Reportage: Ein Tag in der Kommandozentrale

Er kriegt alle Raser: Dieser Mann blitzt Autofahrer in Kaufungen

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In der Blitzer-Kommandozentrale: Kai Dieck, Or dnungspolizeimitarbeiter der Gemeinde Kaufungen, hat die Autofahrer genau im Blick.

Kai Dieck von der Ordnungspolizei blitzt regelmäßig in Kaufungen. Mit Verkehrsrowdys hat es der 51-Jährige jedoch selten zu tun. Wir haben ihn einen Tag in seinem Blitzer-VW-Bus begleitet.

Im Autoradio läuft gerade ein Beitrag über den Gerichtsprozess zweier Raser: Mit 500 PS unter der Motorhaube und bis zu 220 km/h rasten sie im Juni 2018 rücksichtslos durch Lampertheim und später auf der Autobahn 659 – in 100er-Zone, teils über den Standstreifen.

Mit solchen Verkehrsrowdys hatte es Kai Dieck, Ordnungspolizeimitarbeiter der Gemeinde Kaufungen, zum Glück bisher kaum zu tun. „Es ist bei uns recht selten, dass die Fahrer mehr als 20 km/h zu schnell sind“, sagt der 51-Jährige, während er im Blitzer-VW-Bus der Gemeinde Kaufungen einen kleinen Bildschirm im Auge behält. Der wiederum ist an ein Lasermessgerät angeschlossen, das in Echtzeit ein Bild der Leipziger Straße anzeigt und die Geschwindigkeit jedes vorbeifahrenden Autos prüft. Halten sich die Fahrer an die 30 Stundenkilometer an der Grundschule Niederkaufungen?

Um 8 Uhr – Dieck ist seit 45 Minuten hier – waren elf Fahrer mit mindestens 39 Stundenkilometern unterwegs und wurden geblitzt – drei Stundenkilometer Toleranz, sechs Stundenkilometer zu schnell, 15 Euro Verwarngeld. „Alles noch im Rahmen, relativ ruhig, der schnellste hatte 44 drauf“, sagt Dieck.

Doch auch Rowdys sind dem 51-Jährigen schon untergekommen: zum Beispiel ein Motorradfahrer, der mit 217 Stundenkilometern auf der Bundesstraße 7 unterwegs war. „Wir haben ihn geblitzt, allerdings nur von vorn.“ Nicht ausreichend, um ihn dingfest zu machen, schließlich fehlte das Kennzeichen. „Allerdings hatte der Motorradfahrer zufällig einen Polizisten in zivil überholt und der konnte beim Überführen helfen.“ Weil sich der Verkehrssünder vor Gericht nicht einsichtig zeigte und versuchte, die Richterin zu belügen, wurde die eigentlich angesetzte Strafe verdoppelt. Das Ergebnis: sechs Monate Fahrverbot und 1500 Euro Bußgeld. „Es kommt auch immer wieder vor, dass gerade geblitzte Autofahrer zurückfahren und noch mal mit mir reden wollen“, erzählt Dieck schmunzelnd. Manche sind im Firmenwagen unterwegs und bitten darum, dass das besondere Foto an die Privatadresse geschickt wird und nicht an den Arbeitgeber, auf den das Auto angemeldet ist. Dieck schmunzelt und sagt: „Oder sie wollen, dass der Beifahrer unbedingt geschwärzt wird.“

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Blitzen im kreis Kassel: Beschwerden von Bürgern nachgehen

Der eine oder andere Autofahrer sei auch schon mal lauter geworden, „aber die Menschen lassen sich eigentlich immer beruhigen, wenn man normal mit ihnen redet.“ Dieck betont: „Die meisten freuen sich darüber, dass wir immer wieder an Schulen und Kindergärten in den fünf Gemeinden stehen und blitzen.“ Teilweise gingen sie damit Beschwerden von Bürgern nach, die sich fühlten, als wohnten sie an einer Rennstrecke.

Und der Vorwurf der Geldmacherei? „Natürlich spült das Blitzen auch etwas in die Gemeindekasse, aber uns geht’s in erster Linie um die Verkehrssicherheit“, erläutert Harald Stückrad, Leiter des Ordnungsbehördenbezirks für die fünf Gemeinden. Der ebenfalls 51-Jährige sitzt mit im Auto und erläutert, warum er und Kollege Dieck mit ihrem Wagen für Autofahrer ziemlich gut sichtbar an der Leipziger Straße stehen. „Wir verstecken uns nicht. Wir wollen zeigen, dass wir da sind, damit die Menschen ein bisschen mehr aufpassen.“ Das zeige Wirkung. „Vor allem an der B 7 sind die Unfälle insgesamt deutlich zurückgegangen.“ Schwere Unglücke seien dort mittlerweile eine Seltenheit. Das bestätigt auch Kai Dieck, der bereits seit 2004 Raser genau im Auge behält und für die Gemeinden blitzt.

Obwohl der VW-Bus doch recht auffällig an der Leipziger Straße geparkt ist, wird er von einem BMW-Fahrer aus Kassel übersehen. Das Messgerät piept und klickt. 53 Stundenkilometer, „knappe Sache, ein Stundenkilometer unter dem Bußgeld ab 21 Stundenkilometer“, sagt Dieck. Es soll der Schnellste an diesem Morgen sein, an dem Dieck 44 Fahrer ins Netz gehen. Nicht allzu viel und keiner deutlich zu schnell. Kein Raser wie in Lampertheim. „Gut für die Verkehrssicherheit“, sagt Dieck.

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