Letzte Ruhe im Wandel

Trend zu Urnengrab: Kaufungen will in Friedhöfe investieren

Friedhof Oberkaufungen im Herbst
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Als zu offen und unstrukturiert wurde der Friedhof Oberkaufungen von einem Gutachter eingestuft. Das möchte die Gemeinde in den kommenden Jahren ändern.

Pflege, Preis, Lage: Das alles sind Aspekte, auf die Menschen bei Bestattungen achten – und die dazu führen, dass Urnenbestattungen in Friedparks und -wäldern sowie auf Friedhöfen immer beliebter werden.

Kreis Kassel – Traditionelle Erdbestattungen verlieren ihre Vorreiterrolle. Welche Auswirkungen das hat, bekommt unter anderem die Gemeinde Kaufungen zu spüren, die jetzt ihr Friedhofskonzept ändert.

Kaufungen

Weil sich die Bestattungskultur auch in der Lossetal-Gemeinde in den vergangenen Jahren grundlegend geändert hat, lenkt Kaufungen ein. Die beiden Friedhöfe in Ober- und Niederkaufungen sollen umgestaltet werden. Mehr Platz für Urnenbestattungen, mehr Grün und mehr Privatsphäre durch Einfriedungen und Bäume, aber auch durchdachtere Lagermöglichkeiten für Gerätschaften und Material: So will Kaufungen die Friedhöfe an die aktuellen Anforderungen anpassen, heißt es aus dem Rathaus.

Denn laut einem Gutachter hapert es an einigen Stellen: Die Friedhöfe seien von vielen Seiten einsehbar und die Flächen nicht richtig genutzt. Gleichzeitig hätten sich provisorische Lager für die Arbeiten an den Orten der letzten Ruhe gebildet. Bereits 2002 hatte die Gemeinde ein Planungskonzept angestoßen, um auszuloten, wie sich die Bestattungen auf dem Friedhof Niederkaufungen entwickeln würden. Allerdings sei der Trend zu Urnenbestattungen auf beiden Friedhöfen letztlich schneller vorangeschritten als erwartet – nicht zuletzt auch durch den Friedwald im Stiftswald.

Das neue Konzept soll Abhilfe schaffen. Rund 899 000 Euro sind dafür für die kommenden beiden Haushalte veranschlagt. Der Kaufunger Bauausschuss soll Gespräche mit Kirchengemeinden, Bestattern und Steinmetzen führen, um das Vorhaben zu konkretisieren.

Vellmar

So eine Umgestaltung liegt in Vellmar schon etwas zurück. Dort gibt es Friedparks. Diese besonderen Bestattungsplätze sind laut Stadtsprecherin Astrid Kneuer sehr gefragt. Mittlerweile werden die Plätze auf allen vier Friedhöfen angeboten: in den Stadtteilen Niedervellmar, Obervellmar, Frommershausen und Vellmar-West. Das Konzept dafür sei schon im Jahr 2004 erstellt worden, sagt Kneuer.

Der Trend zu Urnen- und naturnahen Bestattungen sei stetig gestiegen. Die Nachfrage sei mittlerweile so hoch, dass ein Friedparkplatz zu Lebzeiten nicht mehr vergeben werde. Seitdem wurden die Anlagen fortlaufend erweitert und neu angelegt oder umgestaltet. Durchgesetzt habe sich eine Mischung aus Baum- und Stelengräbern. „Baumgrabstellen sind beliebter als an der Stele“, sagt Kneuer. Die Urnen werden dabei entweder um einen Baum oder eine Steinstele kreisförmig angeordnet. Es gibt keinen Grabstein, sondern auf Wunsch lediglich eine 25 mal 25 Zentimeter große Grabplatte. Die wird bodengleich eingesetzt und darf frei gestaltet werden, erklärt Kneuer. Grabschmuck ist nur innerhalb einer Schale auf den Platten erlaubt.

Diese Gestaltung spiegelt auch eine weitere Entwicklung wider: den Trend zu pflegeleichten Grabstätten. „Die Menschen möchten eine einfache Bestattung mit einfacher Pflege“, sagt Kneuer. Es wohnten nicht mehr alle Angehörige im Ort, da müsse das Grab pflegeleicht sein.

Schauenburg

Als letzte Ruhestätte sind auch in Schauenburg vor allem Urnen in pflegeleichten Reihengräbern beliebt. Dabei wird ein Liegestein ebenerdig im Rasen eingelassen.

Der Wunsch nach einer Urnenbestattung ist auch in Schauenburg groß. Das wird an den Bestattungszahlen des vergangenen Jahres deutlich: Nur ein Zehntel der gut 100 Bestattungen fanden laut Gemeinde Schauenburg in traditioneller Form statt. Um dem Trend gerecht zu werden, schaffe die Gemeinde auf ihren sechs Friedhöfen in fünf Ortsteilen weiteren Platz für Urnengräber. (Valerie Schaub und Moritz Gorny)

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