Ordnungsämter im Landkreis Kassel sehen sich aber kaum in der Lage, das neue Verbot zu überwachen

Keine Böller in der Nähe von Fachwerk

In diesem Jahr erstmals bundesweit verboten: In „unmittelbarer Nähe“ zu Fachwerk darf nach einem seit Oktober gültigen Bundesgesetz kein Feuerwerk mehr gezündet werden. Fotomontage: hna

Kreis Kassel. Die Gesetzeslage ist seit Oktober bundesweit eindeutig: In „unmittelbarer Nähe“ zur Fachwerkhäusern dürfen keine Feuerwerkskörper abgebrannt oder Silvesterraketen in den Himmel gefeuert werden.

Streng genommen dürfte also in der Silvesternacht in keinem der vielen Fachwerkdörfer im Landkreis Kassel das neue Jahr mit Knallerei begrüßt werden. Immerhin droht bei Missachtung des Verbotes eine Geldstrafe von 50 000 Euro.

Allein: Viele Ordnungsämter in den Rathäusern sehen sich nicht in der Lage, die Einhaltung des neuen Gesetzes auch zu kontrollieren.

Keine Hausbrände mehr

„Wir werden das auf Sparflamme kochen“, reagierte Espenaus Bürgermeister Michael Wielert gegenüber unserer Zeitung auf das neue Gesetz. Ohnehin gebe es in den Espenauer Ortsteilen nicht so geschlossene Fachwerk-Ensembles wie zum Beispiel in Helsa. Auch Hausbrände, die durch Feuerwerkskörper ausgelöst wurden, gab es in der Gemeinde seit Langem keine mehr.

Auf die grundsätzliche Gültigkeit von Gesetzen verwies Wolfhard Eidenmüller, im Vellmarer Rathaus unter anderem für die öffentliche Ordnung zuständig und gleichzeitig auch Stadtbrandinspektor: „Gesetze müssen eingehalten werden.“ Das gelte auch für das Abschießen von Feuerwerkskörpern. Er setzt jedoch auch auf die Vernunft der Bürger. Fachwerk findet sich im Stadtgebiet Vellmar zum Beispiel im alten Ortskern von Obervellmar und im alten Dorf in Niedervellmar. Stadtmitte und Frommershausen seien von dem neuen Gesetz so gut wie nicht betroffen.

Auch in Fuldatal weist die Verwaltung auf das Verbot hin. Nach Interpretation des Ordnungsamtsleiters Klaus Dreyer gelte dies aber nur dann, wenn die Gemeinde das Böller-Verbot in sensiblen Bereichen explizit anordne. Kontrollieren wird das Ordnungsamt nicht. Dafür fehle das Personal. Aber Dreyer sieht für Fuldatal auch „keinen unmittelbaren Handlungsbedarf“. Denn die dortige Bebauung sei nicht so eng wie anderswo. Fachwerk gebe es in den Ortsteilen sowieso kaum. In Ahnatal war das noch frische Gesetz noch nicht bekannt. Kontrollieren könne laut Bürgermeister Michael Aufenanger auch seine Gemeinde wegen mangelnder Kapazitäten nicht. Aber wegen der vergleichsweise geringeren Fachwerkbebauung stelle sich dieses Problem in Ahnatal weniger. Unsicher ist, was mit dem Begriff „unmittelbare Nähe“ gemeint ist. Die Gemeinde Fuldabrück hat den notwendigen Abstand zum nächsten Fachwerkhaus auf 200 Meter festgelegt. (tom/swe)

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