Zwischen Kopfschütteln und Interesse

Kaufunger Landwirte experimentieren mit Ökolandbau und ziehen erstes Fazit

Auf ihrem Versuchsfeld: Max Fahrendorf (links) und Christine Rüther, beide Mitglieder der Kommune Niederkaufungen, mit Schlepper und Tiefenlockerer.
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Auf ihrem Versuchsfeld: Max Fahrendorf (links) und Christine Rüther, beide Mitglieder der Kommune Niederkaufungen, mit Schlepper und Tiefenlockerer.

Wer über die Felder im Norden Kaufungens schaut, sieht viel nackte Erde. Da sticht ein grüner Fleck besonders heraus: Pflanzen wie Lupine, Erbse, Klee und Phacelia lassen ein Feld, das von der Kommune Niederkaufungen bewirtschaftet wird, in satter Farbe erstrahlen. Die Gewächse sind Teil eines Experiments, das nun seit rund einem Jahr läuft.

Kaufungen –  Die Agrarwissenschaftler Max Fahrendorf und Christine Rüther probieren auf drei Hektar Land aus, wie sich der Boden verändert, wenn sie mit möglichst schonenden Methoden arbeiten – jetzt ziehen sie ein erstes Fazit.

Wie die Ökolandbauer versuchen, auf fünf Abschnitten zum Beispiel Ackerbohnen oder Gerste zu züchten, unterscheidet sich von manchen bislang angewandten Methoden. Zunächst wollen sie möglichst zu jedem Zeitpunkt im Jahr Pflanzen im Boden haben – wie die eingangs genannten, die als Zwischenfrucht für den Winter dienen. So erhielten Pilze und Mikroben im Boden Fotosyntheseprodukte. Im Gegenzug speichere dieses Bodenleben Wasser, das auch in Dürrezeiten für die Pflanzen zur Verfügung steht.

„Unser Ziel ist es, das Bodenleben so wenig wie möglich zu stören“, sagt Fahrendorf. Statt eines Pflugs nutzen er und Christine Rüther beispielsweise nach der Ernte einen Geohobel, ein Gerät, das Pflanzen abschneidet und die Erde auf einer Tiefe von fünf bis acht Zentimetern wendet. „Ein Pflug hingegen geht oft 30 Zentimeter tief“, sagt Rüther. Mit dem Geohobel würden die Pflanzen nicht nur abgeschnitten, sondern als Dünger in den Boden eingearbeitet. Gleichzeitig könne das Gerät eine neue Frucht aussäen.

Einen Tiefenlockerer setzen sie ebenfalls ein, vor allem wenn schweres Gerät wie Schlepper und Mähdrescher zuvor den Boden verdichtet haben. Im Dezember wollen sie vier Streifen mit Sträuchern und kleinen Bäumen auf ihrem Feld anlegen.

Fahrendorf und Rüther sind zufrieden mit ihrem ersten Jahr. Futtergerste, Kartoffeln, Gemüse, Kleegras und Roggen haben sie angepflanzt. Wie gut der Ertrag war, könnten sie nicht sagen, da ihnen ein Vergleich fehle. Klar ist: „Wir sind vom Geohobel begeistert“, sagen die beiden. Denn wenn bereits abgeerntete Pflanzen mit einem Schritt in die Erde eingearbeitet und eine neue Frucht direkt gesät wird, spare das Zeit und Sprit. „Bei größeren Steinen im Feld kommt das Gerät allerdings an seine Grenzen“, sagt Fahrendorf.

Vor große Herausforderungen habe sie – wie vermutlich fast alle Landwirte – die Feuchtigkeit in diesem Jahr gestellt. Vor allem die Gerste sei sehr feucht gewesen, was wohl noch durch die Untersaat verstärkt worden sei. „Da müssen wir noch Feintuning betreiben, damit die Untersaat nicht zu dominant wird“, sagt Rüther. „Von manchen Landwirten werden wir mit unserem Projekt als Spinner belächelt, andere fragen interessiert“, sagt Fahrendorf. Schlussendlich sei es ein Versuch, dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen.

Studie zu Ackerbau

Um ihre Erfahrungen auch wissenschaftlich zu untermauern, nehmen Christine Rüther und Max Fahrendorf am Projekt „Anpassung an den Klimawandel in Hessen – Erhöhung der Wasserretention des Bodens durch regenerative Ackerbaustrategien (AKHWA)“ teil. Der eher umständliche Name bedeutet in ihrem Fall: Einen schmalen Ackerstreifen bestellen sie mit Pflug und Grubber, einen mit Geohobel und Tiefenlockerer. Dann prüfen sie, welcher Boden wie viel Wasser aufnimmt.

„Das Ganze wird nachher ausgewertet“, sagt Fahrendorf. Projektträger ist das Hessische Umweltministerium. Mit dabei sind die Universitäten Kassel, Gießen und Geisenheim sowie das Landwirtschaftszentrum Eichhof in Bad Hersfeld. Mit dem Projekt soll laut Ministerium der Stoffhaushalt im Boden stabilisiert und die Gefahr von Bodenerosion bei Starkregenereignissen reduziert werden.

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