Kaufunger übt Kritik - Netcom entschuldigt sich

Seit über zwei Wochen Festnetzprobleme: „Netcom ist scheinbar völlig überlastet“

Kann sein Festnetztelefon seit über zwei Wochen nur eingeschränkt nutzen: Netcom-Kunde Ernst Plöger aus Niederkaufungen.
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Kann sein Festnetztelefon seit über zwei Wochen nur eingeschränkt nutzen: Netcom-Kunde Ernst Plöger aus Niederkaufungen.

Ernst Plöger ist frustriert – seit über zwei Wochen kann er übers Festnetz nicht mehr raustelefonieren. Auch sein Anbieter, die Netcom, kann nicht helfen - und entschuldigt sich.

Kaufungen – Die Probleme beginnen an einem Montagmorgen: Als er seinen ersten Anruf tätigen will, hört er nur eine Bandansage: „Derzeit sind keine ausgehenden Anrufe möglich.“ Gleichzeitig läuft das Internet tadellos und er kann angerufen werden. Als das Problem bestehen bleibt, ruft der Netcom-Geschäftskunde schließlich die Hotline an. „Interessant ist, dass die Netcom-Nummern als einzige funktionieren“, sagt Plöger. Er meldet die Störung, aber es tut sich nichts.

Daraufhin nimmt der 58-Jährige mehrmals täglich telefonisch Kontakt mit dem Internet- und Telefonanbieter auf, verbringt Stunden in Warteschleifen. „Mal heißt es, das Problem werde bearbeitet, mal: ,Da ist glaube ich noch keiner dran‘.“ Gelöst wird nichts. „Ich arbeite als selbstständiger Software-Entwickler und bin auf das Festnetz angewiesen“, sagt der Niederkaufunger. Fürs Handy sei seine Freisprecheinrichtung nicht ausgelegt.

Kurios findet Plöger, dass er im Januar seine letzte Netcom-Rechnung erhalten hat. Seitdem habe der Anbieter auch kein Geld mehr von seinem Konto abgebucht. „Das hängt wohl mit dem Hacker-Angriff zusammen“, vermutet Plöger. Er habe seinerzeit eine E-Mail von der Netcom erhalten mit dem Hinweis, dass es dauern könne, bis wieder Rechnungen kommen. Plöger könne verstehen, dass der Angriff bei der Netcom einiges durcheinandergewirbelt hat. „Aber nach so viel Kontakt wünsche ich mir eine Lösung. Die Netcom ist scheinbar völlig überlastet.“ Der 58-Jährige geht davon aus, dass es anderen Kunden ebenso wie ihm geht. Er hat nun eine Kündigung geschickt, um vorzeitig aus seinem Vertrag zu kommen.

„Der Fall von Herrn Plöger ist uns bekannt und wir bedauern das sehr“, sagt Netcom-Sprecher Daniel Hecker. Allerdings handele es sich dabei um eine Ausnahme, denn normalerweise bestehe eine Störung nicht so lange. „Wir haben versucht, das Problem zu lösen, aber wissen bis heute nicht, was es hervorruft“, so der Sprecher.

Hecker bestätigt, dass die Netcom weiterhin mit den Nachwirkungen des Hacker-Angriffs im Januar zu kämpfen hat. „Tatsächlich sind bei uns Kundendaten verloren gegangen.“ So seien manche Kunden nur noch mit Teilen der Datensätze im System hinterlegt.

Bei anderen, wie zuletzt auch bei Ernst Plöger, seien hingegen gar keine Daten mehr vorhanden. „Bei diesen Menschen laufen Internet und Telefon einwandfrei und wir wissen quasi nicht, dass sie unsere Kunden sind.“ Sie bekämen auch keine Rechnungen. Trete dann ein Problem auf, sei es langwieriger, in diesen Fällen Lösungen zu finden. „Wir arbeiten dran, die Datensätze wieder zu sammeln.“

Die Netcom bittet diejenigen Kunden, die ebenfalls keine Rechnungen erhalten, ihre Daten in Form ihrer letzten Rechnung noch einmal zu schicken. Privatkunden können sich per E-Mail an kundenservice@netcom-kassel.de wenden, Geschäftskunden an datenabgleich@netcom-kassel.de.

Von Moritz Gorny

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