Über Stiche und Blühstreifen

Kaufunger Imker Reinhard Böth gibt Tipps zum Umgang mit Bienen

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Ist Herr über bis zu 400 000 Bienen: Imker Reinhard Böth aus Kaufungen widmet sich den Tieren bereits seit 1986.

Wenn eine Biene zusticht, tut das meist sehr weh. Imker Reinhard Böth aus Kaufungen kann davon ein Lied singen. Bis zu 50 Mal im Jahr wird er von seinen Bienen gestochen.

„Früher war der Schmerz noch schlimmer und die Stelle rund um den Stich immer stark angeschwollen. Aber mittlerweile geht es besser.“ Am meisten tue ein Stich ins Ohrläppchen weh.

Kurze Zeit nach diesen Aussagen nimmt Böth ein paar Bienen auf seine Hand – und zack, hat er vier Stachel in seinen Fingerkuppen stecken. „Die muss ich jetzt möglichst schnell entfernen“, sagt er und kratzt die Hinterteile der Biene mit dem Daumen ab. „Man darf die Stachel nicht mit zwei Fingern rausziehen, dabei drückt man nämlich die Giftblase aus. Diese arbeitet weiter, auch ohne Biene.“ Das hat dann zur Folge, dass mehr Gift in die Wunde gelangt. Ist der Stachel draußen, hat Böth gute Erfahrungen mit Salz, das er auf den Stich gibt, gemacht. „Es eignet sich eigentlich alles, was Flüssigkeit aufsaugt.“

Trotz der vielen Stiche, die Böth im Laufe des Jahres während der Arbeit mit seinen Bienenvölkern abbekommt, will er möglichst vielen die Angst vor den Tieren nehmen. „Bienen stechen nicht einfach zu. Vor allem stören sie beim Grillen oder Kuchen essen normalerweise überhaupt nicht, weil sie sich für diese Lebensmittel nicht interessieren.“ Durch Honig auf dem Tisch würden Bienen schon angelockt, von allem anderen nicht.

Die Stachel stecken gut sichtbar in Böths Hand.

Anders bei der Wespe. Sie sei nicht so wählerisch und mache sich nicht selten über menschliche Nahrung her, zum Beispiel über Fleisch. Ein Stich der Wespe tue übrigens ebenso weh wie ein Bienenstich. „Aber auch sie sticht nicht ohne Grund zu.“ Wenn einem Menschen einer Wespe oder Biene zu nahe kommt, solle derjenige ruhig bleiben, nicht nach dem Tier schlagen und sich langsam bewegen.

Warum es dann doch immer wieder mal zu Stichen kommt, ohne dass sich der Geplagte falsch verhalten hat? „Es kann zum Beispiel passieren, dass eine Biene auf einen bestimmten Geruch aggressiv reagiert. Das kann Schweiß oder auch starkes Parfüm sein.“ Wenn der Imker mit seinen Bienen arbeitet, geht er deshalb vorher noch schnell unter die Dusche, um das Risiko zu mindern. Helle Kleidung sei außerdem eine gute Wahl, wenn man nicht gestochen werden will. „Früher war der Bär einer der größten Feinde der Bienen – der ist dunkel, hat viele Haare und stinkt“, erklärt Böth. „Deshalb ist es in den Bienen evolutionsbedingt verankert, dass sie auf diese Eigenschaften unter Umständen reagieren.“

Im Spätsommer gibt es wenig Nahrung

Im Frühjahr findet die Honigbiene viel Nahrung in der Natur. „Auch, wenn die Wiesen nicht mehr das sind, was sie früher einmal waren“, erklärt Imker Reinhard Böth. Denn heute werde mehr gedüngt und dichter gesät, sodass einige Pflanzen gar nicht mehr vorkommen, wie zum Beispiel Kornblumen und Klatschmohn. Wenn es wärmer wird, sei noch einige Monate alles im grünen Bereich, bis Mitte oder Ende Mai blühe der Raps, bis Juli sei Lindenblütenzeit. „Danach wird es problematisch“, sagt Böth. 

Es seien zwar ab und zu noch Spätblüher wie das indische Springkraut auf unbewirtschafteten Flächen zu finden, „aber bei uns in der Region ist ja fast alles Land bewirtschaftet“. Auch die kanadische Goldrute sei für die Biene im Spätsommer und Herbst interessant, jedoch nicht so häufig zu finden. Deshalb seien Blühstreifen, die seit einiger Zeit unter anderem von Landwirten und Kommunen angelegt werden, äußert sinnvoll für die Bienen. „Die Winterbiene muss ab August bis ins nächste Jahr hinein überleben“, sagt Böth. Imker können die Tiere zwar mit Zuckerwasser füttern, aber das Eiweiß, was sie zwingend brauchen, müssen die Bienen selbst einsammeln – das ist im Blütenstaub vorhanden. „Das kann man nicht ersetzen“, so Böth. 

Reinhard Böth hat keine Angst vor Bienen.

Wenn jedoch ein Blühstreifen im Herbst abgemäht und das Land in der darauffolgenden Zeit wieder für andere Zwecke genutzt wird, sei das schlecht. „Es geht dabei dann zwar nicht mehr um das Nahrungsangebot, aber um das Wohnungsangebot“, erklärt der Imker. „Denn Blühflächen bieten im Winter einen Lebensraum für zahlreiche Insekten.“ 

Der Kreisbauernverband Kassel hat gerade eine neue Initiative ins Leben gerufen, bei der Interessenten ein Stück ihres Landes mieten können, das der Landwirt dann in eine Blühfläche umwandelt. Wer eine Blühstreifenpatenschaft übernehmen will, kann sich beim Verband melden (HNA berichtete). Böth appelliert an die zukünftigen Blühstreifenpaten, die Flächen für längere Zeit zu mieten „und nicht nur bis zum Herbst".

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Engpass in der Medizin

Das vergangene Jahr war ein besonders schweres für Allergiker. Zum einen gab es durch das trockene und warme Wetter sehr viele Wespen, zum anderen gab es bei den Adrenalin-Pens, die Allergiker immer bei sich tragen sollen, bundesweit Lieferengpässe. Eine Entspannung der Lage zeichnete sich damals erst für September ab. 

Für Allergiker ist das Mittel besonders bei Auftreten eines anaphylaktischen Schocks wichtig. Diese Extremreaktion kann innerhalb kurzer Zeit zu einer lebensbedrohlichen Situation führen. Die Medikamente helfen, den Kreislauf zu stabilisieren, Schwellungen zu vermindern und das Atmen zu erleichtern.

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