Impfzahlen im Sinkflug

Kaum noch Erstimpfungen im Zentrum Calden und in den Hausarztpraxen

Unser Bild entstand zu Beginn des Impfens in Hausarztpraxen und zeigt Mitarbeiterin Elena Wegener mit dem Impfstoff von Biontech in der Praxis in Fuldatal. 
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Mittlerweile ist beim Impfen in Hausarztpraxen Routine eingekehrt, nur die Nachfrage lässt nach. Unser Bild entstand zu Beginn des Impfens in Hausarztpraxen und zeigt Mitarbeiterin Elena Wegener mit dem Impfstoff von Biontech in der Praxis in Fuldatal. 

Trotz steigender Corona-Infektionszahlen zeigt sich auch in der Region die bundesweite Impfmüdigkeit. „Die Zahl der Impfungen ist im Impfzentrum Calden stark zurückgegangen, während uns die Leute vor sechs Wochen noch die Bude eingerannt haben“, erklärt Kreissprecher Harald Kühlborn.

Kreis Kassel – Während die Zahl der Impflinge zu Spitzenzeiten immer weit über 1000 lag – am 12. Juli war der Höchststand mit 1653 Impfungen erreicht – kamen in den vergangenen Tagen weniger als 300 nach Calden. Und das, obwohl inzwischen jeder Impfwillige ohne Termin kommen kann.

Gut laufe dafür das Angebot der Impfungen für Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren. Auch das ist ohne Terminvereinbarung möglich, da an allen Tagen Kinder- und Jugendärzte für Beratungsgespräche vor Ort seien.

Die Impfmüdigkeit spiegelt sich auch in einigen Arztpraxen im Landkreis wieder. Hauptsächlich laufen dort derzeit die Zweitimpfungen. Von dem Ansturm zu Beginn ist hier nichts mehr zu spüren. Das werde sich vermutlich ändern, wenn die Drittimpfungen beginnen, sagt Dr. Martin Arend aus Fuldabrück-Dörnhagen. Dann müssten 50 Millionen Menschen in Deutschland wieder geimpft werden.

Anfragen nach Erstimpfungen kämen aktuell nur drei bis vier pro Woche in der Gemeinschaftspraxis an, sagt Dr. Arend. „Die, die keine Impfung wollen, wollen auch jetzt keine.“

„Das Impfen ist tot“, sagt Ralf Wittwer von der Hausarztgemeinschaft Waldeck-Wolfhager Land. Die Patienten, die geimpft werden wollten, seien inzwischen durchgeimpft. „Die anderen, alle zwischen 12 und 40 Jahren, wollen warten oder sind hartnäckige Impfverweigerer.“ Letztere seien gefühlt im Durchschnitt 60 Jahre alt. „Wir bringen relativ viel Energie auf, davon noch den einen oder anderen zu überzeugen, das gelingt uns aber nur bei einer Handvoll pro Tag.“

In den kommenden Tagen würden die Hausarztpraxen beginnen, die Senioren in den Pflegeheimen zu boostern, also deren Impfschutz aufzufrischen.

Auch die steigenden Inzidenzen hätten zu keiner Veränderung der Impfnachfrage geführt. „Ich könnte mir vorstellen, dass die bald kostenpflichtigen Tests noch einmal zu einem Nachfrageschub führen werden“, vermutet der Hausarzt.

Unter anderem wegen der geringen Impfnachfrage musste Wittwer auch schon abgelaufene Impfdosen entsorgen. Er geht davon aus, dass allein in der Region Tausende von Impfdosen vernichtet werden müssen. „Das ist sehr ärgerlich, besonders unter dem Aspekt der weltweit ungleichen Verteilung des Impfstoffes.“

Dass Impfstoff entsorgt werden musste, kam in der Praxis von Dr. Gunter Lehmann in Fuldatal-Ihringshausen zum Glück ganz selten vor. Trotzdem beobachtet auch der Fuldataler Arzt einen deutlichen Rückgang der Nachfrage.

In der Gemeinschaftspraxis gab es bisher 3000 Impfungen. Zu Beginn haben seine Mitarbeiterinnen 120 bis 150 Menschen am Tag geimpft. „Mittlerweile sind es nur noch 90, das ist für uns nicht viel.“

Er spreche weiterhin alle Ungeimpften an und versuche, sie von der Impfung zu überzeugen, „nicht zu überreden“. Denn in seiner Praxis erlebe er auch Fälle von Post-Covid – Genesene, die sich nicht mehr konzentrieren könnten oder beim Treppenaufstieg keine Luft mehr bekämen. „Und das sind Menschen um die 40.“

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