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Zu wenig Wasser in den Bächen

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Von: Boris Naumann

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Thomas Ackermann, Dezernent für Umwelt und Klimaschutz beim Landkreis Kassel, und Gabriele Lemmer, zuständig für Wasser- und Bodenschutz, sprechen mit sofortiger Wirkung ein Wasserentnahmeverbot aus.
Thomas Ackermann, Dezernent für Umwelt und Klimaschutz beim Landkreis Kassel, und Gabriele Lemmer, zuständig für Wasser- und Bodenschutz, sprechen mit sofortiger Wirkung ein Wasserentnahmeverbot aus. © Boris Naumann

So schnell ist den Bächen und Flüssen in Stadt und Landkreis Kassel das Wasser noch nicht ausgegangen. Erstmals sprechen die Behörden ein sogenanntes Schöpfverbot schon im Juni aus.

Kreis Kassel – Damit ist die Entnahme von Wasser aus Bächen, Flüssen, Teichen und Seen verboten. „Das Verbot gilt ab sofort“, sagen Thomas Ackermann, Dezernent für Umwelt und Klimaschutz beim Landkreis Kassel, sowie Susanne Albert, Sprecherin der Stadt Kassel. Davon nicht betroffen seien bis auf Weiteres die Fulda und die Weser.

Bei einem Wasserentnahmeverbot dürfen keine größeren Wassermengen zum Beispiel für die Bewässerung von Gärten und Grünflächen aus Bächen und Flüssen abgepumpt werden. Selbst die Entnahme von kleinen Wassermengen wie zum Tränken von Tieren ist mit dem Verbot tabu.

Solch ein Verbot gilt für Anlieger und Eigentümer ebenso wie für Kommunen. Wer gegen das Verbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. „Je nach Einzelfall droht ein Bußgeld bis zu 100 000 Euro“, sagt Gabriele Lemmer, beim Landkreis zuständig für Wasser- und Bodenschutz.

In erster Linie dient solch ein Schöpfverbot dem Naturschutz. „Durch das extreme Niedrigwasser drohen die Lebensräume für im Wasser lebende Organismen zu verschwinden – das betrifft Larven von Insekten und Amphibien ebenso wie Fische und wasserliebende Pflanzen“, sagt Thomas Ackermann. Durch den geringen Pegelstand erwärme sich das Wasser zusätzlich, was zu Sauerstoffarmut und unter Umständen zum Absterben der Tiere führe.

Das Problem betreffe nicht nur den Landkreis Kassel, sondern die ganze Region Nordhessen mit der Stadt Kassel sowie den Landkreisen Kassel, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner. „Wir stehen mit den Behörden in engem Kontakt. Dort, wo bislang kein Wasserentnahmeverbot ausgesprochen wurde, wird es in den kommenden Tagen noch dazu kommen“, schätzt Lemmer die Lage ein. Das bestätigt auch das Regierungspräsidium Kassel.

Grund für die sehr niedrigen Pegelstände in den Fließgewässern sei die anhaltende Trockenheit. Tatsächlich ist seit dem Winter bis Mitte Juni viel zu wenig Regen gefallen, als dass Bäche und Flüsse ausreichend Wasser führen könnten (siehe Hintergrund). „Das Jahr 2022 ist absolut vergleichbar mit den schon sehr trockenen Jahren 2018, 2019 und 2020“, sagt Lemmer. „Das Problem ist, dass durch die trockenen Jahre inzwischen auch tiefere Bodenschichten kaum noch Wasser enthalten, sodass schon jetzt zu wenig Wasser für Bäche und Flüsse zur Verfügung steht“.

Die Folge sei, dass nun erstmals schon im Juni die Entnahme von Wasser aus Gewässern aller Art verboten werden muss.“ In den Jahren 2018, 2019 und 2020 sei das erst im August notwendig gewesen. (Boris Naumann)

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