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Kleine Waffenscheine sind gefragt: Anträge im Landkreis sind nach Debatte um Verschärfung gestiegen

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Von: Raphael Digiacomo

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Gefragt wie schon lange nicht mehr: Der Landkreis Kassel hat seit Jahresbeginn einen deutlichen Anstieg der Anträge auf den kleinen Waffenschein verzeichnet. Damit können Träger freie Waffen mit sich führen.
Gefragt wie schon lange nicht mehr: Der Landkreis Kassel hat seit Jahresbeginn einen deutlichen Anstieg der Anträge auf den kleinen Waffenschein verzeichnet. Damit können Träger freie Waffen mit sich führen. © Oliver Killig/dpa

Der kleine Waffenschein ist im Landkreis Kassel gefragter. Gründe dafür sind die Diskussionen um Verschärfungen nach den Silvester-Krawallen.

Kreis Kassel – Krawalle in der Silvesternacht und Verhaftungen in der Reichsbürgerszene: Ereignisse wie diese führen laut Kreissprecher Harald Kühlborn dazu, dass der kleine Waffenschein im Landkreis Kassel deutlich gefragter ist. „Die Anträge haben sich seit Jahresbeginn im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt“, teilt Kühlborn mit.

„Wir beobachten, dass die Nachfrage stark ereignisabhängig ist“, sagt der Sprecher. So seien nach der Kölner Silvesternacht 2015 die Anträge auf den kleinen Waffenschein in 2016 von rund 200 auf rund 700 angestiegen. Seit 2017 sei die Nachfrage jedoch stabil geblieben. Die Kreisverwaltung erhalte jährlich durchschnittlich rund 200 Anfragen. Sollte der aktuelle Trend anhalten, würde die Nachfrage nach kleinen Waffenscheinen im Kreis Kassel 2023 den höchsten Wert der vergangenen sechs Jahre erreichen.

Im Landkreis sind laut Kühlborn aktuell insgesamt 19 564 Schusswaffen registriert. Dabei handelt es sich um 13 334 Langwaffen, sprich Gewehre, und 6230 Kurzwaffen – also Pistolen. Jäger stellen den größten Anteil an Waffenbesitzern, gefolgt von Sportschützen.

Waffengesetze werden diskutiert: Nancy Faeser fordert Verschärfung

In Berlin wird derzeit über die Waffengesetze diskutiert: Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) fordert eine Verschärfung. Die FDP sowie Jagd- und Schützenverbände kritisieren den Vorstoß der Ministerin. Auch im Landkreis Kassel wären Waffenbesitzer von den Gesetzesänderungen unmittelbar betroffen.

So soll der Besitz von Waffen für Privatleute stärker als bisher eingeschränkt werden. Besonders gefährliche, kriegswaffenähnliche Gewehre sollen verboten werden. Schreckschusswaffen und Armbrüste wären künftig nur für Besitzer eines kleinen Waffenscheins zu erwerben. Darauf angesprochen, ist kaum eine der betroffenen Personen bereit, sich zu dem aktuellen politischen Diskurs rund um das Waffengesetz zu äußern. Wir erläutern, was eine Verschärfung bedeuten würde.

Kleiner Waffenschein: Silvesternacht war der Auslöser für Diskussionen

Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen (SRS) gelten als freie Waffen. Sie sind bisher ab 18 Jahren erhältlich, dürfen außerhalb der eigenen vier Wände aber nur von Trägern eines kleinen Waffenscheins mitgeführt werden. Das könnte sich ändern, geht es nach Faeser.

Sie fordert, dass auch der Erwerb von SRS-Waffen künftig Trägern des kleinen Waffenscheins vorbehalten bleibt. In der vergangenen Silvesternacht hatten randalierende Jugendliche derartige Waffen verwendet, um Lichtkörper und Knallpatronen abzuschießen – auch gegen Polizeibeamte und Feuerwehrleute, wie Videoaufnahmen im Netz zeigen.

Wie viele dieser freien Waffen im Landkreis Kassel aktuell zirkulieren, kann laut Kühlborn nicht genau beziffert werden, da für den Besitz derartiger Waffen keine Waffenbesitzkarte erforderlich sei. Aktuell sind demnach 2805 Personen im Landkreis Träger eines kleinen Waffenscheins.

Gefährliche Gewehre sollen verboten werden: 57 des Typs im Landkreis Kassel gemeldet

Besonders gefährliche halbautomatische Schusswaffen – wie das bei Jägern beliebte Gewehr vom Typ AR-15 – sollen für Privatpersonen gänzlich verboten werden. Immerhin 57 Gewehre dieses Typs sind laut Kühlborn zurzeit im Landkreis Kassel gemeldet. Die Besitzer dieser Waffen wären von den Neuerungen betroffen und müssten im Falle einer Gesetzanpassung ihre Gewehre abgeben.

„Das AR-15 ist bei der traditionellen Jagd verpönt, wird aber oftmals gegen Raubtiere eingesetzt“, erklärt ein Jäger aus dem Kreis Kassel. Das AR-15 sehe wie ein militärisches, automatisches Sturmgewehr aus, sei aber ein halbautomatisches Gewehr. Das bedeutet, dass mit dem Betätigen des Abzugs jeweils nur ein Schuss ausgelöst werde – nicht gleich mehrere, wie bei einer Automatikwaffe. Damit fällt das halb-automatische AR-15 bislang noch nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. (Raphael Digiacomo)

Waffenscheine, Waffenbesitzkarten und ihre Unterschiede

Der (große) Waffenschein berechtigt seinen Träger, eine erlaubnispflichtige Schusswaffe in der Öffentlichkeit zu führen, also außerhalb der eigenen Wohnung oder des eigenen Grundstücks mit sich zu tragen. Ausgenommen davon sind öffentliche Veranstaltungen wie Sportevents, Demos oder Volksfeste. Antragsteller müssen volljährig und persönlich geeignet sein, ohne Vorstrafen und Drogen- sowie Alkoholabhängigkeiten. Der Antragssteller muss ein glaubhaftes Bedürfnis, wie eine besondere Gefährdung, belegen.

Der kleine Waffenschein bezieht sich auf zugelassene Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen (SRS-Waffen), die das Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen. Die Voraussetzungen sind identisch mit denen des großen Waffenscheins.

Waffenbesitzkarten (WBK) berechtigen zum Kauf und Besitz von Schusswaffen. Die rote WBK ist für Sammler historischer Waffen vorgesehen, die gelbe WBK dient Sportschützen. Die grüne WBK ist für Jäger, gefährdete Personen, Waffenhändler und -produzenten.

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