Überlegungen im Gemeinderat - Polizei warnt

Trotz hoher Sicherheit: Präventionsrat Kaufungen will Bürger befragen

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Ungebetener Besuch: Allein 1327 Einbrüche gab es im Jahr 2016 im Landkreis Kassel (in Kaufungen 73 Mal). „Jede Straftat ist eine zuviel“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Doch warnt er auch vor übertriebenen Sicherheitsbedenken.

Kaufungen. Kaufungen zählt zu den sicheren Kommunen im Altkreis. Trotzdem erwägt der Präventionsrat der Gemeinde, die Bürger zu befragen, wie sie sich in ihrem Ort fühlen.

Das zumindest geht aus der Polizeistatistik hervor. „Man muss nicht Angst davor haben, in Kaufungen gleich Opfer einer Straftat zu werden“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner.

Doch erwägt der Präventionsrat der Gemeinde eine Fragebogenaktion zur Feststellung der gefühlten Bedrohung und Sicherheit im Gemeindegebiet. Ein erstes Beratungstreffen des Kaufunger Präventionsrates hat es schon gegeben. Diskutiert wurde ein ähnlich angelegtes Projekt aus dem ländlichen Eppertshausen im nördlichen Odenwald genau im Dreieck zwischen Darmstadt, Frankfurt und Aschaffenburg (5790 Einwohner). Die Motivation: Die Gemeinde Eppertshausen sollte noch sicherer und lebenswerter gestaltet werden.

Entsprechend wurde ein Ankreuz-Bogen an die Bürger verteilt mit Aussagen wie „Ich habe Angst davor, dass bei mir eingebrochen wird“, „Ich habe Angst davor, dass meine Kinder von Jugendlichen belästigt werden“ und „Ich habe Angst davor, dass meine Kinder Alkohol und andere Drogen konsumieren“.

Auch werden in dem Aussagen-Katalog Ängste vor religiösem Fanatismus und Menschen anderer Nationalität abgefragt (aktuell leben in Kaufungen nur 57 Flüchtlinge). Zusätzlich geht es darum, wo genau man sich im Ort möglicherweise unsicher fühlt. Erst ganz zum Schluss wird dem Bürger auch die Möglichkeit gegeben, den Satz „Ich fühle mich sicher und nicht bedroht in Eppertshausen“ anzukreuzen.

Torsten Werner

Nach bisherigem Beratungsstand sei dieser Fragebogen aus Eppertshausen eher ungeeignet und müsse angepasst werden, schreibt die Gemeinde Kaufungen auf HNA-Anfrage. Burkhard Wassel vom Präventionsrat ergänzt, man wisse sehr wohl um das sehr hohe Sicherheitsniveau in Kaufungen. „Unsere Gemeinde ist kein gefährliches Pflaster“, sagt Wassel. So sei eine Anpassung und Überarbeitung des Fragenkatalogs absolut notwendig. Statt den Fokus auf Gefahren durch Kriminalität zu richten könnte die Befragung auch in Richtung Lebensqualität gelenkt werden. „Grundsätzlich ist der Prozess aber noch offen“, sagt Wassel. Soll heißen: Es könne auch sein, dass es zu gar keiner Fragebogenaktion kommt.

Die Polizei begrüßt so viel Umsicht. Denn tatsächlich bestehe die Gefahr, durch derartige Abfrageaktionen „ein Gefühl der Unsicherheit erst zu schaffen, obwohl es dafür eigentlich keinen objektiven Grund gibt“, sagt Werner. In den Medien werde überall, regelmäßig und umfänglich über Straftaten und Verbrechen aller Art berichtet. Das löse bei vielen Menschen den Eindruck aus, grundsätzlich in einer unsicheren Welt zu leben – auch vor der eigenen Haustür. „Doch ist das in aller Regel nicht so“, sagt Werner. Insofern müsse stets genau hingesehen werden, wenn solche Fragebogenaktionen umgesetzt werden sollen.

Hintergrund: Nichts Auffälliges in Kaufungen

Nach Einschätzung der Polizei sind mit Blick auf die Kriminalstatistiken der vergangenen fünf Jahre „keine besonderen Auffälligkeiten für Kaufungen zu beobachten“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Im Gegenteil: Im Jahr 2016 seien eher rückläufige Fallzahlen von etwa 10 Prozent erfasst worden“, sagt Werner. So wurden 2016 in Kaufungen genau 369 Straftaten gezählt, 2012 waren es noch 481. Rechnerisch kommen damit aktuell 30 Straftaten pro Jahr auf 1000 Kaufunger. Im gesamten Landkreis Kassel ist die Quote mit 32 Straftaten auf 1000 Einwohnern vergleichbar (absolut 7445 erfasste Fälle im Jahr 2016 bei 235 800 Landkreisbewohnern). Die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Nordhessen erfasst Delikte von Sachbeschädigungen über Drogen-, Sexual-, Diebstahl- und Einbruchsdelikte bis hin zum Mord.

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