Viel Gefühl und Witz

Kaufunger Ehepaar erfreut als Clowns Senioren

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Lachen trifft Tiefgang: Gerd Mielke und Swantje Hofmann-Mielke erfreuen Senioren mit Jonglierbällen und viel Musik.

Witze, Jonglierkunst und viel Musik: Swantje Hofmann-Mielke und Gerd Mielke begeistern seit 2014 als Clownspaar „Kluntje und Matjes“ Senioren in Stadt und Landkreis Kassel.

Das Kaufunger Ehepaar tritt in Seniorenzentren, bei Geburtstagen und Stadtfesten auf. Mit seinen schrillen Kostümen und etwas Verrücktheit unterhält es sein Publikum. Das Paar verteilt Komplimente und erwidert so manchen Flirt. Seit fünf Jahren treten die Clowns auf. Wir stellen die Menschen hinter der Schminke und den Kostümen vor.

Das Ehepaar lernte sich 2009 bei einem Sommermusikfestival kennen. Er spielt seit 1984 den Alleinunterhalter „Gerd der Gaukler“. Sie arbeitet hauptberuflich als Atem- und Sprechlehrerin. Viele Jahre tritt sie in einem Tango-Ensemble auf. 

Nun stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Doch als Bühnen-Clowns bezeichnen sie sich nicht. „Kontakt-Clowns ist das richtige Wort“, sagt Hofmann-Mielke. Denn genau darum geht es dem bunten Gespann: um Kontakt zu ihrem Publikum.

Sie wollen nicht überspielen, nicht überdrehen. Nur gute Stimmung verbreiten und sensibel auf ihr Publikum reagieren. Gerade in Seniorenzentren.

Nicht nur auf Lacher aus

Das Clownspaar spielt nicht nur vor mehreren Zuschauern. Kluntje und Matjes unterhalten auch einzelne Senioren, die nicht mehr die Kraft haben, ihr Bett zu verlassen. In vielen solcher Situationen sind sie nicht auf den nächsten Lacher aus, sind nicht laut. Manchmal wollen sie nur da sein. Und beruhigen. Hinter den buntgeschminkten Masken verbirgt sich eine tiefe Intention.

Im Frühling besuchte das fröhliche Paar eine Frau. Sie lag im Sterben. „Die Dame hat sich gewünscht, dass wir noch einmal zu ihr kommen“, sagt der 62-Jährige. Zu dritt sangen sie Lieblingslieder der Seniorin. Hofmann-Mielke hielt ihre Hand.

So schrill ihre Kostüme sind, ihre Auftritte sind es oft nicht. Sie wollen ihr Publikum nicht bespaßen – sondern erfreuen. Flache Witze erzählen sie nicht. Sie wollen positive Gefühle vermitteln, alte Erinnerungen wecken. „Gerade Demenzerkrankte nehmen oft sehr passiv am Alltag teil. Sie sprechen wenig. Doch wenn wir mit ihnen alte Lieder singen, strahlen ihre Gesichter“, sagt Hofmann-Mielke. 

Dann lachen die Senioren und erinnern sich an alte Gedichte. Sie werden lebendiger. „Aber manchmal machen wir auch einfach nur irgendwelchen Quatsch“, sagt die 58-Jährige. Vor allem wenn sie unter sich sind. Beide hätten einen schrägen Humor. Sie ist ein großer Fan von Helge Schneider, er ein Wortverdreher. Sie lachen viel gemeinsam. Das sei auch wichtig für die Beziehung.

Sie schenken sich nicht nur gegenseitig viele lustige Momente. Auch von ihrem Publikum würden sie „ganz viel zurückbekommen“, sagt er. Das Lachen und die Freude der Menschen bedeute ihnen viel. Ihr Job sei nicht nur ein Job. Eher eine Herzensangelegenheit.

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