Wählergemeinschaft befürchtet Verunreinigungen

Kaufunger sorgen sich um Wasserqualität der Losse durch A44-Tunnelbau

Die Kaufunger Wählergemeinschaft lässt gerade prüfen, ob durch den Bau des A 44-Tunnels Hirschhagen das Wasser der Losse verunreinigt wird. Regierungspräsidium und Hessen Mobil dementieren das.
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Die Kaufunger Wählergemeinschaft lässt gerade prüfen, ob durch den Bau des A 44-Tunnels Hirschhagen das Wasser der Losse verunreinigt wird. Regierungspräsidium und Hessen Mobil dementieren das.

Wird das Lossewasser durch den Bau des Tunnels Hirschhagen verunreinigt? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Mitglieder der Kaufunger Wählergemeinschaft (KWG).

Kaufungen - Sie befürchten, dass durch die Großbaustelle Giftstoffe vom ehemaligen Munitionswerk über dem Tunnel in Bewegung geraten und in die Losse gelangen. „Unsere Befürchtung wurde durch einen Geologen bekräftigt“, sagt Fraktionschef Klaus Höfgen.

Bisher sei es aber wirklich nur eine Befürchtung. Um genaue Informationen zu bekommen, hatten sich die Lokalpolitiker 2013 an die Kaufunger Gemeindevertretung gewandt. Ihr Antrag, Proben zu entnehmen, sei aber nie entschieden worden. „Es hieß, solche Werte hätte das Regierungspräsidium“, sagt Klaus Höfgen. Seine Fraktion habe sich daraufhin an das RP gewandt, aber auch nach mehreren Anfragen keine Infos erhalten. „Wir haben ein Labor eingeschaltet.“

Vor dem Beginn des Tunnelbaus wurden zwei Proben aus der Losse entnommen – eine oberhalb des Tunnels in Hessisch Lichtenau und eine unterhalb im Bereich Waldhof. Damit wollten sie prüfen, ob Giftstoffe im Wasser vorhanden sind – und wenn ja, in welcher Konzentration. Das Ergebnis sei ausgefallen wie erwartet: Von keinem Giftstoff gab es eine erhöhte Konzentration. „So hatten wir einen Vergleichswert.“

Nun ist der Bau schon rund sieben Jahre im Gange, die KWG hat erneut eine Probe entnehmen lassen. Die Ergebnisse lägen bislang noch nicht vor. „Dreckiges Lossewasser könnte Krankheiten hervorrufen und schadet der Umwelt“, ist sich der KWG-Fraktionschef sicher.

Aus dem Regierungspräsidium Kassel gibt es hingegen Entwarnung. Es gebe zwar im Bereich des Tunnels Hirschhagen belastetes Grundwasser. Darin enthalten sind laut RP-Sprecherin Katrin Walmanns sogenannte Vor-, Zwischen- und Abbauprodukte aus der Sprengstoffproduktion, die unter dem Begriff sprengstofftypische Verbindungen gesammelt (STV) werden. Allerdings, so betont die Sprecherin, komme durch den Tunnelbau nichts an Giftstoffen hinzu oder werde gelöst.

Walmanns sagt dazu: „Neben der laufenden Grundwassersanierung am Rüstungsaltstandort Hirschhagen, über die ein weiterer Schadstoffeintrag wirksam unterbunden wird, wird auch das Grundwasser im weiteren Umfeld des Standortes sowie die Qualität des Lossewassers im Rahmen eines Monitorings an festgelegten Messstellen regelmäßig untersucht und dementsprechend überwacht.“ Das heißt, das RP behält das Grundwasser im Blick. Im Bereich Helsa werde seit 2008 an einer Messstelle die Wasserqualität geprüft – allerdings ohne dabei „signifikante Veränderungen der Wasserqualität“ festzustellen, sagt die RP-Sprecherin.

Das sagt Hessen Mobil: Zusätzliche Reinigung des Wassers

Auch seitens der Verkehrsbehörde Hessen Mobil, die Bauträger des Tunnels Hirschhagen ist, gibt es Entwarnung beim Thema Verunreinigung des Lossewassers. Zwar sagt Sprecher Marco Lingemann, dass „im Untergrund der ehemaligen Munitionsproduktionsstätten in Hirschhagen Teile des Grundwassers aufgrund dieser Altlast mit Nitroaromaten kontaminiert“ sind.

Hessen Mobil habe gemeinsam mit der Oberen Wasserbehörde „besondere Vorkehrungen getroffen“, sagt Lingemann. „So ist beim Tunnelbau in Hirschhagen das abgeleitete Wasser zusätzlich per Aktivkohlefilter gereinigt worden.“ Dadurch ließen sich Rückstände von der Munitionsproduktion aus dem Grundwasser entfernen. Man habe schlussendlich nur gereinigtes und unbelastetes Wasser sei in die Losse geleitet. „Dabei sind die Werte des eingeleiteten Wassers unter Aufsicht der Oberen Wasserbehörde stetig kontrolliert worden.“

Munitionsfabrik Hirschhagen belastet Grundwasser

Vor und während des Zweiten Weltkriegs war in Hirschhagen eine der größten Sprengstofffabriken des Dritten Reiches angesiedelt. Wie auch auf der Homepage der Stadt Hessisch Lichtenau zu lesen ist, stellten Arbeiter, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter in der Fabrik Munition und Sprengstoff her.

Währenddessen und auch nach dem Krieg, als die Fabrik demontiert wurde, gelangten Schadstoffe in den Boden. Durch Niederschläge belasteten sie schließlich auch das Grundwasser, heißt es vonseiten des Regierungspräsidiums Kassel. Weil sie mitunter löslich sind, schafften es auch einige Stoffe auch in das Umfeld der Fabrik. Laut RP-Sprecherin Katrin Walmanns legte man deswegen in den 1970er-Jahren Trinkwassergewinnungsanlagen nahe der einstigen Fabrik still. Ab Ende der 1980er-Jahre wurde belastetes Grundwasser aufbereitet. 1995 bis 2009 fand schließlich eine Bodensanierung statt.

„Der Planung des Tunnels Hirschhagen sind umfangreiche Erkundungen zur Lokalisierung der Auswirkungen des Rüstungsaltstandortes auf den Trassenverlauf vorausgegangen“, sagt Walmanns. Man habe ein entsprechendes Konzept erarbeitet, um belastetes Grundwasser und Boden im Griff zu behalten. (Moritz Gorny)

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