Immer weniger Anträge auf kleinen Waffenschein

Kleine Waffen: Landkreis Kassel gegen Landestrend

Einen kleinen Waffenschein zum Führen beispielsweise einer Schreckschusswaffe  kann mit wenigen Voraussetzungen beantragt werden. Im Landkreis Kassel ist das Interesse zurückgegangen.
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Einen kleinen Waffenschein zum Führen beispielsweise einer Schreckschusswaffe kann mit wenigen Voraussetzungen beantragt werden. Im Landkreis Kassel ist das Interesse zurückgegangen.

Die Zahl der kleinen Waffenscheine steigt in Hessen kontinuierlich an und hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, wie Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) kürzlich im Wiesbadener Landtag auf eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion antwortete.

Kreis Kassel – Im Landkreis Kassel ist das Gegenteil der Fall. So ist die Nachfrage nach kleinen Waffenscheinen in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen, berichtet Kreis-Pressesprecher Harald Kühlborn. Demnach haben im vergangenen Jahr insgesamt 175 Menschen einen kleinen Waffenschein genehmigt bekommen, 2019 waren es noch 249, im Jahr 2018 lag die Zahl bei 307.

Den bemerkenswertesten Anstieg hatte es 2016 gegeben, als deutschlandweit die Nachfrage in die Höhe geschnellt war, was man damals auf die Silvesternacht 2015/16 in Köln zurückführte. Damals wurde 751 Menschen im Landkreis ein kleiner Waffenschein ausgehändigt.

Die Anwärter eines kleinen Waffenscheins werden vom Landkreis auf verschiedenen Wegen überprüft. So gibt es laut Kühlborn Abfragen beim Bundeszentralregister und beim Staatsanwaltlichen Zentralregister. Die Landkreise fragen im Zuge des Prüfverfahrens zudem mögliche Auffälligkeiten bei der Regelabfrage des Verfassungsschutzes ab. Auch durch Abfragen über das Landeskriminalamt und das Einwohnermeldeamt werden die Antragsteller überprüft.

„Durch diese Schritte werden auffällige Antragsteller bekannt und erhalten dann auch keine waffenrechtliche Erlaubnis“, erläutert der Sprecher des Landkreises. Hundertprozentige Sicherheit kann es dadurch dennoch nicht geben, da in diesem Überprüfungsverfahren nur jene Personen ermittelt werden können, die in der Vergangenheit auffällig geworden sind.

Nicht jeder hält sich an die waffenschutzrechtlichen Vorgaben. So wurden im Juli 2018 im Zuge einer Waffenamnestie im Landkreis Kassel 52 Waffen aus illegalem Besitz eingesammelt. Dass es eine solche Aktion wieder geben wird, ist Kühlborn derzeit nicht bekannt. Er weist aber darauf hin, dass sich das Waffengesetz umfassend geändert habe und dadurch bestimmte, bislang erlaubnisfreie Waffen nun einer Anzeige- oder Genehmigungspflicht bedürften.

Darunter fallen Salutwaffen, Dekorationswaffen, Bauteile von Waffen, Pfeilabschussgeräte und Magazine. „Diese können noch bis zum 1. September bei der Waffenbehörde des Landkreises Kassel abgegeben werden“, sagt Kühlborn. Diese Waffen und Zubehörteile würden dann kostenfrei vernichtet und entsprechend entsorgt werden.

Wer eine Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffe ohne die Genehmigung durch einen kleinen Waffenschein führt, wird nach dem Waffengesetz mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft.

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