Hausbesuche für Risikopatienten

Corona-Impfungen bei Hausärzten in Kassel: Impfdosen sind äußerst knapp

Der Hausarzt Dr. Michael Poll aus Niederkaufungen startet zu einem Hausbesuch
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Streng nach Risiko-Reihenfolge: Hausarzt Dr. Michael Poll aus Niederkaufungen hat die ersten Impfdosen erhalten und versorgt damit zuerst besonders gefährdete Patienten, die nicht in die Praxis kommen können.

Auch Hausärzte im Raum Kassel können nun Impfungen gegen Covid-19 verabreichen. Zunächst gibt es aber nur etwa 20 Impfdosen pro Woche und Arztpraxis.

Kassel - Wie angekündigt läuft nach den Ostertagen die Corona-Impfkampagne bei den regionalen Hausarztpraxen an – doch vorerst „anders, als sich die Patienten das vorgestellt haben“, sagt der Kaufunger Allgemeinmediziner Dr. Michael Poll. Auch er wird ab heute (7. April 2021) regelmäßig mit Impfstoff beliefert. Doch bis seine Patienten einen Termin machen können, um sich in der Praxis in Niederkaufungen einen Impf-Piks abzuholen, wird es noch eine unabsehbare Weile dauern, sagt Poll.

Das ist auch in anderen Arztpraxen der Fall und liegt vor allem an der knappen Impfstoffmenge, die im ersten Schritt an die Mediziner ausgegeben wird. Nach Angaben des Landes Hessen stehen zu Beginn durchschnittlich etwa 20 Dosen pro Woche und Praxis zur Verfügung. Erst in etwa drei Wochen werden höhere Liefermengen erwartet.

Corona-Impfung beim Hausarzt: Personen der Risikogruppe werden bevorzugt

Nachdem der tiefgekühlte Impfstoff von Biontech/Pfizer am Dienstag (06.04.2021) in den Apotheken fertig zur Auslieferung gemacht wurde, erwartet Poll für heute gerade mal drei Fläschchen des Vakzins. Diese Wochenration der Praxis reicht für die Erst-Impfung von 18 Patienten. In ganz Deutschland müssen zahlreiche Impfzentren wegen Impfstoff-Mangel die Corona-Impfungen einstellen.

Dabei zuerst berücksichtigt werden Personen der höchsten Risikogruppe, die nicht mobil sind, erklärt der Allgemeinmediziner. Den heutigen Vormittag hat sich Poll daher für Hausbesuche freigehalten – in ein paar Stunden werde das Wochenkontingent voraussichtlich verimpft sein, danach könne es erst kommenden Dienstag auf dem gleichen Niveau weitergehen. Von solchen Hochrisikopatienten, die zu Hause geimpft werden müssen, hat allein die Kaufunger Praxis „etwa 100 Leute auf der Liste“, sagt Michael Poll: „Die werden alle von uns angerufen und nacheinander abgearbeitet.“

Corona in Kassel: Vorerst keine Impftermine in Hausarztpraxen

Da sei auf absehbare Zeit nicht daran zu denken, Impftermine nach Vereinbarung in der Praxis anzubieten. Poll schätzt, dass es rund fünf Wochen dauern wird, bis er für seinen Patientenstamm alle häuslichen Impfungen erledigt haben wird. „Danach haben wir mal eine Woche Luft und können dann gleich wieder mit den Zweit-Impfungen beginnen.“

Das Impfen selbst sei die eine Sache, die organisatorischen und logistischen Anforderungen der Kampagne für die Arztpraxen stünden auf einem anderen Blatt. Sein Osterwochenende habe er weitgehend am Schreibtisch verbracht, berichtet Michael Poll; unter anderem, um die Website der Praxis mit aktuellen Impf-Infos zu bestücken und Handzettel zu texten. „Wir haben zu dem Thema so viele Anfragen, dass das Telefon ständig blockiert ist.“ Und neben dem Impfen seien ja noch die anderen ärztlichen Aufgaben zu erledigen.

Dem Ergebnis, dass die Kaufunger Praxis einstweilen nur 18 Personen pro Woche eine Impfung ermöglichen kann, stehe „ein mordsmäßiger organisatorischen Aufwand“ gegenüber, sagt Poll. In Stadt und Landkreis Kassel sinken unterdessen die Corona-Inzidenzen.

Corona-Impfung in Kassel: Hausärzte sollen mehr Impfstoff bekommen

Gern würde der Mediziner den knappen Impfstoff besser ausnutzen – in den Fläschchen bleiben immer wieder mal kleine Reste übrig. Um diese für zusätzliche Impflinge verwenden zu können, braucht es spezielle, sogenannte Null-Totraum-Spritzen – die aber seien auf dem Markt derzeit praktisch nicht erhältlich. Den Impf-Sets liege nur eine abgezählte Spritzenmenge für die reguläre Dosenzahl bereit. „Wir telefonieren befreundete Praxen ab, um noch Spritzen zu bekommen“, sagt der Hausarzt.

Trotz aller Herausforderungen beim Start der Impfkampagne in den Praxen hofft Dr. Michael Poll, dass sich die Lage in ein paar Wochen entspannt. In der Woche ab dem 26. April, so die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums, soll den Hausärzten deutlich mehr Impfstoff geliefert werden – rechnerisch wäre das pro Praxis gut die dreifache Menge wie jetzt zu Beginn. (Axel Schwarz)

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