Klimabewegung

„Die Zeit läuft ab“ - Kaufunger „Extinction Rebellion“-Mitglied berichtet in Vortrag von Zielen

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Proteste der Klimabewegung „Extinction Rebellion“: Anfang Oktober blockierten Aktivisten die Zufahrten zum Großen Stern an der Siegessäule in Berlin.

Der Kaufunger Boris Behnke ist Mitglied der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ und hält am Samstag, 23. November, in der Kommune Niederkaufungen einen Vortrag darüber.

„Manchmal fragen mich Kollegen und Freunde, ob es denn aktuell nichts Wichtigeres als Umwelt- und Klimaschutz gibt. Dann sage ich: Nein“, berichtet Boris Behnke.

Er ist seit etwa vier Monaten Mitglied der Ortsgruppe Kassel, bisher die einzige in Nordhessen. Das Zeichen von „Extinction Rebellion“ (engl. für „Rebellion gegen das Aussterben) – kurz XR – ist ein X mit einem waagerechten Strich oben und unten. Es symbolisiert eine Sanduhr, die abläuft, denn laut XR läuft auch die Zeit der Menschen ab, noch etwas gegen den Klimawandel tun zu können. Behnke ist seit vielen Jahren bereits im Umweltschutz tätig – „ich habe gemerkt, dass von der Politik aus nix passiert“, sagt er, deshalb habe er sich XR angeschlossen. Die Forderungen an die Regierung lauten:

  • „Sagt die Wahrheit“: Die Regierung soll den Klimanotstand ausrufen.
  • „Handelt jetzt“: Die Regierung soll die Treibhausgas-Emissionen bis 2025 auf Netto-Null senken.
  • „Politik neu leben“: Die Regierung soll eine Bürgerversammlung einberufen.

Behnke ist dafür, sich im Kleinen zu engagieren, aber nur der „große Hebel“ könne zu Klimaneutralität führen. „Wir wollen zivilen Ungehorsam ausüben, um auf das Thema aufmerksam zu machen“, sagt der 49-Jährige. XR als radikal zu bezeichnen, kann er unterstützen, allerdings stimmten die Vorwürfe der Gewaltausübung nicht: „Wir sind gewaltfrei, auch in Schrift und Sprache“, so Behnke. Wenn Aktivisten von Polizisten weggetragen werden, beispielsweise bei Straßenblockaden, wehrten sie sich nicht. Zudem würden Autofahrer nicht als Feinde angesehen. Behnke sitzt für die Grüne Linke Liste im Kaufunger Parlament. Er stoße bei Kollegen und Freunden für sein Engagement bei XR teilweise auf Zustimmung, teilweise aber auch auf Unverständnis, sagt er.

Die Ortsgruppe Kassel sei für alle offen, die sich an die Grundsätze halten – dazu gehört auch die Nichtakzeptanz von Antisemitismus. Die jüngsten Äußerungen von XR-Mitbegründer Roger Hallam, in denen er den Holocaust relativierte, sieht Behnke als Missverständnis durch die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand von XR den Holocaust leugnen würde.“

Derzeit hat die Ortsgruppe Kassel fast 70 aktive Mitglieder unterschiedlichen Alters. „Einem jungen, 18-jährigen Mitglied war die Gruppe zu alt, er hat sich Fridays for Future angeschlossen“, sagt Behnke. Die Fridays-for-Future-Bewegung und XR konkurrieren seiner Meinung nach nicht, sondern existieren nebeneinander.

Dem Kaufunger ist es wichtig, die Menschen zum Nachdenken anzuregen, sie aufzurütteln und manche vielleicht auch dazu zu bewegen, sich XR anzuschließen. Gerade Kritiker seien bei seinem Vortrag willkommen: „Hardcore-Klimaleugner werde ich nie überzeugen können, aber vielleicht die Zweifler.“ Eine weitere Idee sei es, Vereine in Kassel und Umgebung anzusprechen, ebenso bestehe Kontakt mit der Volkshochschule.

Termin: Der Vortrag von Boris Behnke und Felix Koch am Samstag, 23. November, ab 19 Uhr findet in der Kommune Niederkaufungen, Kirchweg 3, statt. Nach dem rund einstündigen Vortrag folgt eine Diskussion. Mail: kassel@extinctionrebellion.de

Auch in Witzenhausen gründet sich eine Gruppe der Umweltaktivisten. Sie wollen auch der der Rebellion seien. 

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