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Keine Angst vor Wärmepumpe: Schornsteinfeger im Kreis Kassel wappnen sich

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Von: Theresa Novak

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Wenn es richtig kalt ist, empfiehlt Techniker Volker Nawroth zusätzlich mit einem Ofen zu heizen, um Verbrauchsspitzen abzudecken.
Wenn es richtig kalt ist, empfiehlt Techniker Volker Nawroth zusätzlich mit einem Ofen zu heizen, um Verbrauchsspitzen abzudecken. © Theresa Novak

Spätestens seit Gas knapp und Öl teuer ist, ist ein Umdenken beim Thema Heizen in viele Häuser eingezogen. Wärmepumpen sind besonders beliebt, weil sie als umweltfreundlich gelten und völlig ohne fossile Energieträger auskommen – und ohne Schornsteinfeger.

Kreis Kassel – Denn der Schornsteinfeger muss nur kommen, wenn mittels Verbrennungsprozess geheizt wird. Wenn nun immer mehr Wärmepumpen Einzug in die Häuser finden, wird dann der seit dem 16. Jahrhundert in Deutschland bekannte Beruf aussterben?

„Ein klares Nein“, sagt Siegfried Becker, Obermeister der Schornsteinfegerinnung Kassel. Die Innung deckt insgesamt 169 Betriebe im gesamten Regierungsbezirk Kassel ab. Dazu gehören: Stadt und Landkreis Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Schwalm-Eder-Kreis, Marburg-Biedenkopf, Waldeck-Frankenberg, Fulda und Hersfeld-Rotenburg. „Wir sind mitten im Prozess, die Aufgaben ändern sich, es kommen neue hinzu. Uns wird gerade nicht langweilig.“

Laut Erhebungen vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks werden in Deutschland zwar von 7000 Kehrbezirken in Zukunft 2000 der Wärmepumpe und anderen modernen Systemen zum Opfer fallen. „Angesichts des Fachkräftemangels wird das aber kein Problem sein und sich am Ende ausgleichen“, sagt Obermeister Becker.

Volker Nawroth, Techniker der Schornsteinfegerinnung Kassel, hat ebenfalls keine Zukunftssorgen. Auch wenn er sich sicher ist, „dass fossile Brennstoffe spätestens ab 2040 keine Rolle mehr spielen werden“. Das Schornsteinfegerhandwerk stelle sich wie andere Handwerke jetzt schon auf den Wandel ein und schaffe sich neue Arbeitsfelder.

Nawroth und Becker gehen davon aus, dass sich die Schornsteinfegerbetriebe in Zukunft „erheblich spezialisieren“ werden. Der eine werde sich besonders gut im Bereich Lüftungsanlagen auskennen, der andere Rauchmelder einbauen und warten und der nächste Betrieb werde verstärkt Energieberatungen anbieten.

„Wir bekommen den Transformationsprozess für die Zukunft hin“, ist sich Nawroth sicher. „Wir müssen offen für neue Techniken sein und uns nicht davor verschließen – wie zum Beispiel vor der Wärmepumpe.“ Die sei zwar an sich nicht neu, aber heute viel ausgereifter als früher und deshalb als alternative Heiztechnik eine gute Option im Hinblick auf Umweltaspekte. „Sie ist trotzdem noch nicht für jedes Haus geeignet, aber sie arbeitet schon viel effizienter.“

Welche Art des Heizens in Zukunft der Königsweg sein wird, das wissen auch Becker und Nawroth nicht zu beantworten. „Wir haben leider keine Glaskugel. Es werden alte Techniken verbessert, neue kommen und die Energiekrise wird auch irgendwann vorbei sein. Was sich am Ende durchsetzt, wissen wir heute nicht.“

Im Landkreis Kassel gibt es 22 Kehrbezirke, ein Bezirk deckt durchschnittlich 2500 Häuser ab. (Theresa Novak)

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