Eigene Analyse als Grundlage

Kaufunger kritisieren Hessen Mobil: „A 44-Taltrasse ist Fehlentscheidung“

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Am Tunnel Hirschhagen wird die Autobahn 44 bereits gebaut, zwischen Helsa und Kassel läuft noch die Planung. Unser Luftbild zeigt die Tunnel-Baustelle bei Helsa-Eschenstruth im Juni 2018.

Laut Klaus Höfgen und Dr. Axel Does von der Kaufunger Wähler Gemeinschaft (KWG) ist Hessen Mobils Plan, die A 44 durch das Lossetal zu führen (Taltrasse), ein Fehler.

Die Analyse

Höfgen und Does stützen sich nicht auf aus der Luft gegriffene Daten, sondern auf Zahlen, die Hessen Mobil in einem Verkehrsgutachten für den letzten der zwölf Bau- und Planungsabschnitte veröffentlicht hat. Der Ingenieur Höfgen, der beruflich Machbarkeitsstudien erstellt, sagt: „Anhand der Zahlen von Hessen Mobil habe ich eine sogenannte Nutzwertanalyse gemacht.“ Einfach gesagt, lassen sich so verschiedene Trassen-Varianten für die Strecke zwischen Helsa und Kassel miteinander vergleichen, jedoch nicht nur mit Blick auf ein einzelnes Kriterium, sondern auf mehrere.

Die Kriterien sind zum Beispiel Lärmschutz, Einfluss auf Gewerbe, Belastung von Straßen und Luft, sowie Investitionskosten. Jedes Kriterium wird mit einem Punktesystem bewertet, sodass schließlich geprüft werden kann, inwieweit die Trassenvarianten die jeweiligen Kriterien erfüllen.

Das Ergebnis

Die Taltrasse – die von Hessen Mobil bevorzugt wird – schneide mit rund 22 Prozent der erfüllten Kriterien am schlechtesten ab. Hier sei auch die Umleitung über die Autobahn 7 bis hin zum Kreuz Kassel einberechnet worden, wo sich der Anschluss zur A 44 befindet. Die Lossetal-Variante ist rund 23 Kilometer lang.

Die H-Trasse (rund 22 Kilometer), die die Bürgerinitiative Pro A 44 favorisiert, erreiche rund 75 Prozent. Gewinner der Analyse sei die rund 15 Kilometer lange D-Trasse: Sie erfülle 96 Prozent der Kriterien.

„Wir haben auch herausgefunden, dass die D-Trasse auf lange Sicht die günstigste ist“, sagt Höfgen. Sie sei zwar im Bau am teuersten, weil sie einen Teil des Stiftswaldes untertunnelt, rechne sich aber nach vier Jahren wieder. Nach 50 Jahren werde der Unterschied besonders deutlich: „Dann hat die D-Trasse rund 7,1 Milliarden Euro Kosten verursacht, die Taltrasse liegt hingegen bei 13,2 Milliarden“, so der Ingenieur. Um all das zu errechnen, habe Höfgen Fahrzeugzahlen aus dem Verkehrsgutachten von Hessen Mobil genutzt und die Baukosten sowie Folgekosten für Personal, Fahrzeuge und Kraftstoff einbezogen.

„Ein weiterer Vorteil der D-Trasse ist, dass sie direkt am Kreuz Kassel ansetzt und nicht, wie die Taltrasse bei Kassel-Ost“, sagen die KWG-Männer. Dadurch vermeide man die ständig verstopfte A 7 als Verbindungsstück zwischen Ost und West.

Das Fazit

„Obwohl schon lange bekannt ist, dass die A 44-Taltrasse eine offensichtliche Fehlentscheidung ist, wird sie von Hessen Mobil nicht korrigiert“, sagt Höfgen. „Die Behörde kommt ihrer Verantwortung nicht nach“, ergänzt Does und gibt ein Beispiel: „Ich bin Arzt. Wenn ich merke, dass eine Therapie nicht anschlägt, ändere ich sie doch.“

Bei Hessen Mobil säßen die Profis in Sachen Verkehrsplanung. Trotzdem handele hier keiner und weise die Entscheider in der Politik auf die Fehlplanung hin. Schon vor Jahren hatte die KWG sich an hochrangige Politiker gewandt. Bis hin zur Bundeskanzlerin, jedoch ohne Erfolg. Höfgen moniert: „Wir haben da keine zufriedenstellenden Antworten erhalten.“

Dabei seien die Menschen vor Ort diejenigen, die später an solchen Fehlentscheidungen zu knabbern hätten. „Unsere Kinder und Kindeskinder zahlen letztendlich.“

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