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Kaufunger Stiftskirche steht schon länger als der Kölner Dom: Von einer langen Historie und aufwendigen Restaurationen

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Von: Moritz Gorny

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Geben den Ton an: Bezirkskantoren Martin Baumann und Juliane Baumann-Kremzow mit Orgelpfeifen vor der Wilhelm-Orgel in der Kaufunger Stiftskirche.
Geben den Ton an: Bezirkskantoren Martin Baumann und Juliane Baumann-Kremzow mit Orgelpfeifen vor der Wilhelm-Orgel in der Kaufunger Stiftskirche. © Gorny, Moritz

Die Kaufunger Stiftskirche blickt auf eine lange Vergangenheit zurück. Die Wände des Gotteshauses erzählen Geschichten von starken Frauen. Die Schönheit der Kirche zu erhalten, ist aber aufwendig und teuer.

Kaufungen – Hinter Köln muss sich Kaufungen nicht verstecken. Mit der Stiftskirche hat die Lossetalgemeinde ein Gotteshaus, das sich durchaus mit dem wohl bekanntesten Dom Deutschlands messen kann. Natürlich nicht in puncto Größe. Aber wenn es um das Alter geht, kommt die kleinere Stiftskirche auf fast 1000 Jahre seit Baubeginn, der Dom hingegen nur auf rund 774 Jahre.

Und auch sonst hat das Kaufunger Bauwerk Erstaunliches zu bieten: Als Erstes fällt auf, dass hier zwei große Orgeln stehen. Das ist ungewöhnlich für eine Dorfkirche „und ein Alleinstellungsmerkmal in der Region“, sagen die Bezirkskantoren Juliane Baumann-Kremzow und Martin Baumann.

Was schon für die Kirchenbesucher imposant sein dürfte, nehmen die Kantoren als großen Segen wahr. Insbesondere, weil die ältere Wilhelm-Orgel (Baujahr 1802) gerade frisch restauriert ist. Im Zuge der Kirchensanierung ist die graue Eminenz zum Schmuckstück des Gotteshauses avanciert. „Jetzt sieht sie sagenhaft aus und klingt auch so“, schwärmt Juliane Baumann-Kremzow von dem Instrument auf der Kaiserempore der Stiftskirche. „Das ist Hessens schönster Arbeitsplatz“, ergänzt ihr Ehemann Martin Baumann und blickt dabei von der Empore in den weiten Kirchenraum.

Auch weniger offensichtliche Schätze schmücken das fast 1000 Jahre alte Kaufunger Bauwerk: Malereien an Säulen und Wänden. „Wer sie gestaltet hat, wissen wir leider nicht“, sagt Dekanin Carmen Jelinek. „Damals gab es fahrende Künstler, die in Kirchen gemalt haben“, ergänzt Silke Does, die sich im Bauausschuss des Fördervereins Stiftskirche engagiert. Überliefert sei, dass die Darstellungen von Szenen und Menschen aus dem 15. Jahrhundert stammen. Die Älteste, eine Malerei der Heiligen Drei Könige auf der Nordwand des Querschiffes, wurde 1422 angefertigt.

Für die Dekanin stechen vor allem die Frauen heraus, die auf Säulen verewigt sind. Als mutig und stark beschreibt sie beispielsweise Katharina von Alexandrien. Sie hält ein Schwert in der rechten Hand, an ihrem rechten Fuß ist ein Rad zu sehen. „Durch das Rad sollte sie sterben, schließlich wurde sie geköpft“, erklärt Jelinek die Geschichte, die man sich über die wahrscheinlich fiktive Märtyrerin erzählt. Bevor sie wegen ihres christlichen Glaubens von Kaiser Maxentius hingerichtet wurde, konnte Katharina 50 Philosophen vom Christentum überzeugen.

Eine andere Frau dürfte eigentlich ebenfalls nicht in der Stiftskirche fehlen. Trotzdem hat Kaiserin Kunigunde keine eigene gemalte Abbildung – zumindest keine offensichtliche: „Es ist möglich, dass sie einst auf der ersten Säule rechts nahe des Eingangs abgebildet war, gegenüber von Kaiser Heinrich“, sagt Jelinek. Die Abbildung ist aber übertüncht worden. So lasse sich nicht abschließend klären, ob wirklich Kunigunde abgebildet war.

An diesen historischen Bildnissen wird deutlich, dass das Unterhalten eines Bauwerks wie der Stiftskirche vieles ist, nur kein Selbstläufer: Beim Ortstermin fallen Silke Does und Carmen Jelinek Risse an einer Wandmalerei auf. „Die sind ganz frisch“, sagt Does. „Vermutlich sind sie durch den trockenen Sommer entstanden“, ergänzt Jelinek.

Überhaupt nagen der Zahn der Zeit und die Witterung stetig an der Kirche. Was das bedeutet, erklären Does und Jelinek auf dem Dachboden der Kirche, einem Ort, der der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Die Konstruktion aus Eichenbalken hätte über die Jahrhunderte vielem standhalten müssen. Feuchtigkeit habe einige Balken faulen lassen. Eine Ausnahme zeigt Silke Does: „Der hier ist fast 1000 Jahre alt.“ Andere hätten während der Kirchensanierung ausgetauscht werden müssen. „Das war allerhöchste Zeit“, sagt Jelinek.

Knapp 6,1 Millionen Euro hat die grundlegende Erneuerung der Stiftskirche gekostet, der sich Menschen aus dem Förderverein, der evangelischen Kirchengemeinde, des ritterschaftlichen Stifts, das Kircheneigentümer ist und engagierte Bürger verschrieben hatten und haben.

Um die Kirche künftig weiter in Schuss zu halten, benötigen die Akteure stetig Geld. Das betrifft das Gebäude selbst, aber auch die Unterhaltung der Wandmalereien und der Orgeln. Damit Kaufungen es weiterhin mit Köln aufnehmen kann.

ev-kirche-oberkaufungen.de

Haben maßgeblich an der Sanierung mitgewirkt: Dekanin Carmen Jelinek (links) und Bauausschussmitglied Silke Does auf dem Dachboden der Stiftskirche. Manche der hier verbauten Balken sind knapp 1000 Jahre alt.
Haben maßgeblich an der Sanierung mitgewirkt: Dekanin Carmen Jelinek (links) und Bauausschussmitglied Silke Does auf dem Dachboden der Stiftskirche. Manche der hier verbauten Balken sind knapp 1000 Jahre alt. © moritz gorny
Aussicht von der Kaiserempore: Besucher schauen durch das Kirchenschiff in Richtung Chor der Stiftskirche.
Aussicht von der Kaiserempore: Besucher schauen durch das Kirchenschiff in Richtung Chor der Stiftskirche. © Gorny, Moritz
Malerei: Katharina von Alexandrien.
Malerei: Katharina von Alexandrien. © Gorny, Moritz
Außenansicht auf Turm und Kirchenschiff.
Außenansicht auf Turm und Kirchenschiff. © Gorny, Moritz

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