Dürre setzt Biotop zu

Steinertsee braucht Wasserleitung - Kaufunger Naturschützer schlagen Alarm

36 000 Kubikmeter Wasser fehlen dem Steinertsee: Martin Lange, Vorsitzender des Nabu Kaufungen-Lohfelden, zeigt am einzigen Zulauf, dass der Steinertsee schon seit Monaten kein Frischwasser mehr erhalten hat.
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36 000 Kubikmeter Wasser fehlen dem Steinertsee: Martin Lange, Vorsitzender des Nabu Kaufungen-Lohfelden, zeigt am einzigen Zulauf, dass der Steinertsee schon seit Monaten kein Frischwasser mehr erhalten hat.

Die seit drei Jahren anhaltende Dürre sieht man nun auch am Steinertsee mitten im Kaufunger Steinertseepark. Naturschützer schlagen Alarm, den auch kleinere Gewässer rund um den See sind betroffen.

Kaufungen – „Der Wasserspiegel des Steinertsees ist inzwischen um rund 80 Zentimeter gefallen“, sagt Martin Lange, Vorsitzender des Naturschutzbundes Kaufungen-Lohfelden (Nabu). „Und neues Wasser kommt nicht nach. Der Bonebach als einziger Zufluss ist schon seit dem Sommer trocken gefallen.“

Betroffen seien ebenso die unmittelbar angrenzenden Kleingewässer wie der Eisvogelteich und die Amphibien-Gräben, die wie ein engmaschiges Netz die Auwaldbereiche am Ostufer des Steinertsees durchziehen. Seit Jahren schon kümmert sich der Nabu Kaufungen-Lohfelden um den Erhalt und die Pflege dieser Biotope – „sie stellen wichtige Rückzugsräume für vom Wasser abhängige Tierarten dar“, sagt Lange.

Doch sei das alles in Gefahr. „Während dem Eisvogelteich inzwischen gut die Hälfte des Wasservolumens fehlt, sind die Amphibien-Gräben schon seit Monaten so gut wie komplett trocken“, sagt Lange. Für Tiere, die im Wasser leben, bedeute das den sicheren Tod.

Der Eisvogelteich ist dem Steinertsee vorgelagert und mit ihm über ein Rohr und die sogenannten Amphibiengräben verbunden. Der Eisvogelteich hat inzwischen die Hälfte seines Wasservolumens eingebüßt.

Lange sieht in der aktuellen Situation den Anfang einer sich weiter zuspitzenden Entwicklung. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Situation am Steinertsee wegen des Klimawandels tendenziell eher weiter verschlechtern wird“, sagt Lange. Vermutlich werde das 4,5 Hektar große Gewässer nicht sofort austrocknen. Ausbleibender Wasserzufluss und Wasseraustausch verursache jedoch Effekte, die das ganze Ökosystem gefährden. Reduziere sich das Wasservolumen, heize sich der See im Sommer stark auf, was den Sauerstoffgehalt im Wasser reduziere. „Wassertiere drohen so zu ersticken.“

Gleichzeitig verändere sich durch den Wasserschwund das Verhältnis von vorhandener Wassermenge und vorhandener Biomasse im See. „Der Nähstoffgehalt des Sees wird dadurch erhöht, was zu einem Umkippen des Sees führen kann“, sagt Lange. Der Steinertsee würde sich dann in eine faulig stinkende Brühe verwandeln. Auf lange Sicht würde solch ein See dann verlanden.

Der Bonebach ist im Bereich des Steinertseeparks in eine Betonrinne eingefasst. Er allein speist den Eisvogelteich und den Steinertsee. Seit Monaten führt der Bonebach jedoch kein Wasser mehr.

