Mehrgenerationen-Haus soll 2019 gebaut werden

"Zu mehreren ist man weniger allein": Kaufunger Wohnprojekt wächst

+
Das Mehrgenerationenprojekt „Gemeinsam Wohnen in Kaufungen“ nimmt Gestalt an: Im Laufe des Jahres 2019 soll mit dem Bau des ersten von insgesamt drei Wohnhäusern begonnen werden. Unser Bild zeigt einige der Genossenschaftsmitglieder beim diesjährigen Sommerfest der Initiative im August. Ganz rechts im Bild steht der Kasseler Architekt Matthias Tunnemann.  

Kaufungen. In Kaufungen soll 2019 der Bau des Mehrgenerationen-Projektes starten. Doch warum sollte man so leben? Ein Gespräch mit Britta Hieronimus, Mitglied der Genossenschaft.

Erst im Januar dieses Jahres hat sich die Genossenschaft „Gemeinschaftlich Wohnen in Kaufungen“ gegründet. Weit über 20 Mitglieder – ältere und jüngere Menschen, Familien, aber auch Menschen mit Behinderung – haben sich zusammengetan, um miteinander eine neue Form des Zusammenlebens umzusetzen. Drei Wohnhäuser sollen gebaut werden – auf dem Alten Festplatz direkt neben der neuen Kita Eulennest mitten in Kaufungen.

Frau Hieronimus, das Mehrgenerationen-Wohnprojekt „Gemeinschaftlich Wohnen in Kaufungen“ nimmt Form an. Die Genossenschaft ist gegründet, das Konzept steht, die Planungen für den ersten Neubau laufen auf Hochtouren. Erfüllt sich damit für Sie ein Wunschtraum?

Britta Hieronimus: Ich wusste anfänglich nicht, dass es für mich ein Wunschtraum sein könnte. Über eine VHS-Veranstaltung bin ich vor einiger Zeit auf das Thema gekommen. Ich fand es beeindruckend, dass gemeinschaftliches Wohnen und Leben mit mehreren Generationen unter einem Dach sehr gut möglich ist. Irgendwann habe ich gemerkt, dass sich auf diese Weise meine Lebensqualität auf längere Sicht verbessern ließe.

Warum sollte man denn so leben wollen?

Hieronimus: Ganz einfach: Zu mehreren ist man weniger allein. Das ist eine der wichtigen Motivationen. In unserer heutigen Gesellschaft leben viele Menschen für sich allein – nicht nur ältere, sondern auch immer mehr junge Leute wie Singles oder auch Alleinerziehende. Und nicht wenige leiden darunter, weil ihnen oft vertraute Kontakte oder auch Alltagshilfen fehlen.

Wie sieht das gemeinschaftliche Wohnen und Leben ganz praktisch aus?

Hieronimus: Grundsätzlich vorweg: Unser Projekt ist keine Versorgungs- und Pflegeeinrichtung. Alle Bewohner hier haben ihr Privatleben, ihre eigene Wohnung und somit ihren eigenen Raum. Aber dennoch kennt jeder jeden, man achtet aufeinander, nimmt Rücksicht, pflegt Kontakte – und läuft eben nicht aneinander vorbei, wie das oft bei herkömmlichen Nachbarschaften der Fall ist.

Bei uns wird es einen Gemeinschaftsraum mit Küche geben, eine gemeinsam genutzte Werkstatt und einen Bauerngarten – Gemeinschaftseigentum, das alle nutzen können. Man trifft sich, plant Ausflüge, Aktionen oder was auch immer, unterstützt sich gegenseitig, passt mal auf die Kinder vom Nachbarn auf, oder bringt einem etwas vom Supermarkt mit. Fast schon könnte man sagen, wie bei einer Großfamilie.

Was sind das für Personen, die bei diesem Projekt mitmachen? Muss man dafür eine spezielle Gesinnung, Haltung, oder Weltanschauung mitbringen?

Hieronimus: Nein, wir sind eine bunte Gemeinschaft mit dem gleichen Ziel. Das, was uns verbindet, ist die Offenheit gegenüber anderen. Das ist auch so in unserer Präambel festgeschrieben: „Im Projekt willkommen sind Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Kulturen, mit und ohne Beeinträchtigungen“. Das muss man natürlich auch wollen.

„Miteinander Solidarität erleben statt in Einsamkeit zu leben“, so könnte man das Projekt also auch umreißen. Sehen Sie darin ein Modell für die Zukunft?

Hieronimus: Durchaus. Solch ein Projekt hält viele Antworten auf Probleme unserer Zeit bereit. Gemeinschaftliches Wohnen macht das Leben preiswerter durch Bündelung der Kräfte, zum Beispiel Carsharing oder gemeinsames Eigentum. Es macht das Leben lebendiger und es gibt mehr Sicherheit – zum Beispiel lebenslanges Wohnrecht und keine Mietspekulation.

Wie kann man sich an dem Projekt beteiligen? Sind noch Kapazitäten frei?

Hieronimus: Ja, wir haben noch Kapazitäten. Interessierte – natürlich gerne Familien oder Alleinerziehende mit Kindern – können sich jederzeit bei uns melden. Wir stehen ja am Anfang unserer Entwicklung. So haben wir zum Beispiel den Bau zwei weiterer Wohnhäuser geplant. Unsere Wohnungen sind ebenso kinder- und familienfreundlich wie auch altersgerecht.

Um an dem Projekt teilnehmen zu können, ist es Voraussetzung, Genossenschaftsmitglied zu werden, eine Einlage zu leisten und Miete zu zahlen, damit das Projekt finanziert werden kann. In Fällen, in denen zu wenig Kapital für eine Beteiligung vorhanden ist, werden wir gemeinsam mit den Interessenten individuell nach einer Lösung suchen.

Wann wird es mit dem Bau des ersten Wohnhauses losgehen?

Hieronimus:Wir sind zuversichtlich, im Laufe des Jahres 2019 starten zu können. Wir freuen uns darauf, dann den Startschuss für unser erstes Wohnhaus geben zu können.

• Kontakt zur Genossenschaft: connie.troendle@gemeinschaftlich-wohnen-kaufungen.de oder Tel. 01525 / 722 67 15. www.gemeinschaftlich-wohnen-kaufungen.de

Die Mitglieder des Wohnprojektes „Gemeinschaftlich Wohnen in Kaufungen“ laden zu einem Info-Café am Freitag, 26. Oktober, von 16 bis 18 Uhr, sowie am Freitag, 23. November, ebenfalls von 16 bis 18 Uhr in das „Bistro Bernstein“ an der Tennishalle an der Straße Am Stechkopf nahe des Alten Festplatzes in Kaufungen ein. Interessierte erhalten dort weitergehende Projekt-Infos aus erster Hand. Die Teilnahme am Plenum, dem Planungsgremium der Genossenschaft, ist nach einer ersten Info im Café für Interessierte möglich. Nächster Termin: Montag, 29. Oktober, von 19 bis 21 Uhr in der Begegnungsstätte Kaufungen an der Theodor-Heuss-Straße 15 (Haltestelle Gesamtschule) statt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.