Baufirma: Leiser geht es nicht

Sanierung an Kaufunger Lossebrücke belastet Anwohner

Die Lossebrücke in Oberkaufungen wird derzeit saniert: Dabei kommt ein Höchstdruckwasserstrahl-Gerät zum Einsatz, das extremen Lärm macht. Unser Foto zeigt die Lossebrücke und in der Mitte den Arbeiter, der das Gerät bedient.
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Die Lossebrücke in Oberkaufungen wird derzeit saniert: Dabei kommt ein Höchstdruckwasserstrahl-Gerät zum Einsatz, das extremen Lärm macht. Unser Foto zeigt die Lossebrücke und in der Mitte den Arbeiter, der das Gerät bedient.

Weithin ist auf der Leipziger Straße ein Dröhnen zu hören, weißer Rauch steigt auf: Die Lossebrücke in Oberkaufungen wird saniert. Für Anwohner ist das der Lärm eine große Belastung.

Kaufungen - Ein Höchstdruckwasserstrahl-Gerät ist dabei im Einsatz und presst Wasser mit 2500 Bar Druck gegen den Beton. Der Baustoff wird dabei schonend abgetragen, heißt es von der zuständigen Baufirma Antoch und vom Landkreis Kassel.

„Der Lärm an der Brücke ist unerträglich“, sagt Walter Scharenberg. Er bewohnt ein Haus in unmittelbarer Nähe. Vor seinem Hauseingang habe er per Handy-App die Lautstärke gemessen: 110 Dezibel. Das ist in etwa so laut wie ein Presslufthammer. „Man kann ohne Gehörschutz nicht vor die Tür gehen“, beklagt der Oberkaufunger. Es müsse ein anderes, leiseres Verfahren geben.

Am gegenüberliegenden Losse-Ufer ist die Agentur Kreatyv angesiedelt. Wer derzeit hier anruft, hört ein stetiges Rauschen. Die Agenturmitarbeiter können aus ihren Fenstern direkt auf die Baustelle blicken. „Es ist gut, dass wir gerade nicht ganz so viel telefonieren müssen“, sagt Britta Sell. Dafür sei es schlichtweg zu laut. Mitunter müssten Telefonate von einem anderen Ort aus geführt werden. „Andererseits wollen wir natürlich nicht, dass irgendwann die Brücke einstürzt“, sagt sie. Die Arbeiten seien also wahrscheinlich ein notwendiges Übel. „Da müssen wir wohl durch.“

Andreas Scherb wohnt mit seiner Familie in einem Fachwerkhaus, ebenfalls direkt an der Baustelle. „Es ist extrem laut“, sagt der 33-Jährige. Wohl auch durch seinen Beruf empfinde der Gartenbauer den Lärm aber nicht als so störend. Er sei sogar froh, dass statt eines Presslufthammers ein Spezialverfahren zum Einsatz kommt. „So ist es zwar laut, aber es gibt es keine Vibrationen.“ Das sei besser für das Fachwerk. Kadir Zuric bittet die Anwohner um Nachsicht: „Wir wissen, dass es laut ist, aber es gibt kein besseres und leiseres Verfahren“, sagt der Bauleiter der Firma Antoch, die für das Abtragen des Betons zuständig ist.

Sie rücke gezielt dem Beton zu Leibe, während die Stahlkonstruktion darunter nicht in Mitleidenschaft gezogen werde. „Das ist beispielsweise bei einem Presslufthammer anders.“ Der ließe sich nicht so präzise einsetzen und erzeuge Vibrationen, die die Brücke schädigen. Obendrein würden Grenzwerte von 80 Dezibel nicht überschritten.

Wie lange die Arbeiten noch dauern, könne der Bauleiter nicht sagen. „Wir wollten nach drei Wochen fertig sein.“ Jedoch verzögere sich das Projekt, weil doch mehr Beton abgetragen werden müsse, als angenommen.

Dass es laut ist, bestätigt auch Harald Kühlborn. „Den Anwohnern wird viel zugemutet“, sagt der Landkreissprecher, der in diesem Fall auch für Hessen Mobil spricht. Allerdings würden alle Richtlinien eingehalten, auch das Einhausen und das Abdecken der Brücke.

Die Alternative laut Kühlborn wäre, die Brücke abzureißen und neu zu bauen. „Das wäre aber auch nicht leise und würde mindestens bis zum nächsten Frühjahr dauern.“ Dementsprechend sei die kurze Sanierung eindeutig besser. Anders als der Bauleiter sagt Kühlborn, das Verfahren werde noch zwei Wochen angewandt. Danach kehre wieder mehr Ruhe ein.

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