Büsche und Bäume sollen Boden schützen

Kommune in Kaufungen experimentiert mit Bäumen auf Acker

Harte Arbeit auf dem Acker: Antje Kok aus Ostfriesland (links) und Finn Richter aus der Nähe von Hamburg haben auf dem vorher gemulchten Acker der Kommune Ölweiden gepflanzt. Die beiden haben wie weitere an Landwirtschaft Interessierte an einem Workshop der Kommune teilgenommen.
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Harte Arbeit auf dem Acker: Antje Kok aus Ostfriesland (links) und Finn Richter aus der Nähe von Hamburg haben auf dem vorher gemulchten Acker der Kommune Ölweiden gepflanzt. Die beiden haben wie weitere an Landwirtschaft Interessierte an einem Workshop der Kommune teilgenommen.

Mitglieder der Kommune Kaufungen und Workshopteilnehmer aus ganz Deutschland haben auf einem Acker 300 Baum- und Strauchsetzlinge angepflanzt. Das soll bei Boden- und Artenschutz helfen.

Drei Hektar Ackerfläche bewirtschaftet die Kommune Niederkaufungen am Rand von Niederkaufungen. Bei Starkregen kann auf dem abfallenden Gelände wertvoller Boden weggespült werden. Bei Dürre, wie sie immer häufiger vorkommt, kann der Wind die ausgetrocknete Bodenkrume davontragen. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern.

Wenn die Gehölze angewachsen sind, sollen sie nicht nur schützende Alleen gegen Bodenerosion bilden, sondern auch einen Rückzugsort für kleine Tiere und Insekten. Der Zwischenraum zwischen den Baumreihen ist so groß, dass noch ein Mähdrescher durchkommt.

„Früher waren Bäume auf dem Acker normal, bis die Landschaft im Rahmen der Flurbereinigung ausgeräumt wurde“, sagt Max Fahrendorf, Agraringenieur in der Kommune Niederkaufungen. Zunehmend entdecke man heute im Zeichen des Klimawandels und Artensterbens die Vorzüge dieser Kombination aus Forst- und Landwirtschaft wieder, die in ihrer unterschiedlichen Ausprägung als „Forstagrar-Systeme“ bezeichnet werden. Dabei dienen die Gehölze gleichzeitig als Kohlendioxid-Speicher und zusätzliches ökonomisches Standbein des Landwirts. Aus dem Ackerbauer wird zusätzlich ein Obstplantagenbesitzer.

Fahrendorf sieht dieses Projekt, das aus Mitteln der Postcode-Lotterie gefördert wird, zunächst als Experiment an, von dessen Ergebnissen andere Landwirte und eine interessierte Öffentlichkeit profitieren können.

Die Kommune hat in ganz Europa unter anderem Setzlinge von alten Apfelsorten, Beerensträuchern, Kaki-Bäumen, Pekanuss-Bäumen, Ölweiden und besonders robusten Feigenbäumen angekauft. Es werde spannend, zu sehen, wie diese Gehölze mit den hiesigen Klimaverhältnissen zurechtkommen, sagt Fahrendorf. Daneben „haben wir hier Hasen und Rehe ohne Ende“, erklärt er. Vor diesen müssen die Setzlinge geschützt werden - ebenso vor den Wühlmäusen, die Fahrendorf unter dem Acker vermutet.

Bei dem Projekt arbeitet die Kommune mit der Firma Triebwerk zusammen, die in Fragen regenerativer landwirtschaftlicher Bewirtschaftung berät und sie auch plant. Ziel sei, in Kooperation mit Triebwerk eine Agrarforst-Ausbildung anzubieten, sagt Fahrendorf. Man plane auch Führungen auf der Versuchsfläche.

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