Er forscht rund um Kokos, Kork und Co. 

Vom Zirkuskind zum Architektur-Professor: Kaufunger wuchs bei Dompteuren auf

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Nachwachsende Rohstoffe sind sein Ding: Prof. Wolfgang Rettberg aus Kaufungen ist Architektur-Professor und forscht rund um Kokos, Kork und Co. Sein Haus, das zu 80 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, hat er selbst entworfen. Unter anderem auch mit Douglasienholz, das er für unser Foto in der Hand hält.

Sein Haus steht auf Pfählen, im Garten wächst Bambus: Wolfgang Rettberg aus Kaufungen setzt auf nachwachsende Rohstoffe, Naturnähe und teils auf Unkonventionelles. Nicht nur privat, auch beruflich.

Der Architektur-Professor beschäftigt sich seit gut drei Jahrzehnten intensiv mit Bambus, Kokos, Kork und Co. Aber auch Holz steht beim 66-Jährigen hoch im Kurs. Wie er vom Zirkuskind zum Öko-Architektur-Professor wurde.

Angefangen hat alles damit, dass Wolfgang Rettberg „zu faul war, das Abitur zu machen“, wie er mit einem breiten Grinsen sagt. Schule habe ihn einfach nicht interessiert. „Ich habe lieber Fußball gespielt und gemalt. Als ich 16 war, nahm mich mein Vater, der damals bei einer Malerfirma in Kassel angestellt war, mit zum Kasseler Architekturbüro Bode & Brundig und fragte dort, ob man aus mir nicht was machen könnte.“

Brundig habe Rettberg in einen Raum gesetzt und ihn etwas abzeichnen lassen. „So kam ich zu einer Bauzeichnerausbildung in Kassel“, sagt der Kaufunger.

Das Interesse war geweckt: Auf dem zweiten Bildungsweg holte Rettberg nicht nur sein Abitur nach, sondern legte zwei Architekturdiplome ab. Heute ist er Architekturprofessor und gibt sein Wissen an der HAWK (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen) weiter – in Gebäudelehre und Bauleitplanung. Dabei geht es immer darum, nachwachsende Rohstoffe einzusetzen. Was das bringt? „Ich glaube, dass wir als Architekten seit den 80ern mit dafür sorgen konnten, dass sich in Deutschland ein Bewusstsein für nachwachsende Baustoffe entwickelt hat.“

Inspiration aus Shanghai

Aber an Deutschlands Grenzen hört seine Arbeit nicht auf. Rettberg ist viel unterwegs, schaut, wie anderswo gebaut wird, lässt sich inspirieren, forscht. „Ich reise zum Beispiel oft nach Shanghai, China, wo ich mit der Tongji-Universität eine Kooperation habe. Da geht’s um Denkmalpflege und Holzschutz.“ Einflüsse, die er auch in seinem Zuhause in Kaufungen umsetzen konnte: „Mein Haus habe ich selbst entworfen. Es besteht vor allem aus Holz, zum Beispiel aus Douglasie.“

Das Reisen wurde ihm quasi in die Wiege gelegt: „Meine Eltern waren beim Zirkus Apollo, meine ersten sechs Lebensjahre habe ich überall in Europa verbracht“, erzählt er. „Ich weiß noch, dass mein Vater eine tolle, schwarze Uniform mit goldenen Verzierungen und Knöpfen hatte.“

In Kassel geboren sei Rettberg rein zufällig. „Wir haben gerade in der Region Kassel mit dem Zirkus halt gemacht, als meine Mutter mich bekam“, sagt Rettberg. „Als dann mein Bruder geboren wurde und ich etwa sechs Jahre alt war, haben sich meine Eltern entschieden, wieder zurückzukommen und so haben wir uns damals in Fuldatal-Ihringshausen niedergelassen.“

Von Dompteuren erzogen 

Seine Eltern hätten Rettberg später erzählt, dass er eigentlich weniger von ihnen, sondern mehr von Dompteuren erzogen wurde und dadurch den Umgang mit Tieren lernte. „Das war wie ein Bauernhof mit 100 Leuten und vielen Tieren, die sich alle irgendwie um die zehn Kinder kümmern, die dort rumlaufen.“ Dieser offene Lebensstil, auch als Nomade, habe ihn wohl auch empfänglich für die Architektur gemacht.

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