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Kfz-Versicherung auch 2023 in Kassel teurer als im Landkreis

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Von: Sebastian Schaffner

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Was bedeuten die neuen Regionalklassen der Versicherungswirtschaft für die Stadt und den Kreis Kassel? Hier gibt‘s Fragen und Antworten zur Kfz-Versicherung.

Kassel/Kreis Kassel - Autofahrer in Kassel müssen auch im kommenden Jahr mit höheren Beiträgen bei der Kfz-Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung rechnen als im Landkreis Kassel. Das geht aus der Schadensbilanz des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Aus der Bilanz ergeben sich die neuen Regionalklassen für 2023. Dazu Fragen und Antworten.

Was hat es mit den Regionalklassen auf sich?

Die jährlich neu bewerteten Regionalklassen spiegeln laut GDV die Schadensbilanz der 412 deutschen Zulassungsbezirken wieder. Es gibt sie für die Kfz-Haftpflicht- sowie für die Voll- und Teilkaskoversicherung. „Die Regionalklassen sollen das Risiko jedes Bezirks gerecht abbilden“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Heißt: Da, wo es am häufigsten kracht oder die Unfälle besonders teuer für Versicherer sind, sind die Beiträge entsprechend hoch.

Was fließt in die Berechnung der Regionalklassen ein?

Bei der Kfz-Haftpflichtversicherung wird die Einstufung der Regionalklasse direkt vom Fahrverhalten der Autofahrer im jeweiligen Bezirk beeinflusst. Der GDV berücksichtigt die Anzahl der Schäden, bezogen auf die Anzahl der dort zugelassenen Fahrzeuge, und die durchschnittliche Schadenshöhe. Entscheidend ist dabei nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat. Für die Kaskoversicherung sind die Einbrüche und Diebstähle wichtig. Zudem werden Sturm- und Hagelschäden sowie Wildunfälle angerechnet. Daraus ergeben sich in der Haftpflicht zwölf Klassen. Die Teilkasko hat 16, die Vollkasko neun Regionalklassen. Je niedriger die Klasse, desto günstiger wirkt sich das auf den Beitrag aus.

Kfz-Versicherung im Kreis Kassel: Im Bundesvergleich gut abgeschnitten

Wie schneidet der Kreis Kassel ab?

Im bundesweiten Vergleich recht gut. Aus der Höhe und der Anzahl der regulierten Schäden legt die Versicherungswirtschaft einen Mittelwert von jeweils 100 zugrunde. Liegt er darunter, ist die Schadensbilanz einer Region besser als der bundesdeutsche Schnitt – der Kreis Kassel liegt jeweils unter dieser Marke. Bei der Haftpflicht beträgt der Landkreis-Index 95. Das entspricht der Regionalklasse 5. Teilkaskoversicherte aus dem Kasseler Umland werden ebenfalls in Klasse 5 eingestuft (Index: 87), bei der Vollkaskoversicherung in Klasse 3 (Index: 96). Dieselben Klassen galten auch bisher.

Und die Stadt Kassel?

Ein wenig anders sieht es in der Großstadt aus. Haftpflichtversicherte aus der Stadt werden auch im kommenden Jahr in die zweithöchste Kategorie (Klasse 11) eingestuft. Der Index beläuft sich auf 130, liegt also deutlich über dem Schnitt. Bei der Teilkasko hingegen fährt es sich in der Regionalklasse als documenta-Städter recht günstig: Ein Index von 74 bedeutet ebenfalls wie bisher Klasse 3. Autos mit Vollkaskoversicherung bleiben in der Regionalklasse 6 (Index: 105).

Da, wo es am häufigsten kracht oder die Unfälle besonders teuer für Versicherer sind, sind die Beiträge entsprechend höher.
Da, wo es am häufigsten kracht oder die Unfälle besonders teuer für Versicherer sind, sind die Beiträge entsprechend höher. (Symbolbild) © Foto: Markus Brandhuber/Ostalb Network/dpa-Bildfunk

Kracht es denn so viel häufiger in Kassel als im Landkreis?

Ja. Maßgeblich für die Schadensbilanz sei ein Durchschnittswert der Unfälle aus den vergangenen drei Jahren, heißt es vom GDV auf Nachfrage unserer Zeitung. Konkrete Zahlen nennt der Verband nicht. Laut Verkehrsunfallstatistik des Polizeipräsidiums Nordhessen sind im Kreisgebiet im vergangenen Jahr insgesamt 3544 Unfälle aufgenommen worden. In Kassel waren es 4811. Das sind 35 Prozent mehr.

Kfz-Versicherung im Kreis Kassel: Regionalklassen sind lediglich Empfehlung

Welche Regionen haben die besten und die schlechtesten Schadensbilanzen?

Bei der Kfz-Haftpflicht hat der Zulassungsbezirk Elbe-Elster (Brandenburg) mit 70 den niedrigsten Wert. Die meisten Schäden meldet Berlin (Index 139). Die Teilkasko-Tabelle mit der geringsten Schadensbilanz führt Bamberg an (57). Das Schlusslicht liegt ebenfalls in Bayern: Ostallgäu (214). Besonders positiv bei der Vollkasko fällt der Zulassungsbezirk Weser-Marsch (Niedersachsen) mit einem Index von 76 auf. Auf dem unrühmlichen Gipfel der Schadensbilanz steht der Landkreis mit dem höchsten Berg Deutschlands: Garmisch-Partenkirchen.

Sind die Regionalklassen für Versicherer bindend?

Nein. Die Regionalklassen sind nach Angaben des GDV lediglich eine Empfehlung für die Versicherungsunternehmen. Allerdings halten sich die meisten Anbieter auch tatsächlich daran, wie eine HNA-Umfrage in der Region ergeben hat: Die Allianz übernehme beispielsweise die Empfehlung des GDV, sagt Sindy Lerch von der Generalvertretung Maria Kaiser in Kassel. Für die Höhe der Versicherungsprämie spielten allerdings auch noch andere Faktoren eine Rolle wie das Alter des Fahrers, die Typklasse des Autos und die jährliche Kilometerleistung – und dabei komme es mitunter auch schon auf die Straße an. Melde man beispielsweise in Kassel ein Auto an der Wilhelmshöher Allee an, könne der Beitrag schon höher sein als für ein baugleiches Fahrzeug an der Leipziger Straße im östlichen Teil der Stadt, so Lerch. Auch die DEVK in Wolfhagen setzt die GDV-Vorlage eins zu eins um, bestätigt die Geschäftsstelle an der Kurfürstenstraße. Allerdings verweist auch die Wolfhager DEVK auf die individuellen Faktoren der Beitragszusammensetzung. (Sebastian Schaffner)

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