Porträt

Milch ist sein Medikament - Günter Haackert ist mit 105 der älteste Mensch im Altkreis Kassel 

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Dr. Günter Haackert feiert seinen 105. Geburtstag. 1915 wurde er in Schwerin geboren, heute lebt er im DRK-Altenpflegeheim in Kaufungen.

Günter Haackert aus Kaufungen wird am 15. März 105. Damit ist er der älteste Mensch im Altkreis Kassel. 

 „Ach, die Zeitung“, freut sich Günter Haackert über den Termin mit der HNA. Das Treffen hat eine ganz besondere Bewandtnis: Dr. Günter Haackert feiert am Sonntag, 15. März, seinen 105. Geburtstag.

Das Lesen der Tageszeitung ist für ihn immer ein fester Bestandteil seines Morgens gewesen, genauso wie ein Kännchen Milch, eine Schüssel Haferbrei und dazu ein Brötchen. Von dieser Gewohnheit weicht Haackert auch mit 105 nicht ab und vielleicht trägt auch das ein bisschen dazu bei, dass der Rentner auch in diesem stolzen Alter auf keinerlei Medikamente angewiesen ist. Die kennt er selbst wohl mit am besten, denn er war jahrzehntelang Mediziner. „Medizin macht Freude und ist dankbar“, sagt er. Sein Beruf ist ihm immer wichtig gewesen. „Ich habe keinen Tag auf die Medizin geschimpft, es ist eine tolle Wissenschaft.“

Günter Haackert im Alter von 13 Jahren. Damals lebte er mit seiner Mutter in Berlin, wo er zur Schule ging und studierte. 

Geboren wurde Günter Haackert am 15. März 1915 in Schwerin. Seine Mutter Erna war Lehrerin. „Sie hat ein gutes Examen gemacht“, sagt er sichtlich stolz. Sein Vater Karl war Staatsanwalt, doch ihn lernte Günter Haackert nie kennen. Als er geboren wurden, tobte bereits der Erste Weltkrieg und sein Vater war im Kriegsdienst. Fünf Monate alt war Günter Haackert, als sein Vater starb. Seine Mutter zog daraufhin mit ihm nach Berlin. Das war von den Großeltern väterlicher- und mütterlicherseits jeweils ähnlich weit entfernt. So wollte seine Mutter nach dem Tod des Vaters die Verbindung zu beiden Seiten der Familie halten.

„Da habe ich mich sehr wohl gefühlt, in Berlin“, sagt Günter Haackert, „ich hatte immer das Gefühl, ich bin ein Berliner.“ In Berlin-Friedenau ging er auch zur Schule – „von der sechsten bis zur Prima“, erklärt Haackert, also bis zum Abitur. Das machte er in Berlin-Steglitz. Sein Medizinstudium absolvierte er ebenfalls in Berlin, aber auch in München und Italien.

Nachdem sein Vater im Ersten Weltkrieg gefallen war, beeinflusste auch der Zweite Weltkrieg Günter Haackerts Leben maßgeblich. Als Sanitätsoffizier und Oberstabsarzt arbeitete er unter anderem in Thessaloniki und Prag. In Prag lernte er auch seine spätere Ehefrau Anemarie kennen, sie war ebenfalls Ärztin. 1945 heiratete das Paar. Ein Jahr später eröffneten sie in Niederkaufungen gemeinsam eine Arztpraxis, die sie bis 1983 führten. Das Engagement für die Medizin hörte mit der Abgabe der Praxis aber nicht auf. 1988 gründete er die Anemarie- und-Günter-Haackert-Stiftung, die junge Wissenschaftler auf dem Gebiet der pränatalen Medizin fördert.

2009 fand er im DRK-Altenpflegeheim in Kaufungen ein neues Zuhause. Dort wird er auch seinen Geburtstag im kleinen, familiären Kreis feiern. Nur das Pflege- und Betreuungspersonal wird noch mit dabei sein und Günter Haackert zu seinem außergewöhnlichen Ehrentag eine Rose überreichen. Aufgrund des um sich greifenden Coronavirus wird darum gebeten, zur Sicherheit von weiteren Geburtstagsbesuchen bei Günter Haackert abzusehen.

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