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Krach in Kaufunger Idylle: Anrainer der B7 fordern mehr Lärmschutz

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Von: Moritz Gorny

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Der Garten von Harry Bürger in Kaufungen nicht. Die B 7  verläuft hinter den Bäumen kurz hinter der Hollywoodschaukel.
Hohe Lärmbelastung: Man sieht sie nicht, aber zu überhören sind die Bundesstraße 7 und Theodor-Heuss-Straße im Garten von Harry Bürger in Kaufungen nicht. Sie verlaufen hinter den Bäumen kurz hinter der Hollywoodschaukel. © Moritz Gorny

Vögel zwitschern, eine Hollywoodschaukel mit Blick auf einen kleinen Teich lädt zum Verweilen ein, Bäume säumen den Garten. Eine perfekte Idylle auf dem Grundstück der Familie Bürger, wäre da nicht der Verkehrslärm der Bundesstraße 7 und der Theodor-Heuss-Straße.

Kaufungen – Diese verlaufen hinter dem Grundstück der Bürgers, lediglich ein rund zwei Meter hoher Erdwall liegt dazwischen. „An zwei Stellen an der B7 wurde kürzlich der Lärmschutz erneuert, hier ist aber nichts passiert“, kritisiert Harry Bürger und schiebt nach: „Es ist unheimlich laut.“ Er wünscht sich mehr Lärmschutz.

Denn dem 66-Jährigen zufolge lässt sich die Uhr nach dem Lärm stellen. Schon gegen 5.15 Uhr fängt es morgens an, sagt Bürger, zwischen 9 und 10 Uhr flacht der Verkehr ab. Kurz nach 15 Uhr gehe es dann wieder los. „Freunde, die uns besucht haben, laden uns jetzt zu sich ein, weil es bei ihnen ruhiger ist.“ Er könne seine Hörgeräte herausnehmen und höre dann den Verkehr als monotones Meeresrauschen, sagt der Kaufunger mit einem Schmunzeln. Für seine Frau hingegen sei der Lärm eine stärkere Belastung.

Auch seine Nachbarin Katja Faber leidet unter dem Lärm. Sie wohnt direkt neben den Bürgers. Im Herbst und Winter, wenn die Bäume kein Laub mehr tragen, kann Faber eigenen Angaben nach direkt in die vorbeifahrenden Lastwagen schauen. „Ich mache extra viel Sport, damit ich nachts einigermaßen schlafen kann“, sagt die 44-Jährige, „denn ich habe einen leichten Schlaf.“

Sorgen bereitet Katja Faber und Harry Bürger der Krach in der Zukunft. Ist der A 44-Abschnitt zwischen Hessisch Lichtenau und Helsa fertiggestellt, wird von dort der Autobahnverkehr auf die B7 geleitet – so lange, bis der letzte A 44-Teil zwischen Helsa und Kassel nicht mehr im Bau ist. Das könne Jahre dauern. Bis dahin seien dann viel mehr Fahrzeuge auf den Strecken an ihren Häusern, sind sich Bürger und Faber sicher. Insbesondere vor diesem Hintergrund wünschen sich die Anwohner einen besseren Lärmschutz entlang der B7 und der Theodor-Heuss-Straße.

Zuständig für die Bundesstraße ist Hessen Mobil. Der Sprecher der Verkehrsmanagement-Stelle, Marco Lingemann, hat Verständnis für das Anliegen der Kaufunger Anwohner. Er betont allerdings, dass die B7 bereits gebaut war, als das betreffenden Baugebiet hinzukam. So wäre es Aufgabe der Gemeinde Kaufungen gewesen, für mehr Lärmschutz zu sorgen, als die Bauplätze 1980 ausgewiesen wurden.

Es bestehe dennoch eine Möglichkeit, die Belastung in den angrenzenden Wohnhäusern zu verringern. „An bestehenden Bundes- und Landesstraßen, wo gewisse Schallwerte überschritten werden, können Hauseigentümer bei Hessen Mobil eine Förderung von baulichen Maßnahmen am Gebäude beantragen“, sagt Lingemann. 75 Prozent der Kosten beispielsweise von Schallschutzfenstern und -türen können gefördert werden.

Von der Gemeinde Kaufungen heißt es, man habe bei dem Neubaugebiet damals die geltenden Bestimmungen eingehalten: Die Entscheidung über die Grenzen des Baugebietes im Bereich der Allendorfer Straße zur Bundesstraße 7 wurden zum damaligen Zeitpunkt entsprechend der geltenden Bestimmungen getroffen. Ausgeggangen sei man von den baurechtlichen Grundlagen, die beim Bau der B7 maßgebend waren, heißt es aus dem Rathaus. (Moritz Gorny)

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