Nach fast zwei Jahren Planung

Millimeterarbeit mit Betonteilen: Haferbachbrücke in Niederkaufungen wird saniert

Ein Kran hat ein Betonteil am Haken, dass auf eine Brückenkonstruktion gehoben wurde.
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Geschafft: Kranführer Philipp Schlund von der Firma Regel hat eben das Letzte von insgesamt vier 20 Tonnen schweren Betonteilen auf die Haferbachbrücke bewegt. Mitarbeiter der Firma Adolf Lupp haben es entsprechend gedreht.

Nach fast zwei Jahren Planungszeit tut sich nun etwas Sichtbares an der Haferbachbrücke in Niederkaufungen.

Kaufungen – Das Bauwerk, über das die Lossetalstrecke für die Tram-Linie 4 verläuft, war im August 2019 durch einen Lastwagenaufprall stark beschädigt worden. Nun nutzt die Regionalbahn Kassel (RBK), ein Zusammenschluss aus KVG und HLB, die Gunst der Herbstferien, um die Brücke vollständig zu erneuern. Schwere Beton- und Stahlteile müssen dafür bewegt werden.

Keine leichte Aufgabe, vor allem für Kranführer Philipp Schlund. „Es ist herausfordernd, weil ich die Betonteile unterhalb der Hochspannungsleitung teleskopieren muss“, ruft der 34-Jährige am gestrigen Donnerstagmittag aus seiner Krankabine. Er hat also nur wenig Platz, um das 20 Tonnen schwere und rund 6 Meter lange Bauteil millimetergenau an seinen Bestimmungsort zu bugsieren. Dabei muss er auch aufpassen, dass er die vier Arbeiter der Firma Adolf Lupp nicht verletzt, die das Ungetüm mit Muskelkraft so drehen, dass es richtig passt.

Dennoch geht alles ganz schnell. Rund 15 Minuten vergehen vom Einhaken des Blocks, bis er schließlich in der gewünschten Position ist. Vier Teile sind nun eingebaut, jetzt folgt ein Stahlüberbau, auf den später Schwellen und Schienen gelegt werden. „Am Freitag, 22. Oktober, wollen wir unseren Teil an der Brücke geschafft haben“, sagt Jens Schmidt, Projektleiter der Firma Lupp, die sich um den Einbau der gewichtigen Konstruktion kümmert.

Aus sicherer Entfernung überblickt ein KVG-Ingenieur das Treiben an der Haferbachbrücke. Achim Gerber ist mit dafür verantwortlich, was in den Herbstferien auf und an der gesperrten Lossetalstrecke passiert. „Wir nutzen die zwei Wochen auch für weitere Arbeiten“, sagt Gerber und zählt auf: 1500 Meter Schienen werden ausgewechselt, 800 Meter Schienen mitsamt Schwellen werden erneuert, Bäume und Sträucher entlang der Strecke werden zurückgeschnitten.

„Außerdem stopfen wir an der Wendeschleife Papierfabrik den Schotter nach“, sagt der Ingenieur. Hier war im vergangenen Jahr ein Gleisabschnitt komplett erneuert worden. Weil sich der Schotter durch die Belastung natürlicherweise setze, wird in diesen Tagen noch einmal nachgearbeitet.

Rund 1,2 Millionen Euro kosten die Arbeiten laut Gerber. 80 Prozent zahle das Land über Hessen Mobil. Wie teuer die Brückensanierung wird, sei noch nicht abschließend geklärt. „Das hängt von vielen Faktoren ab, auch von der Versicherungszahlung.“

Ab Montag, 25. Oktober, soll die Lossetalstrecke jedenfalls wieder freigegeben werden, sodass die Tram 4 pünktlich zum Schulstart fahren kann. Der Verkehr über die Straße Am Haferbach unter der Brücke hindurch muss allerdings noch ruhen. Da weiter an dem Bauwerk gearbeitet wird, ist die Durchfahrt bis Freitag, 19. November, nicht möglich. Die Umleitung führt über die Strecke Leipziger, Straße, Am Setzebach und Am Rosengarten.

Von Moritz Gorny

Kurz vor dem Ziel wird es noch mal spannend: Das Betonteil wird in die richtige Position gebracht.

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