Porträt

Kaufunger Regenbogenfamilie mit zwei Papas macht sich für alle Lebensmodelle stark

Machen sich für alle Familienmodelle stark: Christian, Jascha, Mitja und Marcel Kahl in ihrem Garten in Kaufungen.
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Christian, Marcel, Jascha und Mitja Kahl aus Kaufungen sind zwei Papas mit zwei Söhnen und zusammen sind sie eine Familie. Das Paar wirbt für Akzeptanz verschiedener Familienmodelle. 

Kaufungen – Wenn Familie Kahl unterwegs ist, dann erntet sie öfters neugierige Blicke. „Das ist ja mit Zwillingen nicht ganz so selten“, sagt Christian Kahl. Dann schmunzelt er, denn das ist nicht das Einzige, was das Kaufunger Quartett mitunter in der Masse herausstechen lässt. Sie sind eine Regenbogenfamilie. Als solche beschreiben sich viele gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern.

Mit ihrer Liebe und Familie gehen sie offen um. Marcel Kahl bloggt im Sozialen Netzwerk Instagram als „Regenbogenpapi“ aus dem Familienalltag. Fast täglich gibt es dort Bastel-, Spiel- und Ausflugstipps. Und mitunter auch einen Buchtipp wie „Raffi und sein pinkes Tutu“. „Ein Buch für jeden, der nicht in Farben, Schubladen und Geschlechtern denkt“, erklärt Marcel Kahl. Bücher, wie dieses und solche, die verschiedene Familienmodelle zeigen, würde er auch gerne für die Kaufunger Kitas anschaffen. „Die würde ich dann auch dort vorlesen und Fragen der Kinder beantworten.“ Als Gesamtelternbeirat weiß er, dass es daran auch Interesse gibt. Es fehlt allerdings noch ein Sponsor für die Aktion.

Mit ihrer Offenheit und ihrem Engagement wollen sie für Akzeptanz sorgen und die Definition von Normalität erweitern. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Anderssein nichts schlimmes ist“, sagt Christian Kahl. „Je mehr Leute mit uns in Kontakt treten, desto klarer wird, wir haben ganz ähnliche Themen, die uns als Eltern und Familie beschäftigen“, ergänzt sein Mann.

In ihrer Heimat Kaufungen ist das schon gelungen, sagen die beiden. Seit 2014 wohnen sie hier, auch der Kinder zu Liebe, die im Mehrgenerationenhaus mit großem Garten aufwachsen können. Für Christian Kahl war der Umzug nach Kaufungen auch eine Heimkehr, er ist in der Lossegemeinde aufgewachsen. „Ich fühle mich hier aber auch gut aufgenommen“, sagt Marcel Kahl, der aus Einbeck stammt. Die Reaktionen seien durchweg positiv.

„Natürlich sind die Leute oft sehr neugierig, aber das ist ja nichts Negatives“, sagt er. Eine der häufigsten Fragen auf ihre Familie bezogen, sei – wenn die Leute sich denn trauten zu fragen: „Wie geht denn das?“ Tatsächlich war der Weg bis zur Vaterschaft steinig und „ein Krieg mit den Behörden“. Auch fünf Jahre nach der Geburt von Jascha und Mitja ist der Prozess noch nicht komplett abgeschlossen.

Kahls hatten sich für eine Leihmutterschaft im Ausland entschieden. Eine Adoption in Deutschland wäre noch schwieriger gewesen, eine Leihmutterschaft aber ist in Deutschland verboten. Und so verbrachten sie vor fünf Jahren einige Wochen in Russland, bevor sie ihre Jungs in die Arme schließen konnten. Die haben beim Fototermin allerdings keine Zeit, Fragen zu den Papas zu beantworten, viel wichtiger ist, mit Oma im Garten zu toben.

Info: Wer Sponsor für Marcel Kahls Buchprojekt sein will, kann sich bei ihm über Instagram melden. Man findet ihn dort unter „Regenbogenpapi“.

Das bedeutet Pride Month

Der Kasseler Christopher Street Day wird traditionell im August gefeiert. In vielen Städten werden allerdings schon im Juni die Regenbogenflaggen gehisst und kreativ auf die Rechte und Benachteiligungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, inter- und queeren Personen hingewiesen. Denn Juni ist Pride Month (engl. für Monat des Stolzes). Anlass ist der Jahrestag des Stonewall-Aufstands am 28. Juni. 1969 führte die Polizei in der Bar an der Christopher Street in New York City eine Razzia durch. Viele der anwesenden Homosexuellen und Transgender-Menschen widersetzten sich erstmals der Festnahme und Schikane.

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