden in Kassel keine Wohnungen

Landkreis schließt weitere Unterkünfte

„Es ist geplant, unsere Unterkünfte nach und nach zu schließen“, heißt es von Landkreissprecher Harald Kühlborn. Weiterhin betreiben wolle der Landkreis nur noch Unterkünfte, für die keine Miete bezahlt werden müsse. Nämlich die Pommernanlage in Wolfhagen (375 Bewohner bei einer Kapazität von 853), die Einrichtungen in Fuldatal-Rothwesten (110 Bewohner von 153), sowie eine Unterkunft in Hofgeismar (derzeit 90 Bewohner von 156). 

Aktuell gebe es neben der Kaufunger Gemeinschaftsunterkunft mit 18 Flüchtlingen noch Einrichtungen in Bad Emstal (25 Bewohner von 54), Bad Karlshafen (114 von 138), Baunatal (89 von 126), Espenau (60 von 79), Fuldabrück (33 von 41), Lohfelden (41 von 53), Nieste (17 von 25), und in Vellmar (29 von 35). Die zehn Personen, die nicht in Kaufungen unterkommen, werden in anderen Einrichtungen untergebracht.

Aus dem Archiv: Onlineportal verdreht Fakten zu Flüchtlingsunterkunft in Kaufungen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.