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Flüchtlingsheim im Garten: Ehepaar öffnet Tiny House für Ukrainer

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Von: Moritz Gorny

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Wollen Flüchtlingen aus der Ukraine ein Dach über dem Kopf bieten: Heiko und Natalie Führer stehen hier vor ihrem Tiny House in ihrem Garten in Niederkaufungen (Kreis Kassel).
Wollen Flüchtlingen aus der Ukraine ein Dach über dem Kopf bieten: Heiko und Natalie Führer stehen hier vor ihrem Tiny House in ihrem Garten in Niederkaufungen (Kreis Kassel). © Moritz Gorny

Viele Menschen helfen Geflüchteten aus der Ukraine, ob mit Geld oder Lebensmitteln. Ein Ehepaar aus dem Kreis Kassel geht noch einen Schritt weiter.

Kaufungen – „Wir haben ein Tiny-House im Garten und haben es dem Landkreis Kassel als Unterkunft angeboten“, sagt Heiko Führer. Der 46-jährige Berufsschullehrer hat es in Eigenregie gebaut – eigentlich ist er damit mit seiner Frau und den zwei Kindern auf Campingplätzen unterwegs. Dass die Führers es jetzt Flüchtlingen zur Verfügung stellen, hat vor allem mit Natalie Führer zu tun.

Die 44-Jährige stammt selbst aus der Ostukraine, aus Dmitrovka, einem kleinen Dorf in der Donezk-Region, nahe der russischen Grenze. Führer ist vor rund 21 Jahren für ein Studium nach Deutschland gekommen, also noch lange vor der Annexion der Krim 2014 und den erbitterten Kämpfen mit russischen Separatisten im Land. Doch ihre Eltern erlebten die Auseinandersetzungen hautnah. „Sie sind dem Tod mehrmals knapp entkommen und mussten fliehen“, sagt Führer.

Vor 21 Jahren ausgewandert: Ukrainerin aus dem Kreis Kassel will ihren Landsleuten jetzt helfen

Schließlich hätten es ihre Eltern nach Deutschland geschafft und seien mittlerweile in Sicherheit. Aber was ihre Familienmitglieder damals schon miterlebt haben, treibt Führer und ihren Mann noch heute um. Insbesondere mit Blick auf den Krieg, den Russland nun gegen die Ukraine führt. „Wir wissen, was das für die Menschen vor Ort bedeutet“, sagen Heiko und Natalie Führer.

Dass die Ukrainer jetzt standhaft bleiben und ihr Land verteidigen, können Führers gut verstehen. „Sie kämpfen nicht nur für sich selbst, sondern stellvertretend für die ganze westliche, demokratische Welt“, sagt Natalie Führer, die in einer Sprachschule in Kassel arbeitet. Der russische Präsident Wladimir Putin ist für sie ein Diktator, mit Parallelen zu Adolf Hitler. Gleichschaltung der Medien, Propaganda, harte Strafen für Andersdenkende, Angst und Schrecken, das erinnere sie an die NS-Zeit.

Antrieb ist der Glaube: Kasseler Spendenaktion für die Menschen aus der Ukraine

Die Führers wollen sich dem entgegenstellen, zumindest dort, wo sie es können. Nämlich in Niederkaufungen, indem sie Menschen einen Unterschlupf bieten. Antrieb ist dabei ihr starker, christlicher Glaube. Den möchten sie auch über ihren selbst gegründeten Verein Gottesherz publik machen und in die Tat umsetzen. Hierüber sammeln sie auch Spenden für die Ukraine. Dass Menschen in Würde leben können, sehen sie als wichtiges Gut der Gesellschaft. Viele Gründe also, sich zu engagieren.

Wer ebenfalls Flüchtlingen aus der Ukraine eine Unterkunft bieten möchte, beispielsweise eine Einliegerwohnung oder ein Tiny House, kann sich beim Kreis Kassel registrieren. (Moritz Gorny)

Hilfe für die Ukraine kommt aus allen Teilen des Landkreis Kassel. Mit einer großen Spendenaktion helfen auch die Kirchen in Kassel zusammen mit den Maltesern.

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