600 Balken

Alte Kaufunger Scheune als Bausatz: Fachwerkverein baut eingelagertes Gebäude wieder auf

Der Wiederaufbau der alten Mansardenscheune in Oberkaufungen überlässt der Fachwerkverein Kaufungen Fachleuten: Binnen einer Woche errichteten (von links) Tim Batz, Thilo Kramer und Klaus Hildebrand die Fachwerkkonstruktion am Hofgarten. Viele Jahre hatte es gedauert, den Wiederaufbau der Scheune zu organisieren.
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Der Wiederaufbau der alten Mansardenscheune in Oberkaufungen überlässt der Fachwerkverein Kaufungen Fachleuten: Binnen einer Woche errichteten (von links) Tim Batz, Thilo Kramer und Klaus Hildebrand die Fachwerkkonstruktion am Hofgarten. Viele Jahre hatte es gedauert, den Wiederaufbau der Scheune zu organisieren.

Wer in diesen Tagen einen Spaziergang am Hofgarten auf dem Stiftsgelände in Oberkaufungen unternimmt, wird Seltenes zu sehen bekommen: nämlich ein imposantes, dreigeschossiges Fachwerkskelett.

Kaufungen - Seit Montag vergangener Woche werkeln dort Facharbeiter an der aufwendigen Holzkonstruktion. Es handelt sich um die wiederaufgebaute alte Mansardenscheune, die einst im Bereich der heutigen Seniorenwohnanlage Lossestern am Gebinger Weg mitten in Kaufungen stand.

2016 wurde sie abgebaut, um Platz für den Lossestern zu machen, Stück für Stück – und dann für fünf Jahre, quasi als Großbausatz, in Niederkaufungen eingelagert.

„Jetzt endlich in diesem Sommer hat der Wiederaufbau auf der großen Wiese des Stiftsguts am Hofgarten geklappt“, sagen Silke Does und Bärbel Schmeltzer vom Fachwerkverein Kaufungen. „Ehrlich: Wir hatten schon nicht mehr dran geglaubt.“

All die Planungen und Vorbereitungen, die erforderlichen Genehmigungen sowie die Finanzierung – all das habe ewig gedauert und sei auch nicht immer leicht zu organisieren gewesen. Doch kam tatkräftige Unterstützung von der Gemeinde Kaufungen – sie stellte unter anderem das neue Grundstück am Hofgarten zur Verfügung, sodass nun doch alles wie am Schnürchen läuft.

Ein Lkw bringt die Balken, ein Kran hievt die Holzteile auf die Baustelle, überall wird gebohrt und gehämmert. Mit von der Partie sind übrigens auch die Fachwerk-Spezialisten Tim Batz und sein Vater Jochen Batz. Tatsächlich war es der Urgroßvater von Jochen Batz, der einst die Scheune am Gebinger Weg gebaut hatte.

Insgesamt gilt es 600 Balken in die richtige Position zu bringen und dort nach klassischer Art miteinander zu verzapfen. Hier und da kommen noch Verstärkungen hinzu, damit alles aktuellen Bauvorschriften genügt.

Schon in den nächsten Tagen kommt der Dachstuhl oben drauf, die Dachdeckerarbeiten wird der Fachwerkverein in Eigenleistung übernehmen. Anschließend sollen noch in diesem Herbst die Gefache – ebenfalls mit den alten Originalziegeln – ausgemauert werden. „Ziel ist es, die Scheune noch in diesem Jahr bezugsfertig zu machen“, sagt Schmeltzer.

Denn Großes hat der Fachwerkverein mit dem altehrwürdigen Gebäude vor: In ihm soll ein Fachwerkzentrum untergebracht werden, in dem wertvolles Wissen rund um die Fachwerk-Baukunst gesammelt und weitergegeben werden soll. „Allein in Kaufungen gibt es über 600 Fachwerkhäuser“, sagt Does. Über kurz oder lang müsse jedes Haus mal renoviert oder saniert werden. „Jeder, der ein Fachwerkhaus sein Eigen nennt, weiß, was das heißt – vor allem, wenn dann noch Denkmalschutzaspekte hinzukommen.“

So soll das neue Fachwerkzentrum vor allem Know-how vermitteln und Lösungen anbieten. Workshops und Vorträge sind ebenso geplant wie ein Ausstellungsraum und eine Baumaterial-Börse. „Es wird immer schwieriger, an alte Balken, Sandsteine oder sogar Lehm-Ziegel zu kommen“, sagt Schmeltzer. Von all dem sollen später übrigens nicht nur die Kaufunger, sondern auch Fachwerkhausbesitzer aus den umliegenden Orten profitieren.

Dass nach all den Jahren des Planens und Vorbereitens die Anspannung allmählich weicht, ist Silke Does und Bärbel Schmeltzer deutlich anzusehen. Vor allem die Finanzierung steht nach wie vor wie ein Fels in der Brandung. 106 000 Euro kommen von der EU-Regionalförderung, 44 000 Euro von der Gemeinde Kaufungen und 50 000 Euro steuert der Fachwerkverein selbst bei. Macht zusammen 200 000 Euro. „Und es sieht so aus, als müssten wir nicht noch mit bösen Überraschungen rechnen.“ (Boris Naumann)

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