Das Problem dabei: „Schnelle Abhilfe wird es nicht geben, wir können keinen Regen herbeizaubern“, sagt der Naturschützer. Als kurzfristige Soforthilfe käme eventuell ein Umpumpen von Wasser vom Steinertsee in den viel kleineren Eisvogelteich in Betracht. „Dort ist schon so wenig Wasser drin, dass wir bereits 1000 kleine Fische, sogenannte Moderlieschen, aussetzen mussten, damit der Eisvogel hier weiter Nahrung findet“, sagt der Naturschützer.

Als langfristige Lösung sieht Martin Lange nur den Bau einer Wasserleitung von der Losse hinüber zum Steinertsee: „Die rund 300 Meter messende Distanz ließe sich teilweise durch einen offenen Graben, teilweise durch eine Rohrleitung überbrücken.“ Das zugeleitete Wasser könne dann direkt in die Amphibiengräben fließen, die auch den Eisvogelteich mit dem Steinersee verbinden. Beide Seen würden also durch solch einen Zufluss profitieren.

„Natürlich muss so etwas vernünftig geplant werden“, sagt Lange. Und weil das erfahrungsgemäß Jahre dauere, sollte mit den Überlegungen schon jetzt begonnen werden. „Die Kaufunger müssen sich überlegen, was sie auf lange Sicht wollen“, sagt Lange: „Entweder einen Steinerseepark mit Steinertsee, oder einen ohne.“

Gemeinde Kaufungen will sich mit Wassermangel beschäftigen

ie Tatsache des zurückgehenden Pegelstandes im Steinertsee ist auch der Gemeinde Kaufungen bekannt. Wie Gemeindesprecherin Iris Sager mitteilt, habe Martin Lange, Vorsitzender des Nabu Kaufungen-Lohfelden, bereits vor einigen Wochen seine Bedenken und Vorschläge dem Gemeindevorstand mitgeteilt. Gemeinsam sei daraufhin vereinbart worden, sich im neuen Jahr mit dem Thema zu beschäftigen.

Grundsätzlich veranlasse die Gemeinde Kaufungen jedes Jahr eine Überprüfung der Wasserqualität des Steinertsees. „Bei der jüngsten Probeentnahme stellten die Fachleute eine sehr gute Wasserqualität fest“, sagt Sager. Mit anderen Worten: Eine Gefährdung des Sees aufgrund des zurückgehenden Wasserstandes wurde bislang nicht festgestellt.

Nicht zuletzt werde der Steinertsee durch den Angelsportverein als Pächter „regelmäßig und gut gepflegt“, sagt Sager. So sei im Jahr 2020 wieder das Seegras ausgemäht worden. Dadurch wird der Anteil an Biomasse im See reduziert und somit auch der Gefahr einer Übersättigung mit Nährstoffen im See entgegengewirkt.

Der Landkreis Kassel stuft aktuell den Wassermangel in fließenden und stehenden Gewässern grundsätzlich als ernst zu nehmendes Problem ein. Nicht zuletzt deshalb wurde schon Mitte August ein Wasserentnahmeverbot aus Seen, Flüssen und Bächen im gesamten Kreisgebiet mit Ausnahme von Fulda und Weser ausgesprochen. Das Wasserentnahmeverbot gilt bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Mit Blick auf den Steinertsee in Kaufungen müsse die Idee des Nabu Kaufungen-Lohfelden, eine Wasserleitung von der Losse zum Steinertsee zu bauen, jedoch erst einmal genauer unter die Lupe genommen werden. „Dazu wären zunächst Gespräche mit der Gemeinde Kaufungen und dem Nabu Kaufungen-Lohfelden notwendig, die bisher nicht geführt wurden“, sagt Landkreissprecher Andreas Bernhard auf Anfrage.

So könne zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht gesagt werden, inwieweit solch ein Projekt aus wasserwirtschaftlicher Sicht möglich ist – vor allem auch mit Blick auf eine mögliche Verschlechterung der Wassersituation in der Losse durch eine zusätzliche Wasserentnahme für den Steinertsee. Fakt ist, dass auch die Losse selbst in den vergangenen drei Trockenjahren starkes Niedrigwasser aufwies. (Boris Naumann)

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