„Das Eismeer fast ohne Eis“

Kaufunger Ehepaar dokumentiert Umweltkatastrophe am Nordpol

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Die „Lyubov Orlova“ bahnt sich im August 2009 den Weg durch Nordpolarmeer.

Die Themen Umwelt und Klima sind derzeit in aller Munde. Das Ehepaar Pfaff aus Kaufungen dokumentiert die Umweltkatastrophe am Nordpol.

„Hier kann man es deutlich sehen: Das Eismeer fast ohne Eis“. Der Zeigefinger von Hans-Gerhard Pfaff wischt über den Bildschirm des Tablets. „Und so sah es vor zehn Jahren noch an fast der gleichen Stelle zur gleichen Jahreszeit aus“. Das nächste Bild zeigt den Bug eines Schiffes, der durch ein mit dicken Eisschollen bedecktes Meer pflügt.

Zehn Jahre – eine Zeitspanne, in der sich am Nordpol ein gravierender Wandel vollzogen hat. Das rasche Dahinschmelzen des Eispanzers ist ein ökologischen Alarmsignal. Zu den Augenzeugen dieser Umweltkatastrophe gehören nicht nur Wissenschaftler und Vertreter der Politikprominenz, sondern auch Hans-Gerhard und Elvira Pfaff. Das Kaufunger Ehepaar, Reise- und Fotojournalisten, die dank ihrer Bildbände und Multivisionsschauen bekannt sind, kann den Klimawandel mit Wort und Bild belegen. Auf ihren beiden Schiffsexpeditionen durch den Norden Kanadas bis nach Grönland haben die Pfaffs genügend Material gesammelt.

Ein Eisbär lief vor die Linse

2009 haben die Nordhessen die Fahrt auf dem russischen Passagierschiff „Lyubov Orlova“ absolviert. „Das pflügte wie ein Eisbrecher durch das Meer. Wir konnten zwischendurch noch riesige Eisberge fotografieren und auf dicken Eisschollen herumspazieren“, erinnert sich Elvira Pfaff. Damals gelangen den Fotografen auch spektakuläre Tierbilder von Robben und Walrossen. „Sogar ein Eisbär lief uns damals auf einem Schollenfeld vor die Linse.“

In Expeditionskleidung: Elvira und Hans-Gerhard Pfaff dokumentieren mit Fotos die rasch voranschreitende Eisschmelze am Nordpol. 

Und jetzt? Kürzlich, an Bord der „Ocean Endeavour“, war alles ganz anders. Auch was die Tierwelt angeht. „Wir haben nichts Spektakuläres gesehen. Gerade mal zwei Walrosse, die weit entfernt auf einer Eisscholle lagen“, sagt Hans-Gerhard Pfaff. Noch etwas anderes hat die beiden Kaufunger erstaunt: Während in Europa die „Fridays for Future“-Bewegung und die zahlreichen Appelle der Wissenschaftler für erregte Umweltdiskussionen sorgen, scheint man der sich anbahnenden Katastrophe vor Ort offenbar mit Gleichgültigkeit zu begegnen. Hans-Gerhard Pfaff: „Wir haben in Sisimiut auf Grönland einen Journalisten zu dem Thema befragt. Der hat aber nur gesagt: Was soll’s! Wir müssen uns eben mit dem Wandel arrangieren.“

Klimawandel am Nordpol: Persönlicher Schaden

Und auch bei den kanadischen Ureinwohnern erträgt man den Klimawandel mit Gleichmut. „Die regen sich nicht so sehr über die Verkürzung ihrer Jagdsaison wegen der Eisschmelze auf, sondern weil sie ihre Robbenfelle und Walzahnschnitzereien aus Gründen des Tierschutzes nicht mehr in die EU ausführen dürfen“, sagt Elvira Pfaff.

Einsame Passagiere: Zwei Walrosse treiben im August 2019 auf einer der wenigen Eisschollen im Nordpolarmeer. 

Dass ein anderes Phänomen des Klimawandels auch persönlichen Schaden anrichten kann, musste Hans-Gerhard Pfaff am eigenen Leib erfahren. Das Auftauen des Permafrostbodens in der arktischen Tundra setzt nicht nur riesige Mengen an gespeicherten CO2-Gasen frei und lässt den Boden in große Spalten aufbrechen, es macht ihn auch rutschig. 

Dieser Matsch wurde dem Kaufunger zum Verhängnis. Seine Füße verloren beim Landgang plötzlich den Halt, er fiel, und das Objektiv seiner teuren Nikon-Kamera zerschellte an einen Felsen. Ein kapitaler Schaden, doch zum Glück nur ein Versicherungsfall. Ärgerlich, aber schnell zu beheben – anders als die Eisschmelze.

Von Rolf Wiesemann

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